Gedanken zum Tag

Freitag, 25. Juni

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Buch Rut 1, 16

So spricht Rut zu ihrer Schwiegermutter Noomi und drückt damit ihre tiefe Freundschaft aus.
Freundinnen sind sie geworden, und geblieben. Durch dick und dünn sind sie gegangen.
Man muss nicht alt sein, um den Wert von Freundschaften zu erkennen:

Wahrnehmen

Ich sitze am Meer
und höre die Wellen schäumen.
Ich schließe die Augen,
fang gleich an zu träumen.

Ich träume von Menschen, die ich so mag,
und überleg, ob ich’s ihnen heute sag.
Freunde sind ein großes Geschenk,
vielleicht hat Gott sie zu mir gelenkt?

Wenn die Sonne auf mein Gesicht scheint,
sind Glück und Freude vereint.
Ich fühle mich frei und lebensfroh
und bete: Das bleibe immer so.
Pauline von Katte, 16 Jahre

[Gedicht aus „Evangelischer Lebensbegleiter“ der VELKD, Gütersloh 2007, S. 298]

Verena Übler


Donnerstag, 24. Juni

Heute, am 24. Juni, ist Johannistag – der Tag der Geburt Johannes des Täufers. Nach germanischem Glauben schritt in der kürzesten Nacht des Jahres Wotan segnend über die Erde. Menschen sprangen singend über riesige Stroh- und Reisigfeuer. Die Kraft der Götter sollte sie von Unheil und Krankheiten befreien.
Die Kirche versuchte vergeblich, das heidnische Sonnwendfest abzuschaffen. Dann kam sie auf eine Idee: Der 24. Juni wird als Geburt Johannes des Täufers gefeiert.
Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu, liegt ein halbes Jahr später, in der Nähe zur Wintersonnwende. Das alles passt zum Ausspruch Johannes des Täufers im Johannesevangelium im Blick auf Christus, das Licht der Welt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
Der Johannistag verweist jetzt schon auf den 24. Dezember. Dort ist das Ziel. Besonders deutlich wird das auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald. Er hat Johannes mit einem überlangen Zeigefinger gemalt, mit dem er auf Christus zeigt, so, wie wenn er sagen möchte: „Er ist der Entscheidende, nicht ich.“
Johannisfeste sind besonders in Skandinavien populär, wo die Sommersonnwende am stärksten zu spüren ist. Und im Baltikum ist Johannis der wichtigste Feiertag überhaupt.

(nach: andere zeiten. Das Magazin zum Kirchenjahr 2/2020, S. 14f)

Felix Breitling


Mittwoch, 23. Juni

Der Himmel. Immer wieder inspiriert er mich. 
Heute mit einem Text (1971) des großartigen Pfarrers und Lyrikers Kurt Marti. 
Er bezieht sich auf das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, Kapitel 21 und steht vertont in unserem Gesangbuch unter der Nr. 153:

1. Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel der kommt,
wenn einst Himmel und Erde vergehen.

2. Der Himmel der kommt, das ist der kommende Herr,
wenn die Herren der Erde gegangen.

3. Der Himmel, der kommt, das ist die Welt ohne Leid,
wo Gewalttat und Elend besiegt sind.

4. Der Himmel, der kommt, das ist die fröhliche Stadt 
Und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

5. Der Himmel, der kommt, grüßt schon die Erde, die ist,
wenn die Liebe das Leben verändert.

Der Himmel. Gegenwärtig und zukünftig. Fern und nah. Noch zu erwarten und schon Wirklichkeit. Fremd und vertraut. Bedrohlich und motivierend. 
Auf alle Fälle inspirierend.

Verena Übler


Dienstag, 22. Juni

Im Auftrag des Herrn unterwegs – Paulus-Power

Eine Mission haben. Gesendet sein. Hinter welchen Werten stehe ich? Welche Ziele verfolge ich? Was treibt mich an?

Und wie verfolge ich diese Ziele? Mit Kraft und Ausdauer? Mit Geduld? Mit Barmherzigkeit?  

