Februar 2022

Montag, 28. Februar

In diesen Tagen sind sicher alle von uns in Gedanken bei den Menschen in der Ukraine.
Unverstellbar, noch vor kurzer Zeit - ein Krieg in Europa, in unserer Nachbarschaft. Die Münchner Partnerstadt Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, liegt ca. 1400 km von München entfernt, bis zur ukrainischen Grenze beträgt die Entfernung von München gerade einmal 800 km Luftlinie.

Wir wissen nicht, wie es in den nächsten Tagen und Wochen weiter geht. Aber wir können hoffen und beten, und den Menschen in der Ukraine unsere Solidarität zeigen.
In der Offenbarungskirche wird es ab sofort an jedem Dienstag und Donnerstag um 18 Uhr ein Friedensgebet geben. Es beginnt um 18 Uhr nach dem Glockenläuten in der Kirche und wird ca. 10 Minuten dauern.

Mathias Brandstätter


Freitag, 25. Februar

Kinderspiel

Wir zeichneten 
in den Sand des Kirchplatzes 
die Umrisse eines Landes
mit dem Messer teilten wir es
Kinderrücken beugten sich über die Karte
wir warfen das Messer
so dass es im Boden steckte
Stich für Stich
nicht weit entfernt voneinander
als eine Messerlänge

nur wessen Messer im Boden steckte
durfte die Einstiche zur Grenze verbinden
und Land einnehmen
und wieder das Messer werfen
und seinem Land 
neue Gebiete einverleiben

Ich hielt es für ein Kinderspiel
bis ich merkte
nach denselben Regeln
geht es weiter
bis es nicht mehr geht
einer muss anfangen
aufzuhören

Matthias Gürtler

Gerade wirft nur einer Messer. Er muss aufhören. Jetzt.

Gott, du willst, dass uns alle Dinge zum Besten dienen.
Wir bitten dich: Segne uns mit allem Guten und behüte uns vor allem Bösen. 
Bewahre uns in dieser Zeit des Unfriedens. 
Erfülle uns mit Liebe, Liebe zu allen Menschen. 
Gib uns Hoffnung, gerade jetzt. 
Komm uns nah, dass wir deine heilende Nähe spüren.
Gib Frieden. Uns und aller Welt.
Amen

[nach einem Segen von Otto Haußecker]


Verena Übler


Mittwoch, 23. Februar

Lass mich dich lernen,
Dein Denken und Sprechen,
Dein Fragen und Dasein,
damit ich daran
die Botschaft neu lernen kann,
die ich Dir zu überliefern habe.

Das sind Worte des Aachener Bischofs Klaus Hemmerle (1929-1994). Vorgestern bei einem Vortrag habe ich dieses Zitat gehört. Ich nehme es mit, wenn ich heute in die Schule gehen werde, ganz bewusst als Lernender. Als jemand, der das Evangelium und Gott jeden Tag neu mit anderen entdeckt. Nicht als jemand, der es besser weiß.

„Ich bin traurig, ich wollte gerne mit Euch beiden zum Klassenzimmer gehen, aber dann seid Ihr vorausgegangen und ich stand allein da“ hat ein Mädchen vor Kurzem im Morgenkreis gesagt. Es hat mich beeindruckt, wie klar sie ihre Gefühle gegenüber ihren Mitschülerinnen und Mitschülern benannt hat.
Sich alleine fühlen. Sich wünschen, dass jemand mit einem geht. Erster sein wollen und dann die anderen aus dem Blick verlieren. Diese Themen kamen danach zur Sprache.

Oft sind ersteinmal die Kinder mit ihren Anliegen der "Lehrplan", mit dem, was sie gerade beschäftigt, was sie traurig oder glücklich macht, mit ihren Fragen und ihren Sorgen. Manchmal finden wir auch einen Psalmvers oder eine Geschichte, die diese Gefühle ausdrücken. Dann läutet der Pausengong und ich habe den Eindruck, wir alle haben viel gelernt. Und ja: Das Thema, das ich mir eigentlich vorgenommen hatte, das wird seinen Platz schon finden.

