Oktober 2021

Samstag, 30. Oktober

Mit welchem Namen soll ich Dich anrufen

Mit welchem Namen soll ich Dich anrufen,
der Du über allen Namen bist?

Du, der "Über-alles",
welchen Namen soll ich Dir geben?
Welcher Hymnus kann Dein Lob singen?
Welches Wort von Dir sprechen?

Kein Geist kann in Dein Geheimnis eindringen,
kein Verstand Dich verstehen.

Von Dir geht alles Sprechen aus,
aber Du bist über alle Sprache,
von Dir stammt alles Denken,
aber Du bist über alle Gedanken.

Alle Dinge rufen Dich aus,
die stummen und die mit Sprache begabten.
Alle Dinge vereinen sich, Dich zu feiern,
das Unbewußte und das, was bewußt ist.

Du bist das Ende aller Sehnsüchte
und allen schweigenden Strebens.
Du bist das Ende allen Seufzens Deiner Schöpfung.
Alle, die Deine Welt zu deuten wissen,
vereinen sich, Dein Lob zu singen.

Du bist beides; alles und nichts,
nicht ein Teil, auch nicht das Ganze.
Alle Namen werden Dir gegegben
und doch kann keiner Dich fassen.
Wie soll ich Dich also nennen,
Du, der Du über alle Namen bist.

Gregor von Nyssa


Freitag, 29. Oktober 

Wie schön wäre das

Dass Güte und Treue einander begegnen,
Gerechtigkeit und Friede sich küssen;

Dass Treue auf der Erde wachse
Und Gerechtigkeit vom Himmel schaue.

Psalm 85, 11+12

Ich will nicht müde werden, darauf zu hoffen.

Verena Übler


Donnerstag, 28. Oktober 

„Von guten Mächten wunderbar geborgen …“ Diese Worte von Dietrich Bonhoeffer haben wir heute im Religionsunterricht in der ersten Klasse ins Heft geklebt und ein Bild dazu gemalt. Eine Schülerin meldete sich: „Was heißt das eigentlich „geborgen“?“ Ein Mitschüler antwortete darauf: „Ist das nicht nach einem Unfall?“ Ich musste kurz nachdenken. Das Wort „Bergungsarbeiten“ kam mir in den Sinn. Vielleicht hatte er das Wort im Radio gehört. Und es gibt ja auch einen Zusammenhang zwischen „bergen“ und „geborgen“. Jemanden bergen, sichern, retten. Geborgen sein, in Sicherheit sein. Ich habe weiter versucht, das Wort zu erklären: Da wo ich mich aufgehoben weiß, wo ich mich fallen lassen kann, wo ich einfach sein kann… „Ja, jetzt kann ich mir vorstellen, was geborgen heißt“, sagte das Mädchen nach unserem Wortentdecken. Später dann habe ich im Grimmschen Wörterbuch nachgelesen: „geborgen sein heißt in schutz und sicherheit sein, gut dran sein.“ Na also, da waren wir doch gar nicht so weit entfernt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich geborgen wissen, heute und an jedem neuen Tag.

Felix Breitling


Mittwoch, 27. Oktober 

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ 
Matthäus 11, 28

Dieser Vers aus dem Matthäusevangelium ist auf dem Altar der Stephanuskirche in München-Neuhausen (Nibelungenstr. 51) zu lesen. Ich besuche sie öfter und jedesmal, wenn ich den Vers lese, fühle ich mich schon ein wenig befreiter von den „Lasten des Alltags“, die man so mit sich rumträgt: dem mir „aufgeladenen“. Ich nehme auf der Kirchenbank Platz und spüre, wie sich Ruhe ausbreitet in mir, denn ich bin „aufgehoben“.

Ähnlich geht es mir mit den eingangs im Gottesdienst gesprochenen Worte der Pfarrerin / des Pfarrers, wenn sie / er sich vom Altarkreuz der Gemeinde zuwendet und spricht: „Gott hat sich eurer erbarmt“. Das ist die Zusage der Gnade und Liebe Gottes, egal wie ich mich vielleicht verrannt habe in etwas in der vergangenen Woche, oder „gesündigt“ habe durch Tun oder Unterlassung einer Handlung. Gott nimmt mich so an, wie ich bin.