Paulus hatte seine Berufung, seine Mission gefunden. Mit viel Power verfolgte er seine Ziele – bis ans Ende der damaligen Welt. Beneidenswert und doch war er wohl auch ein anstrengender Zeitgenosse, kann ich mir vorstellen.  Nicht jeder ließ sich anstecken von seiner Power oder konnte dieser Power folgen. Aber das mussten die Menschen oft auch gar nicht. Nach der Gemeindegründung waren sie wieder auf sich allein gestellt. Paulus gab oft nur den Impuls und hielt per Brief Kontakt. Das tat es gut, sich an den ansteckenden und begeisterten Paulus zu erinnern.

Die Gemeinden entwickelten ihre eigene Vision, in Rom, in Korinth, in Ephesus und in vielen anderen Städetn. Welche Vision, welche Ziele verfolgt unsere Gemeinde Sophie-Scholl? Welcher Impuls würde uns im Hier und Jetzt helfen, voranzukommen? Damit auch unsere Gemeinde eine gemeinsame Mission verfolgt?

So wie Paulus, der davon überzeugt ist im Brief an die Römer: Ich weiß aber: Wenn ich zu euch komme, werde ich mit dem vollen Segen Christi kommen. Röm 15, 29

Carolin Lochner


Montag, 21. Juni

Heute am 21. Juni um 5.32 Uhr beginnt der Sommer. Auf der Nordhalbkugel ist heute der längste Tag des Jahres. Knapp 17 Stunden dauert er. In vielen Ländern gibt es an diesem Tag zur „Sommersonnwende“ unterschiedliche Traditionen. Für heute nehme ich mir vor, diesen „längsten Tag des Jahres“ bewusst wahrzunehmen.
Ich stehe früh auf, höre mir an, wie die Vögel singen. Ich werde bewusst die Sonne und die Wärme genießen - und dann den langen Sommerabend.
Im Laufe des Tages werde ich für mich singen „Summertime, and the livin is easy, fish are jumpin and the cotton is high…“ oder „Geh aus mein Herz und suche Freud…“. Je nach Lust und Laune. Und am Abend werde ich dann zusehen, wie die Sonne an diesem langen Sommertag so langsam untergeht.
Der Rhythmus der Jahreszeiten, der Rhythmus des Lebens ist ein Wunder.
„Die Erde dreht sich zärtlich, companera“ sagte ein Dichter aus Mittelamerika.

Felix Breitling


Samstag, 19. Juni

Innerhalb kurzer Zeit haben sich die Blüten der Rosen in den Beeten der Offenbarungskirche entfaltet.
In der katholischen Kirche werden Rosen besonders mit der Heiligen Elisabeth von Thüringen in Verbindung gebracht:
Im Jahr 1207 wurde Elisabeth als Elisabeth von Ungarn, Tochter des Ungarnkönigs Andreas II. und seiner Frau Gertrud von Andechs-Meranien in Ungarn geboren. Im Alter von vier Jahren kam Elisabeth an den Hof des Landgrafen von Thüringen und wurde mit dessen gleichnamigen elfjährigen Sohn Hermann verlobt. 1216 starb der Verlobte, ein Jahr später sein Vater. Die Landgrafenfamilie wollte nun die Prinzessin, die wegen ihrer außergewöhnlichen Frömmigkeit, Sittsamkeit und Schönheit am Hof unbeliebt war, wieder nach Ungarn zurückschicken. Da verliebte sich aber der Bruder des verstorbenen Verlobten, Ludwig, in Elisabeth. 1218 wurde er volljährig und Landgraf. 1221 heirateten Elisabeth und Ludwig. Elisabeth half den Armen und Kranken, lebte selbst äußerst bescheiden und entfremdete sich dem höfischen Leben mehr und mehr.
Als Elisabeth eines Tages wieder einmal heimlich einen Korb Brot zu den Armen brachte, so die Legende, trat ihr der Landgraf – von seiner Umgebung gegen seine Frau aufgehetzt – entgegen. „Was trägst Du da?“ fragte er und öffnete den Korb. Darin fand er nichts außer Rosen. Da stand der Landgraf beschämt vor ihr und wenn wieder einer der Diener etwas dagegen sagte, dass sich Elisabeth so großzügig um die Armen kümmerte, sagte ihr Mann, der Landgraf: „Lasst sie gewähren und sich um die Armen kümmern.“
Elisabeth wird oft mit einem Brotkorb oder Rosen dargestellt. Vielleicht kennen Sie auch das Lied: „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“ (Kommt atmet auf, 091)

Felix Breitling


Freitag, 18. Juni

Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch 
und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, 
eure Alten sollen Träume haben,
und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen

Joel 3, 1

Gott der Liebe,
du hast uns Bilder, Phantasie und Träume geschenkt:
Träume der Nacht, Tagträume, Lebens- und Menschheitsträume.
Wir danken dir dafür.

