Gedanken zum Tag

Donnerstag, 9. Dezember

Im Lehrplan der 4. Klasse wird dazu angeregt, dass die Schülerinnen und Schüler den Eingangschor des Weihnachtsoratoriums von Bach kennenlernen: "Jauchzet, frohlocket, auf preiset ihr Tage." Wir haben jetzt einfach weitergehört und hören uns zusammen das gesamte Weihnachtsoratorium von Bach an. Eine Mischung von "ganz schön anstrengend" und "die schönste Religionsstunde" überhaupt. Manchmal halte ich an: "Habt Ihr das gehört?" Kennt Ihr diese Melodie? "Ja, das ist doch vom Himmel hoch, da komm ich her." Wir entdecken gemeinsam und glücklich bin ich aus der Schule herausgegangen - und ich hatte das Gefühl, auch die Schülerinnen und Schüler gingen erfüllt aus dem Klassenzimmer. Einige nennen Bach ja auch den 5. Evangelisten.
Hier können Sie selbst ins Weihnachtsoratorium hineinhören:

Felix Breitling


Mittwoch, 8. Dezember

Licht

Fernlicht, Abblendlicht, Tageslicht, Kerzenlicht, Scheinwerferlicht, Künstliches Licht, Mondlicht, Flutlicht, Blitzlicht, Rampenlicht, Augenlicht, Glanzlicht … was gibt es nicht alles für Licht. Und dann die diversen Leuchtmittel: Glühbirnen, LEDs, Grubenlampen, Straßenlaternen, Katzenaugen, Neonröhren, Kerzen, Feuer, Fackeln, Scheinwerfer, Funzeln, Taschenlampen, Laserschwerter, Feuerwerk…
Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.
Ohne Licht, kein Leben.
Wir Menschen brauchen es, auch wenn nicht jede:r ein großes Licht ist. Manchmal stellen wir unser Licht auch unter den Scheffel. Dann wieder geht uns ein Licht auf. Einige von uns stehen gern im Rampenlicht. Manche werden auch mal hinters Licht geführt. Licht kann blenden oder etwas ans Licht bringen. Jemand grünes Licht geben kann eine Sache weiterbringen.
Es gibt Lichtbilder und Lichtspiele, Lichthupen und Lichtgeschwindigkeiten, Lichtstärken und Lichtjahre, Lichtsignale und Lichtblicke. 
Soviele Formen und Farben, Begriffe und Metaphern. Aber es gibt nur einen, der von sich sagen kann: „Ich bin das Licht der Welt!“

„Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben.“  Johannes 8, 12

Verena Übler (angeregt durch Axel Kühner)


Dienstag, 7. Dezember

Der Wunschzettel

Bruno schreibt eifrig einen Wunschzettel für Weihnachten. Die ersten Wünsche sind schnell notiert:

  • Kran von Legotechnik
  • Plüschfuchs
  • Harry Potter 6
  • Kinogutschein

Doch dann kommt er ins Stocken. Klar sind das alles Wünsche von ihm. Und klar hätte er gerne all diese Dinge. Doch eigentlich wünscht er sich noch etwas viel mehr.  Er überlegt, wie er das auf den Wunschzettel schreiben könnte. Das ist nicht so einfach, ein wenig kompliziert. Bruno denkt fieberhaft nach, wie er das zu Papier bringen könnte, was ihm doch so wichtig ist. Es ist eher ein Gefühl. Immer dreht sich alles darum, Dinge zu erledigen: Aufräumen, Hausaufgaben, im Haushalt helfen, zum Training gehen und in den Hort. Immer muss alles schnell gehen. Bruno ist gewissenhaft. Er erledigt die Dinge zuverlässig. Und eigentlich hat er auch Lust, diese Dinge zu machen. Doch immer dreht es sich um diese Dinge, nicht um Bruno. Und deshalb ist da dieses Gefühl.

Schließlich formuliert er: Ich wünsche mir, dass ICH - Bruno -  gesehen werde. Ohne Dinge.

Carolin Lochner


Montag, 6. Dezember

Kirche im Schnee
Bildrechte: Renate Hüttinger

Monatslosung Dezember

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR - so lautet die Monatslosung für den Dezember in diesem Jahr, sie steht beim Propheten Sacharja 2,14.

Als die Foto AG für den diesjährigen Kalender mit den Monatslosungen ein Bild zu dieser Losung suchte, fiel die Wahl auf das Foto der "Eisenkirche", die östlich von München am Lußsee steht. Der Künstler Sebastian Weiss hat sie dort in jahrelanger Arbeit erschaffen und sie besteht aus unzähligen Eisenteilen, die von ihm kreativ und mit viel Phantasie zusammengeschweißt worden sind.
Eine sehr ungewöhnliche "Kirche", und auch ein fröhlicher Anblick, wie sie so dasteht im Abendlicht in der Winterzeit. 