Felix Breitling

Gefallenentafel in Ebersberg
Bildrechte: M.Brandstätter

Montag, 21. Februar

In Ebersberg zieht sich zwischen dem Ort und dem Aussichtsturm auf der Ludwigshöhe eine Lindenalle empor. Es ist eine ganz besondere Allee, denn an jedem Baum ist eine Tafel angebracht mit Namen und Daten von gefallenen Soldaten aus dem 1. Weltkrieg.
Die Namen der Soldaten und ihre Schicksale begleiten begleiten einen auf diesem Weg. Von den ersten Toten gleich nach Kriegsausbruch bis zu denen, die ganz am Ende des Kriegs gestorben sind, eine schier endlose Reihe von Tafeln. Es waren alles junge Männer, die viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden, als sie fern von ihrer Familie starben. 

Der 1. Weltkreig ist schon über 100 Jahre her, aber Kriege gibt es heute immer noch. Es werden sogar eher mehr als weniger, überall auf der Welt entstehen Kriege, "Krisenherde" oder "bewaffnete Konflikte" - wie immer man es nennen mag. Auch ganz in unserer Nähe in Europa steigt täglich die Kriegsgefahr.

Die Allee in Ebersberg ist eine Erinnerung und Mahnung an uns, alles für ein friedliches Zusammenleben der Menschheit auf der Erde zu tun. 

Mathias Brandstätter


 

Freitag, 18. Februar

Von Einstein stammt angeblich der Ausspruch: Das Leben ist wie Fahrradfahren. Um die Balance zu halten, muss man in Bewegung bleiben. Da ist was dran. Aber was genau ist die Balance? Und welche Art von Bewegung ist gemeint? 
Heutzutage redet man ja gern von der work-life-Balance. Da ist auch was dran. Aber was genau ist dabei „life“? Ist die Arbeit denn nicht auch Teil des Lebens? Oder geht es um den Ausgleich zwischen Erwerbsarbeit und Freizeit? Arbeiten wir, um zu leben? Oder leben wir, um zu arbeiten? Und in welchem Verhältnis muss das alles zueinander stehen, damit es in Balance ist? 
Das würden wir sicher alle unterschiedlich beantworten. 

Mir gefällt, wie die Hugenottin Adèle Kamm es formuliert hat: 
Das Leben ist schön…wenn Eintracht herrscht zwischen unserer Arbeit, unserem Gewissen, unserer Seele und Gott.

Verena Übler


Mittwoch, 16. Februar

„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Vor ein paar Jahren empfand ich diesen Vers aus Psalm 90 noch als bedrohlich. Mittlerweile sehe ich ihn als eine Erinnerung daran, bewusst zu leben. Den Moment zu schätzen. Zu unterscheiden, was wichtig ist, und was nicht. Zu genießen. Etwas Verrücktes zu unternehmen. Nicht immer aufzuschieben. Spontan zu sein. Anderen eine Freude zu machen – einfach so.
Mittlerweile begleitet mich dieser Vers auch bei meinen Entscheidungen, ob ich Ja sage oder Nein.
„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Mittlerweile sind für mich diese Worte eine Einladung zum Leben.

Felix Breitling


Montag, 14. Februar

Schneeglöckchen

Schneeglöckchen
Bildrechte: Hildegard Heim

Wer in den letzten Tagen draußen in der Sonne spazieren war, hat sie vielleicht in Gärten oder Parks schon gesehen: Schneeglöckchen, die Boten des Vor-Frühlings.