Du kennst die Kraft, die aus Träumen erwächst,
die Lebendigkeit, aus der heraus eine Generation der
nächsten das in ihr schlummernde Wissen weitergeben kann.
Der Traum vom Frieden, vom Ende des Hungers,
von der Pflege der Schöpfung, von der Schaffung eines Zuhauses, all das ist nicht neu.
Dennoch brauchen wir den Traum, die Vorstellung, die Idee davon,
um mutig in die von dir gezeigte Richtung zu gehen.
Hilf uns, aktiv zu werden, damit andere Menschen ihre Träume nicht beerdigen müssen.

Gott, Quelle des Lebens,
halte unsere Träume wach,
damit wir den Traum vom Frieden Nachdruck verleihen, 
indem wir in Frieden zusammenleben 
mit Menschen anderer Herkunft, Religion, Prägung und unterschiedlicher Generationen.
Halte unsere Träume wach, damit der Hunger vieler Menschen uns nicht gleichgültig wird,
der Hunger nach Brot, nach Leben, nach Freiheit.
Halte unsere Träume wach, die Schöpfung zu bewahren, zu schonen und zu heilen.
Halte unsere Träume wach und zeige uns, wie wir sie leben können.
Schenke uns Weggefährten, Freundinnen und Freunde, die mit uns träumen und das Leben fördern.
Lass uns alle, alt und jung, Träume haben, damit das Leben blüht.
Amen.

Verena Übler


Donnerstag, 17. Juni

„Der ist schuld, dass wir verloren haben“ war die Aussage der Fußballfans in meiner Religionsklasse. Es ging um das Eigentor von Mats Hummels im Spiel Frankreich - Deutschland.
„Schuld?“ fragte ich zurück. „Was ist das eigentlich, Schuld? Und meint ihr, man kann hier wirklich sagen, er war schuld?“
War das nicht eher Pech? War er nicht eher „der letzte in einer Fehlerkette“?
Ich weiß es nicht, dafür bin ich zu wenig Fußballexperte. Aber eines weiß ich: Ich hätte nicht in seiner Haut stecken wollen und wer seinen Gesichtsausdruck gesehen hat, wusste, wie es ihm geht. Dass er in der Nacht nach dem Spiel nicht gerade gut geschlafen hat, nehme ich auch an.
Wenn ich an das Drama um den dänischen Spieler Eriksen am Samstag zurückdenke, dann hat ein Vertreter des Dänischen Fußballbundes einen weisen Satz gesagt:
„Wir lieben alle Fußball. Aber Fußball ist nicht die Welt.“
Was mir wieder einmal bewusst geworden ist: Im Fußball kommt in konzentrierter Form Vieles vor, was uns Menschen bewegt: Das Glück (des Elfmeters für den Schützen), das Pech (des Eigentors - oder des Elfmeters für den Torwart), die Entscheidung in letzter Sekunde, Weitermachen trotz Versagen … und es soll ja auch einige geben, die sogar einen „Fußballgott“ für all das bemühen. Aber wie gesagt: Fußball ist ein Spiel und nicht die Welt.

Felix Breitling


Mittwoch, 16. Juni

Als Gott aus Ärger über die Zustände in Sodom die Stadt zerstört, werden Lot und seine Familie gerettet. In letzter Sekunde verlassen sie ihr Haus und brechen auf in eine ungewisse Zukunft. Gott schärft ihnen ein, sich nicht umzudrehen, sondern nach vorn zu schauen und loszugehen. Lots Frau (leider erfahren wir ihren Namen nicht) schafft das nicht. Sie blickt noch einmal zurück und erstarrt zu einer Salzsäule. 
Ich bin bei dieser Geschichte immer hin und her gerissen. Ich verstehe, was Gott meint, aber ich kann auch die Frau verstehen. So eine radikale Veränderung ist doch nicht leicht. Hals über Kopf alles verlassen! 
Auch wenn es nicht immer so radikal ist, Veränderung gehört zu unserem Leben. Darüber habe ich auch mit meinen Grundschulkindern gesprochen, als wir uns jetzt endlich wieder im Religionsunterricht getroffen haben. Nicht alle Veränderungen haben wir uns selbst ausgesucht und müssen doch damit umgehen. Ob das die Trennung der Eltern ist, die Geburt eines Geschwisterchens oder eben die Auswirkung von Corona.
Wichtig ist dabei, dass wir mit Mut und Zuversicht in die Veränderung gehen. Oder, um es mit Albert Einstein auszudrücken:
„Das Leben ist wir Fahrradfahren, um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben“.

Verena Übler


Dienstag, 15.Juni

Es kann nicht oft genug gesagt werden

Es kann nicht oft genug gesagt werden.

Unsere Schöpfung. Es ist das Wichtigste, was wir haben. Ohne sie gäbe es uns nicht.

Und deshalb, genau deshalb teile ich heute gerne das Weg-Wort der Bahnhofskirche in Zürich vom 11. Juni.2021. Es kann nicht oft genug gesagt werden: Lasst uns alle gemeinsam unsere Schöpfung bewahren, so wie es bereits im Schöpfungsbericht der Bibel für uns vorgesehen ist. Bebauen und bewahren.

https://www.bahnhofkirche.ch/2021/06/11/bewahrung-der-schoepfung/

Carolin Lochner


Montag, 14. Juni

Schick uns Dein Lied

Gesangbücher
Bildrechte: M.Brandstätter

"Schick uns Dein Lied" - so lautet eine Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Bis 2030 wird ein neues Gesangbuch vorbereitet, und dafür kann jede/r noch bis Ende Juli 2021 fünf Liedtitel einsenden, die im neuen Gesangbuch stehen sollten.
Wer sich beteiligen möchte, hier ist der link: https://www.ekd.de/schick-uns-dein-lied-63832.htm

Das Gesangbuch hat in der Evangelischen Kirche eine sehr lange Tradition. Schon bald nach Beginn der Reformation wurden die ersten Liederbücher gedruckt, Martin Luther hat dafür eine ganze Reihe von Liedern gedichtet und komponiert. Einige davon haben die Jahrhunderte überdauert und sind auch heute noch im Gesangbuch enthalten.
Zahlreiche weitere Lieder sind in den letzten 5 Jahrhunderten dazu gekommen, aber auch wieder verschwunden, denn jede Zeit hat ihre eigenen Texte und Melodien.

Es ist sicher keine leichte Aufgabe für die Gesangbuch-Kommission, aus vielen Tausend Liedern ein Gesangbuch zusammenstellen, das sowohl traditionell als auch modern genug ist, um das Gemeindeleben für einige Jahrzehnte mitzugestalten. Hoffentlich gelingt es wieder so gut wie bei der jetzigen Ausgabe.
Und hoffentlich kommt nicht wieder eine so lange "gesanglose" Zeit, wie wir sie in den vergangenen Monaten erleben mussten und die glücklicherweise nun zuende gegangen ist.

Mathias Brandstätter


Samstag, 12. Juni

 "Echt" oder "wahr"?