Mathias Brandstätter


Samstag, 4. Dezember

Barbaratag

Die hl. Barbara soll die Tochter eines reichen griechischen Kaufmanns gewesen sein. Die Legenden berichten von ihrer Schönheit und von ihrem scharfen Verstand. Barbara – „die Fremde, die Andere, die Wilde“. Ihr Vater wollte sie mit einem Mann aus angesehenem Haus verheiraten und sie vom Christentum fernhalten. Deshalb sperrte er sie in einen Turm ein.
Dennoch unterhielt sie einen Briefwechsel mit dem christlichen Philosophen Origines und ließ sich schließlich taufen. Wütend lieferte ihr Vater sie dem Statthalter aus. Barbara kann fliehen – sie wird verraten, gefoltert und zum Tod verurteilt. Auf dem Weg ins Gefängnis soll sich ein trockener Zweig in ihrem Kleid verfangen haben, den sie im Gefängnis in ihr Trinkgefäß stellte. Am Tag, an dem sie hingerichtet wurde, soll er geblüht haben. Das erzählen die Legenden.
Heute, am 4. Dezember, dem Barbaratag, werde ich wieder Kirschzweige in der Wohnung in eine Vase stellen. Langsam werden die Knospen aufgehen und an Weihnachten werden sie blühen. Mitten im Winter. „Und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht.“

Felix Breitling


Freitag, 3. Dezember

Adventserinnerung

Am runden Tisch im Wohnzimmer sitzen meine Mutter und ich. Vor uns steht der Adventskranz. Zwei Kerzen brennen, ansonsten ist es ziemlich dunkel. Ich bin vielleicht 10 Jahre alt und spiele Weihnachtslieder auf der Blockflöte aus einem schon recht abgegriffenen Heftchen von Tschibo. Meine Mutter summt und singt mit. Am liebsten „Süßer die Glocken nie klingen“. Außer den Liedern sind in dem Heftchen auch Gedichte und kleine Geschichten abgedruckt. Meine Mutter liest mir vor. Das Gedicht über den Bratapfel kann ich nicht oft genug hören. Irgendwann dreht sich der Schlüssel im Schloss, mein Vater kommt von der Arbeit nach Hause. Das Licht wird eingeschaltet, die Kerzen ausgepustet, das Abendessen gerichtet. Der Zauber der gemütlichen Zeit zu zweit ist vorbei. Schön war’s. 

Der Bratapfel
Kinder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wie’s knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel, der Zapfel,
der Kipfel, der Kapfel,
der gelbrote Apfel.
Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel!
Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.
(Bayrisches Volksgut)

Verena Übler


Donnerstag, 2. Dezember

"Wisst Ihr eigentlich, wie der Adventskranz entstanden ist?" Im Religionsunterricht habe ich gestern mit meinen Schülerinnen und Schülern diesen kurzen Clip der Diakonie angesehen. Ich möchte ihn heute mit Ihnen teilen.

Felix Breitling


Mittwoch, 1. Dezember

Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
er voll der Marmorschale Rund,
die, sich verschleiernd, überfließt
in einer zweiten Schale Grund;
die zweite gibt, sie wird zu reich,
der dritten wallend ihre Flut,
und jede nimmt und gibt zugleich
und strömt und ruht.
-    Conrad Ferdinand Meyer –

Wir lassen im Winter den Sommer Revue-passieren. Es ist gemütlich, sich bei einer Tasse Tee alte Fotos anzuschauen, oder vielleicht sind sie ja noch jüngeren Datums und die Erinnerungen sind ganz frisch. Das Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer erinnert mich an schöne Urlaubstage in der Stadt mit den (gefühlt) meisten Brunnen: Rom. Noch eine „Weltstadt mit Herz“! Und das Wasser ist meist „potabile“, d.h. Trinkwasser. Welch schöne Einrichtung der Stadt Rom, ihren Bürgern auch in der Hitze des August Linderung zu verschaffen.
Bei uns ist das Wasser der Brunnen nun ausgestellt, sie sind samt der kostbaren Figuren / Statuen in Holz verkleidet, um sie vor der Kälte und möglichen Frostschäden zu schützen.
Kälte hin oder her, weil wir auch im Winter Licht brauchen, gehe ich gerne, soweit ich es einrichten kann, genau zur Mittagszeit eine halbe Stunde nach draußen. Die Sonne ist nämlich da, auch an bewölkten Tagen. 
Welch „Lichtblick“, wenn ab 21. Dezember die Tage wieder länger werden.
Und noch etwas ist gewiss: auch auf diese kalten Tage werden wieder wärmere folgen – und über all dem wacht einer, dessen Licht uns voran geht. Und dessen Stern uns in der Finsternis leuchtet. 
Eine gesegnete Adventszeit Ihnen allen!

Cornelia Bästlein


Die Texte aus früheren Monaten:

2021
Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, September, Oktober, November

2020
März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember