Gedanken zum Tag

Woche vom 8. - 14. August

Was trägt mich?
Eine Woche lang wollen wir uns mit verschiedenen Bildern, Gebeten und Texten der Frage „Was trägt mich?“ widmen.
Klicken Sie dazu unten auf den jeweiligen Tag.
Erst am gewählten Tag ist es möglich, den Gedanken für diesen Tag zu lesen.

Carolin Lochner


Freitag, 7. August

„Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben“ spricht Jesus im Johannesevangelium. „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,5). Bei meinem Nachdenken über die Ich-Bin-Worte in dieser Woche habe ich gemerkt, dass diese Worte zum längeren Nachdenken einladen, zum Meditieren und dass sie auch in ihrem biblischen Zusammenhang gesehen werden müssen – das geht über den Rahmen des Gedankens zum Tag leider hinaus.

Es werden immer wieder andere Worte und Gedanken der „Ich-bin-Worte“ Jesu sein, die mich zum Nachdenken anregen. Heute sind es für mich die Worte „Wer in mir bleibt und ich in ihm“. An zwei Texte musste ich beim Lesen denken:

Paulus schreibt im Römerbrief, mit der Taufe leben wir „in Christus“, aufs Engste mit ihm verbunden. So wie eine Rebe am Weinstock, wie ein Glied an seinem Leib.

Und Gerhard Tersteegen findet in seinem Lied „Gott ist gegenwärtig“ (EG 165) ganz ähnliche Worte: „Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehen und finden.“

Eine andere Möglichkeit, diesen Worten und dieser Verbindung zwischen Christus und uns nachzusinnen, ist ein kurzes Gebet, verbunden mit unserem Atem. Mit dem Einatmen spreche ich innerlich die Worte „du in mir“, mit dem Ausatmen die Worte „ich in dir“.                                                                                        Felix Breitling

                                                                                                                                  

 


Donnerstag, 6. August

„Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?“ spricht der Jünger Thomas zu Jesus, als dieser von seinem Abschied redet.

Jesus antwortet ihm darauf: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6)

Mir sind diejenigen suspekt, die meinen, die Wahrheit zu haben, die meinen, alles erklären zu können, selbstsicher und überzeugt. Und ich werde immer misstrauisch, wenn Menschen von Gott so sprechen, als ob sie ihn besser kennen als er sich selbst. Der Jünger Thomas mit seinen Zweifeln ist mir da lieber.

Die Wahrheit für mein Leben ist keine Theorie und es sind keine Glaubenssätze. Ich sehe sie für mich in Jesus Christus. Der, in dem Gott als verletzlicher Mensch auf die Welt gekommen ist. Diese Wahrheit habe ich nicht, ich habe sie noch längst nicht verstanden und werde sie hier auf Erden nicht verstehen. Sie ist ein Weg und kein Begriff. Vielleicht ist diese Lebens-Wahrheit auch gar nicht mit dem Verstand zu fassen. Eher im Gebet, im Schweigen, mit dem Herzen. Ich weiß es nicht. 

Felix Breitling                    


Mittwoch, 5. August

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ (Joh 11,25) sagt Jesus zu Marta, der Schwester des toten Lazarus. Diese Worte spreche ich oft am Grab. Und besonders hier spüre ich die Widersprüchlichkeit dieser Worte. Ich sehe auf den Sarg und spreche vom Leben trotz Tod.

„Wir verstehen diese Sprache nicht, aber wir sprechen sie, aus Trotz und aus Liebe zu unseren Toten. Und es schert mich nicht, dass man uns Ungereimtheiten nachsagen kann. Dass die Toten leben werden, ist das Unmöglichste, was man sagen kann. Es ist die größte Ungereimtheit, die man sich denken kann. Aber man denkt sie sich ja auch nicht, man glaubt und betet sie.“ schreibt der Theologe Fulbert Steffensky.   

Wenn ich dort stehe und diese Worte spreche, dann stehe ich für eine Hoffnung ein, die über mein menschliches Verstehen weit hinausgeht. „Wir wissen nicht genau, was wir mit dieser trotzigen Hoffnung sagen“ schreibt Steffensky weiter. „Gott weiß es, das genügt.“

An einem Satz bin ich immer hängen geblieben: „Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ Und was ist mit den Menschen, die nicht glauben?

Fulbert Steffensky ging es scheinbar auch so. Aber er hat meiner Meinung nach eine gute Antwort gefunden: „Wir wollen dem Jesus aus der Lazarusgeschichte zu einer kleinen Horizonterweiterung verhelfen: Auch wer nicht das Glück hatte, an ihn zu glauben, ,wird leben, auch wenn er stirbt‘. Wir wollen den Trost für alle Toten. Weniger als alles wollen wir nicht.“

(Zitate aus: Fulbert Steffensky: Der Schatz im Acker. Gespräche mit der Bibel, Stuttgart 2011, S. 73f.)