„Religion ist Quatsch!“. So begrüßte mich vorgestern eine Schülerin in der 2. Klasse kurz vor dem Religionsunterricht. In der Stunde kam dann die Speisung der 5000 vor. Von 5 Broten und 2 Fischen werden 5000 Menschen satt. „Sag ich doch, Religion ist Quatsch. Das ist doch alles nicht echt!“ sagte die Schülerin wieder.
„Was heißt denn echt für dich?“, habe ich sie dann gefragt. „Dass es wirklich so passiert ist. Sonst ist es auch nicht echt. Und dann ist es Quatsch. “
Ja, Religionsunterricht kann ganz schön herausfordernd sein.
Meine Antwort war dann:
„Weißt Du, es ist für mich gar nicht so wichtig, dass es wirklich so passiert ist. Das es "echt" ist. Es ist für mich eine Geschichte, die davon erzählt, dass bei Gott mehr möglich ist, als wir denken, dass wir mit wenig viel machen können, dass sich vieles vermehrt, wenn wir miteinander teilen. Das sind für mich zum Beispiel wichtige Wahrheiten, von der die Geschichte erzählt.“
Ich wusste, jetzt wird es schwierig. Wie soll ich ihr erklären, dass etwas „wahr“ sein kann, auch wenn es vielleicht nicht „echt“ ist?
Da war die Stunde dann aber auch schon aus. Wie gut, dass wir bis zu den Sommerferien noch ein paar Stunden Religion zusammen haben. Echt.

Felix Breitling


Freitag, 11. Juni

Vor vielen Jahren habe ich eine „Königin der Nacht“ geschenkt bekommen. Hübsch anzusehen ist sie ja nicht gerade. Aber einmal im Jahr, meistens im Juni, wenn sie blüht – ja dann… dann entfaltet sie eine Schönheit, die man nie und nimmer in ihr vermutet hätte.
Am frühen Abend öffnet sich langsam die Knospe, nach einigen Stunden ist sie voll erblüht. Am liebsten würde ich dann die ganze Nacht vor ihr sitzen und sie bewundern. Am nächsten Morgen nämlich ist die Schönheit schon wieder vergangen. 

Zur Zeit wird ja im Gottesdienst gern „Geh aus mein Herz und suche Freud“ gehört und jetzt dann endlich auch wieder gesungen (EG 503). Wunderschöne 15 Strophen hat Paul Gerhardt um 1653 gedichtet und kunstvoll gegliedert.
In Vers 14 heißt es:

Mach in mir deinem Geiste Raum,
daß ich dir werd ein guter Baum,
und laß mich Wurzel treiben.
Verleihe, daß zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben.

Ja, mit Gottes Geist wird es gelingen, dass wir schöne Blumen und Pflanzen in Gottes weitem Garten sind und bleiben. Manche mehr wie die Königin der Nacht, andere wie ein Veilchen und wieder andere wie eine üppige Rose. Welche Blume oder Pflanze wären Sie?

Verena Übler


Donnerstag, 10. Juni

Zur Zeit lese ich einen Roman mit dem Titel „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“. Ich befinde mich gerade im ersten Drittel des Buches und so nach und nach erschließt sich mir der Titel, den ich sehr besonders finde.
Ja, jede*r von uns bewohnt die Welt auf ihre und seine Weise. Ich glaube, das fängt schon sehr früh in unserem Leben an.
Ich scheue mich mittlerweile, im Gespräch zu meinem Gegenüber zu sagen: „Ich verstehe dich.“ Weil ich mein Gegenüber wahrscheinlich nicht wirklich verstehen kann.
Denn sie oder er bewohnt und sieht die Welt auf ihre oder seine ganz eigene Weise. Keine Erfahrung, kein Gefühl ist vergleichbar.
„Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an“ heißt es in der Bibel.
Wenn ich das Buch zu Ende gelesen habe, werde ich Ihnen berichten, was es mit dem Titel auf sich hat.

Felix Breitling


Mittwoch, 9. Juni

Kennen Sie das Spiel „Ich packe meinen Koffer“? Die erste fängt an und sagt: Ich packe meinen Koffer und nehme meine Zahnbürste mit. Dann kommt der nächste, wiederholt, was die erste eingepackt hat und fügt etwas anderes hinzu: Ich packe meinen Koffer und nehme meine Zahnbürste und ein Buch mit. So geht es immer weiter, man wiederholt das bisher Eingepackte und fügt etwas Neues hinzu. Je länger die Liste wird, desto schwieriger ist es natürlich, sich an alles zu erinnern. Lustig wird es, wenn absurde Dinge eingepackt werden: ein Paar Skier und die Taucherbrille, das Hundekörbchen und die elektrische Eisenbahn.