Weiter heißt es bei Matthäus (11, 29-30):
„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“

Das ist tröstlich, und verleiht mir vielleicht „Flügel“ und die Fähigkeit, durch dieses „Aufgehobensein in Gott“ anderen Menschen Zuversicht zu geben, dass sie nicht alleine sind in ihrer „Beladenheit“.

Cornelia Bästlein


Dienstag, 26. Oktober

SICH ERDEN

Ein Blick nach oben.

Ein Blick hinter den Horizont.

Ein Blick in mich hinein.

Ein Blick auf das, was war.

Ein Blick auf das, was sein wird.

Ein Blick auf Gott.

SICH ERDEN, INDEM DER HIMMEL IN DEN BLICK KOMMT.

Carolin Lochner


Montag, 25. Oktober

Goldener Herbst

Herbstblätter
Bildrechte: M.Brandstätter

Seit einigen Tagen hat die volle Herbstfärbung eingesetzt. Die Laubbäume zeigen sich in allen möglichen Farben und auf den Wiesen und Wegen sammeln sich bunte Blättern zu großen Haufen, durch die (nicht nur) Kinder gerne mit lautem Geraschel stapfen.   
Ich mag den Herbst mit seiner Farbenpracht. Aber auch die anderen Jahreszeiten, die hier bei uns im Wechsel alle ihren eigenen Reiz haben.
Einer meiner Bekannten sieht das etwas anders - er ist Hausmeister in einer großen Wohnanlage: im Herbst stöhnt er über die Blätterflut, im Winter klagt er übers Schneeschippen und Streuen, im Frühjahr ist der Schneematsch lästig und im Sommer muss immer soviel gegossen werden...
Tja, so hat alles seine unterschiedlichen Seiten. Aber am Ende kommt es doch darauf an, wie wir selbst es wahrnehmen (wollen) und ob wir mehr auf die positiven oder die negativen Aspekte schauen.

In der Wanderausstellung der Weiße Rose Stiftung e.V., die noch für einige Tage in der Rogatekirche gezeigt wird, habe ich Gedanken von Sophie Scholl über den Herbst gelesen.
Sie hat die Herbsttage damals wohl auch genossen, im Oktober 1937 schrieb sie in ihr Tagebuch: "Im Herbst, die Luft ist so klar und golden, die Bäume und alles so schön, alles so mit klaren Umrissen, ja, dann fühle ich mich glücklich".

Mathias Brandstätter


Samstag, 23. Oktober

„Wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott loben.“ (5 Mose 8,10) lautet die heutige Tageslosung und der dazugehörige Lehrtext: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.“ (1Kor 10,31). Gut zu essen ist für mich etwas sehr Wichtiges und nichts Nebensächliches.  
Im Urlaub habe ich einen Kartoffelhof kennengelernt, auf dem es Kartoffelsorten gab, von denen ich davor noch nie gehört habe: „Augsburger Gold“, „Rote Emmalie“, „Blaue Anneliese“, „Russische Schwarze“ – eine köstlicher als die andere. Auf einem Markt habe ich einen Apfelstand entdeckt, der alte Apfelsorten mit einer Geschmacksvielfalt verkauft, die einfach nur großartig ist. Oder eine Scheibe frisches Stück Brot … Einfache Lebensmittel. Keine Sterneküche.
Beim Essen geht es um Lust, um Leidenschaft, um Genuss. Um Dankbarkeit und Wertschätzung. Und damit auch um das Lob Gottes.
Wenn Sie heute Abend nochmal überlegen, was Sie heute gegessen haben, dann halten Sie fest, was für Sie heute ein Genuss war. Auch das ist Beten zum Lob Gottes.

Felix Breitling


Freitag, 22. Oktober

Ein afrikanisches Sprichwort lautet: Glauben heißt, durch den Horizont blicken.
Eigentlich ist er eine Grenze, der Horizont. Unser Auge sieht nicht weiter, als bis dahin. Aber, die den Horizont überwinden, erleben, dass sie nicht von der Erdscheibe purzeln. 
Mit dem Glauben ist es ähnlich. Wir sehen Gott nicht. Wir wissen nicht, was nach dem Tod kommt.
Mit unseren Augen des Glaubens aber schauen wir durch den Horizont hindurch, und was wir da sehen, das macht uns zuversichtlich, dass wir nirgendwo anders als in die Hände Gottes purzeln.