Felix Breitling


Dienstag, 4. August

„Ich bin die Tür“ sagt Jesus im Johannesevangelium. Der 2016 verstorbene Pfarrer Jörg Zink erzählt dazu die folgende Geschichte: „Als ich ein junger Vikar war, sprach einmal ein alter Lehrer mit mir über eine schwierige Schulklasse. Er sagte: Wenn du dich vor einer Schulkasse fürchtest, dann bleibe einen Augenblick stehen, ehe du eintrittst. Nimm den Türgriff in die Hand und sage: Christus ist die Tür. Dann geh hinein. Du wirst eine andere Stunde erleben. Der Rat lässt sich übertragen.“

Ich merke, dass ich in meinem Alltag oft unachtsam durch Türen gehe. Ich schließe schnell auf, gehe in den Raum, gehe wieder heraus. Mit jeder Tür gehe ich in eine andere Situation. Oft weiß ich nicht, was in dem Raum, den ich betrete, auf mich zukommt.

Als Übung nehme ich mir für diese Woche vor, kurz innezuhalten, bevor ich die Türe vor mir öffne und dann über die Türschwelle gehe. „Ich bin die Tür“ sagt Jesus.

Felix Breitling

 


Montag, 3. August

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12). Mein Konfirmationsspruch. Ich weiß nicht, mit welcher Motivation ich ihn mir damals ausgesucht habe. Jetzt spreche ich diese Worte oft, wenn ich bei einer Taufe die Taufkerze an der Osterkerze anzünde: „Diese Kerze ist das Zeichen dafür, dass Jesus Christus das Licht in Deinem Leben ist.“

„Ich bin das Licht der Welt“ sagt Jesus von sich. Wenn ich über diese Worte nachdenke, wird mir klarer: Ich glaube nicht an eine Theorie, an Glaubenssätze, an Dogmen. Ich glaube an den menschgewordenen Sohn Jesus Christus, der in die Dunkelheit hineingeboren wurde, der auf dieser Erde gelebt hat bis zum Tod am Kreuz, der von sich sagt „Ich bin das Licht der Welt“. Dieses Licht ist da. Es wird nicht ausgehen.

Geht mit mir, an allen Tagen, auch wenn es schwer ist und dunkel. Es wird nicht finster sein.

Felix Breitling


Sonntag, 2. August

Predigt von Pfarrer Felix Breitling s. Predigten zum Nachhören


Samstag, 1. August

Die Menschen ziehen Jesus hinterher. Sie wollen ihn hören, wollen geheilt werden, und sie haben Hunger, den Jesus wahrnimmt. Sie brauchen etwas zu Essen in ihrem Alltag, sie haben Hunger nach Leben. Es fehlte Nahrung und Jesus hat ermöglicht, dass Tausende satt wurden, Brot und Fisch genug für alle.

„Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll“ sagen sie, nachdem sie das erlebt hatten. Sie lassen nicht von ihm ab und suchen ihn. Als sie ihn gefunden haben, entwickelt sich ein Gespräch: „Ihr sucht mich, weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. Aber kümmert euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die bleibt zum ewigen Leben. Das wird euch der Menschensohn geben“ sagt Jesus zu ihnen und schließlich spricht er: „Ich bin das Brot des Lebens“.

Brot, das ist das Lebensnotwendige. Brot gegen den Hunger. Notwendig zum Überleben.

„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern.“

Brot ist Nahrung für den Alltag. Jesus begegnet Menschen in ihrem Alltag. Hier spricht er sie an, heilt sie, gibt ihrem Leben eine neue Wendung. Die Begegnungen, in denen das Leben von Menschen eine Wandlung erfährt, geschehen nicht an religiös herausragenden Orten. Jesus zieht mit seinen Jüngern durch die Dörfer, in denen die Menschen leben. Hier befreit er sie von den Zwängen ihres Lebens, spricht ihnen zu, dass sie Gottes geliebte Kinder sind. Sie wachsen über sich hinaus, erleben das Leben als Fülle und erfüllt.

„Ich bin das Brot des Lebens“, sagt Jesus. Ich will Dich nähren in deinem Alltag, in deinen Herausforderungen, für das, was Dich Kraft kostet. Hier bin ich da und stärke Dich.

Gott, der in Jesus Mensch geworden ist, ist da im Alltag – „Brot des Lebens“, ganz einfach da. Und ich bin der Überzeugung, dass wir dafür nicht besonders religiös sein oder werden müssen. Ich glaube eher ganz einfach aufmerksam für den Gott, der Mensch geworden ist, da wo ich gerade bin. Im Alltag. „Ich bin das Brot des Lebens“ spricht Jesus.

Felix Breitling


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