Was packen Sie in Ihren imaginären Koffer für die Zeit nach Corona? Vielleicht etwas aus der folgenden Liste:
Dankbarkeit, weil Sie gesund geblieben sind. 
Einen veränderten Blick auf Ihre Arbeitsbedingungen und -möglichkeiten. 
Mehr Achtsamkeit in Bezug auf Ihre Gesundheit. 
Neue Kontakte in der Nachbarschaft. 
Wertschätzung der Natur. 
Zuversicht und Gottvertrauen.
Ein nachhaltigeres Freizeitverhalten. 
Rücksicht, Respekt, Solidarität im Hinblick auf andere Menschen.

Oder: 
Nächstenliebe – ganz im Sinne des Doppelgebotes der Liebe:
„Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten, denn er ist wie du!“  (3. Mose 19, 18)

Verena Übler 


Dienstag, 8. Juni

Psalm

Manchmal erscheinen mir Psalmen so unendlich weit weg von meinem Leben im Hier und Jetzt. Im Gottesdienst höre ich ihn zwar, kann aber in dem Moment gar nichts mit den Worten des Psalmbeters anfangen. Doch dann wieder berühren mich die Worte, sprechen mir aus der Seele und es werden meine Worte. Wie nah mir dann doch auch die Menschen sind, die eben mit diesen Worten zu Gott beteten. Manchmal sind es auch nur einzelne Verse, die in dem Moment zu meinen Worten werden. Zu meinem Motto, zu meinen Begleitversen an einem Tag. Ein wahres Motto, eine klare Zielvorgabe und Zurechtrückung meines Blickwinkels können für mich manchmal diese vier Verse aus Psalm 34 sein. Vielleicht ja heute auch für Sie?

Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu!

Ich will euch die Furcht des Herrn lehren.

Wer ist’s, der Leben begehrt

und gerne gute Tage hätte?

 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.

Lass ab vom Bösen und tue Gutes;

suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34, 12-15

Carolin Lochner


Montag, 7. Juni

Amselgesang

Zurzeit brauche ich morgens keinen Wecker, denn direkt über meinem Schlafzimmerfenster sitzt bei Tagesanbruch oft eine Amsel auf dem Dach und schmettert ihre Reviergesänge in die Morgenluft. Es ist erstaunlich, wie laut so ein kleiner Vogel singen kann, es ist aber auch erstaunlich, wie melodiös und variantenreich ihr Gesang klingt.
Ich habe gelesen, dass Amseln einzelne Strophen singen, die ein paar Sekunden dauern, und dass sie bis zu 30 unterschiedliche Strophen beherrschen. Die Strophen sind so individuell, dass man einzelne Vögel daran identifizieren und erkennen kann. Das ist mir zwar noch nicht gelungen, denn so gut kann ich mir den Gesang zu früher Stunden doch nicht merken, aber vermutlich ist es immer das gleiche Amselmännchen, das hier eine Ecke seines Reviers abgrenzt.
Manchmal antwortet ihm ein anderes Amselmännchen aus der Ferne und die beiden liefern sich dann einen längeren musikalischen Wettstreit. Dabei werden auch Melodieteile des Konkurrenten aufgegriffen und etwas variiert wieder zurückgegeben - fast wie in einem Jazzkonzert, bei dem Musiker miteinander improvisieren.

Der berühmte französische Organist und Komponist Olivier Messiaen war ein großer Vogelkenner und verarbeitete in seinen Werken immer wieder Vogelstimmen und -melodien. So z.B. in seinem "Quatuor pour la fin du Temps" (Quartett für das Ende der Zeit), das er 1941 als Kriegsgefangener in einem Lager komponierte. Im Vorwort zur Partitur schreibt er als Erläuterung für den ersten Satz:
"Zwischen drei und vier Uhr morgens – das Erwachen der Vögel: Eine Amsel und eine einzelne Nachtigall improvisieren hoch oben in den Bäumen, umgeben von klingendem Blütenstaub und von einem Lichthof aus verlorenen Trillern. Übertragen Sie das auf die religiöse Ebene, und sie werden die Stille der Himmelsharmonien vernehmen!"