Weil die kleinen Blumen es schaffen, schon an den ersten sonnigen Tagen den Kopf aus den Schnee zu strecken, gelten sie als ein Zeichen für Ausdauer und Hoffnung, und auch als ein Zeichen für den Sieg des Lebens über das Dunkel und die Kälte des Winters.
An Maria Lichtmess, am 2. Februar schmückte man früher Kirchen, deshalb findet man sie angeblich besonders zahlreich in der Nähe von Klöstern, wo sie kultiviert wurden.
Da das Schneeglöckchen viele Pflanzen leider immer seltener in der Natur vorkommt, steht es inzwischen unter Naturschutz. Außerdem sind Schneeglöckchen giftig, man sollte sie also nicht anfasssen.
Also lassen wir die Schneeglöckchen lieber dort ungestört stehen, wo sie noch wild wachsen und freuen uns an ihrem Anblick.

Mathias Brandstätter


Freitag, 11. Februar

Pro Zuversicht.
Contra Hoffnungslosigkeit.
Psalm 121

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. 
Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt von Gott, 
der Himmel und Erde gemacht hat.

Gott wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, 
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

Gott behütet dich; 
Gott ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.

Gott behüte dich vor allem Übel, 
er behüte deine Seele.“


Verena Übler


Mittwoch, 9. Februar

Oft braucht es den richtigen, den passenden Moment. Es gibt Situationen, in denen findet sich keine Lösung und dann auf einmal löst sich der Knoten, der passende Schlüssel zur Lösung ist da und dann heißt es handeln. Oder wir merken, es ist zu früh, der passende Moment ist noch nicht da, ich muss noch warten, es wird nicht gelingen, wenn ich zu früh handle. Oder ich muss feststellen: Der richtige passende Moment ist verstrichen.
Im Griechischen gibt es unterschiedliche Zeitbegriffe: Chronos für die fortlaufende Zeit und Kairos, ein Ort in der Zeit, die Gunst der Stunde. Diesen Kairos, den rechten Zeitpunkt gilt es wahrzunehmen, aufmerksam zu sein und die Gelegenheit zu ergreifen. Für diesen entscheidenden, günstigen Augenblick gab es bei den Griechen sogar einen Gott namens Kairos: Ein Jüngling mit Flügeln und einem kahlen Kopf, nur an der Stirn einen Schopf, und den galt es zu erwischen. Gelingt dies nicht, ist der passende Moment verstrichen.
Im biblischen Buch Kohelet heißt es: „Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Schweigen hat seine Zeit. Reden hat seine Zeit. Pflanzen hat seine Zeit. Ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit.
Es ist nicht immer einfach, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen und die Gelegenheit beim Schopf zu packen. Zu erkennen, was gerade dran ist und was gerade seine Zeit hat. Manchmal gelingt es manchmal nicht. Und so ganz habe ich den richtigen Moment auch gar nicht in der Hand. „Meine Zeit steht in deinen Händen“ heißt es in Psalm 31,16. Darauf vertraue ich.

Felix Breitling


Montag, 7. Februar

Schick einem Freund (einer Freundin) eine Karte

Es gibt eine ganze Reihe kurioser sogenannter Welttage - und einer davon ist heute am 7. Februar. In den USA wird er "Send a Card to a Friend Day" genannt.
Abgesehen davon, dass der Tag vermutlich von einer Postkartenherstellerfirma erfunden wurde, finde ich es eine nette Idee.
Denn wer schreibt heute noch Karten, außer vielleicht zu Weihnachten und an Geburtstagen? Selbst die früher so beliebten Ansichtspostkarten aus dem Urlaub wurden inzwischen von Fotos und Filmen aus dem Smartphone ersetzt.
Die elektronischen Nachrichten sind halt viel einfacher und bequemer und man muss sich nicht auf wenige Zeilen beschränken. Dafür verschwinden diese elektronischen Nachrichten bei den Empfängern dann vermutlich ebenso schnell, wie sie geschrieben wurden, zwischen vielen anderen Nachrichten.

Eine Karte "einfach so", das ist heutzutage eine Botschaft, die sicher Freude bereitet und nicht gleich wieder verloren geht.
Warum also nicht einem Freund oder einer Freundin mal eine Karte schicken, auch wenn nicht der 7. Februar ist?
Oder an jemand, von dem man weiß, dass er/sie selten oder nie Post bekommt?
Es darf natürlich auch ein langer Brief sein, aber lieber eine schnell geschriebene Karte als ein Brief, für den man dann keine Zeit findet.

Mathias Brandstätter


Freitag, 4. Februar

Vor zwanzig Jahren, am 28. Januar 2002, ist die bekannte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren mit 94 Jahren in Stockholm gestorben. Ein Anlass, darüber nachzudenken, was wir so mögen an ihren Figuren, und wie auch Schicksalsschläge sie nicht davon abhalten konnten, sich den Humor bis ins hohe Alter zu bewahren. Z.B. kletterte sie zum 80. Geburtstag einer Freundin mit dieser einen Baum hoch und meinte, es sei alten Weibern auch im Alter nicht verboten, auf Bäume zu klettern.
Schon mit achtzehn Jahren wurde sie Mutter ihres Sohnes Lasse. Eine Heirat mit dem Vater war ausgeschlossen, denn es war ihr damaliger Chef, der um einiges älter war als sie, verheiratet und schon sieben Kinder hatte. Er war der Chefredakteur bei der Zeitung, bei der sie als Volontärin arbeitete. 

Astrid Lindgren war es immer darum zu tun, nahe an der Kinderwelt zu schreiben. Die Figur der Pippi Langstrumpf entstand, als ihre Tochter Karin krank im Bett lag (im Winter 1941) und sie bat, ihr von Pippi zu erzählen. Viele weitere Figuren schuf sie: Kalle Blomquist, Karlsson vom Dach, Michel von Lönneberga, Die Brüder Löwenherz, Ronja Räubertochter, Die Kinder von Bullerbü und und und. 
Ich erinnere mich, wie ich beim Lesen der Kinder von Bullerbü den Einfall Lasses genial fand, man müsse nur eine Drehscheibe erfinden, und die führe immer von oben nach unten, und schon bräuchte man keine Berge mehr hoch gehen – tja, tatsächlich, fast genial…
Sie selbst antwortete auf die Frage, ob ihre Kindheit glücklich gewesen sei - als Tochter der Ericcsons auf dem Hof in Näs bei Vimmerby-, ja, weil sie dort mit ihren drei Geschwistern Geborgenheit und Freiheit erfahren habe.  
Sie arbeitete bei einem Verlag als Lektorin, und ihre Tage sahen in etwa so aus: morgens im Bett beim Kaffee an eigenen Sachen schreiben, mittags gegen 13 Uhr im Verlag erscheinen, mit AutorInnen und anderen LektorInnen diskutieren und arbeiten. 
Zeitlebens pflegte sie gute Freundschaften, auch Brieffreundschaften mit „kleinen Leuten“, also jugendlichen LeserInnen.
Später war sie in Sachen Tierschutz aktiv und bei ihrem Begräbnis, bei dem außer dem Premierminister und Vertretern des Königshauses viele Leute aus dem Volk waren, folgte ein Kind mit einem weißen Pferd dem Trauerzug.
1978 bekam sie als erste Kinderbuchautorin den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und setzte sich in ihrer Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche unter dem Motto „Niemals Gewalt“ vehement für eine gewaltfreie Kindererziehung ein.
Mit über 20 Mio. verkauften Buchexemplaren ist sie in Deutschland die mit am meisten bekannte Autorin überhaupt. 

Cornelia Bästlein


Mittwoch, 2. Februar

Dichte Momente der Begegnung sind für mich Glücksmomente.
Wenn ich merke, es entsteht ein dichtes Gespräch, da ist Resonanz, da ist das Gefühl, sich zu verstehen.
Wir können diese Momente nicht planen und auch nicht herstellen.
Ich weiß im Voraus nicht, dass und wann sie sich ereignen.
Ich kann mich ihnen öffnen, da sein und beiseitelassen, was mich ablenkt.
Dichte Momente der Begegnung sind ein Geschenk.

Felix Breitling