Zwar würde ich gerne manchmal etwas länger durchschlafen, aber ich höre trotzdem immer gerne dem Amselgesang zu, der "die Stille der Himmelsharmonien" zum Klingen bringt. 

Mathias Brandstätter

Amsel
Bildrechte: M.Brandstätter

Freitag, 4. Juni

Kreise

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich einmal folgendes vor: 
Ein See, leuchtend blau.
Am Ufer Wald, gelb und grün. Er spiegelt sich im klaren Wasser. 
Kühl und frisch wirkt es. Auf der Oberfläche sind Kreise zu sehen. 
Was hat sie hervorgerufen? 
Ein Stein?
Ein Fisch, der hochgesprungen ist?
Ich denke an das Lied:

Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich still und leise.
Und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.

Was ist schon alles in uns gefallen und hat Kreise gezogen?
Menschen, die uns geprägt haben. Erfahrungen, die weiterwirken. 
Ereignisse, die uns zum Handeln motivieren.
Bücher, Orte, Lieder die uns inspirieren.
Gottes Liebe, die uns erfüllt und stärkt.

Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt,
da wirkt sie fort in Tat und Wort hinaus in unsere Welt
. [EG 645]

Verena Übler


Donnerstag, 3. Juni

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg. 5,29)

So lautet die Monatslosung für den Juni.

Grab Sophie Scholl
Bildrechte: Walter Stiegler

Als die Foto AG ein Bild für das Juniblatt des diesjährigen Kalenders aussuchte, war man sich schnell einig darüber, was diesen Spruch am besten symbolisieren würde.
Denn die Gruppe "Weiße Rose" hat ihren Widerstand gegen das verbrecherische Regime vor allem aus christlichen Motiven heraus begründet. Die Mitglieder wandten sich gegen die Vereinnahmung des Gewissens, gegen die Menschenverachtung und gegen den Krieg und sie standen bis zuletzt ihre Überzeugung ein. 

Das Monatsblatt zeigt deshalb das Grab von Sophie Scholl, das sich im Friedhof am Perlacher Forst befindet. Neben liegen ihr Bruder Hans und Christoph Probst begraben. Alle drei wurden am 22. Februar 1943 im Gefängnis Stadelheim hingerichtet. 

Mathias Brandstätter


Mittwoch, 2. Juni

Neigt eure Ohren her und  kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!
Jesaja 55, 3

Jesus spricht: Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie – ich will euch zeigen, wem er gleicht. Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf Fels.
Lukas 6, 47-48

Wer nicht hören will, muss fühlen!

Sagt man das heute auch noch zu Kindern, die trotz x-maliger Ermahnung weiter toben und sich schließlich den Kopf stoßen und eine dicke Beule davontragen?
Ich habe ihn als Kind desöfteren gehört, verbunden mit einem „Tja“ und hochgezogenen Augenbrauen.
Der Prophet Jesaja und Jesus im Lukasevangelium sagen zwar nichts über das Fühlen, aber um so mehr über das Hören. In ihren Worten steckt die Zusage, dass das Hören auf Gott dicke Beulen im Leben verhindern kann. Wohlgemerkt, es geht nicht nur um’s Hören an sich, genau genommen geht es um’s Zu-hören. Erst das Zuhören führt zu einer Verarbeitung des Gehörten und daraus folgendem Handeln.
Anders gesagt: Wer sich im Leben an den Worten Gottes orientiert, legt sich ein gutes Fundament. Und auf einem guten Fundament lässt es sich gut leben.

Verena Übler


Dienstag, 1. Juni

Ein Lobgesang von Johannes Kepler (EG, S. 275)

Groß ist unser Herr und groß seine Macht und seiner Weisheit kein Ende! Lobet ihn, Sonne, Mond und Planeten, in welcher Sprache immer euer Loblied dem Schöpfer erklingen mag.

Lobet ihn, ihr himmlischen Harmonien, und auch ihr, die Zeugen und Bestätiger seiner enthüllten Wahrheiten!

Und du, meine Seele, singe die Ehre des Herrn dein Leben lang!

Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge, die sichtbaren und die unsichtbaren. Ihm allein sei Ehre und Ruhm von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Carolin Lochner


Die Texte aus früheren Monaten:

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