Verena Übler


Donnerstag, 21. Oktober

Dult
Bildrechte: Hildegard Heim

Sokrates zog es immer wieder zum Markt, wo er die Fülle der Waren
betrachtete. "Was treibst du hier", wollte ein Freund wissen, "du kaufst ja doch nichts".
"Ich staune nur darüber", erwiderte Sokrates, "wie viele Dinge es gibt,
deren ich nicht bedarf".
(Quelle unbekannt)

Hildegard Heim


Mittwoch, 20. Oktober

In der Michaeliskirche in Erfurt hängt dieser aus Stoff gewirkte Wandbehang, siehe Foto. 

Wir brauchen Orte der Stille 

  • wenn ich mich sammeln will, brauche ich Ruhe. Ganz profan merke ich das, wenn ich im Auto eine brenzlige Situation habe oder in eine enge Parklücke will oder nach dem Weg suche, dann muss ich das Autoradio ausschalten. Stille brauche ich auch, wenn ich den Kontakt zu Gott suche, z.B. in einer Kirche.

Wir brauchen Orte der Inspiration

  • Wo bekomme ich Ideen, Motivation und eine gehörige Portion Mut? Vielleicht in einer Kirche, auf einer Waldlichtung, einem Berggipfel, in einer Küche, an einem See, in einem gemütlichen Sessel, in einer Kapelle.

Wir brauchen Orte der Begegnung

  • Kaum jemand ist zum Einsiedler geboren. Wir brauchen den Kontakt zu anderen Menschen. Wo finden wir den? In einem Café, einem Club, bei einer Fortbildung, auf einem Spielplatz, auf einem Sommerfest, bei einem Sportevent, im Schwimmbad, in einer Kirchengemeinde.

Wir brauchen Orte der Kultur

  • Ohne Kultur trockenen wir aus. Wie gut, dass es sie gibt, diese Orte: Museen, Theater, Bildungswerke, Werkstätten, Volkshochschulen, Konzerthallen, Galerien, Kirchen.

Wir brauchen Orte des Gesangs

  • Wer singt, tut der eigenen Gesundheit etwas Gutes. Und wer zuhört, plegt die eigene Seele. Wo? Im Konzertsaal, im Jazzclub, beim Gottesdienst, beim offenen Singen, in einem Chor, in einer Musikschule, auf einer Bühne, sogar im Fußballstadion.

Wir brauchen Orte der guten Worte

  • in der Schule, in der Kirche, zu Hause, unter Freund*innen, bei einer Lesung. Solche Orte muss man immer wieder bewusst für gute Worte nutzen. Der Mensch ist so vergesslich.

Wir brauchen Orte der Geborgenheit

  • Im Psalm 17, 8 heißt es: „Gott, behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel.“ Bei Gott so Unterschlupf finden, wie ein Küken bei der Henne, das ist für mich der Inbegriff von Geborgenheit.

Wir brauchen Orte des Trostes

  • Solche Zeiten gibt es immer wieder. Zeiten der Trauer, der Enttäuschung, der Selbstzweifel. Wohin damit? Zu einem anderen Menschen, an einen Lieblingsort, in eine Kirche, zur professionellen Hilfe bei Fachleuten.

Verena Übler


Dienstag, 19. Oktober

Widerstand gelebt

Ich glaube,

daß Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.

Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst;

sondern allein auf ihn verlassen. Dietrich Bonhoeffer

Carolin Lochner


Montag, 18. Oktober

Armut
Gestern, am 17. Oktober, war der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut.
Dieser Tag wurde vor knapp 20 Jahren von der UN Generalversammlung beschlossen. Die Initiative dazu kam vor allem von dem französischen Priester Joseph Wresinski, der sich sein Leben lang für Menschen eingesetzt hatte, die in Armut leben. Von ihm stammt auch der Satz: „Das Elend ist nicht unabänderlich; es wird von Menschen verursacht, und die Menschen können es auch überwinden.“
Armut ist eines der ganz großen Welt-Probleme. Die Gegensätze zwischen armen und reichen Staaten sind gewaltig. Und auch innerhalb vieler Staaten gibt es extreme Unterschiede zwischen armen und reichen Menschen.
Nach Schätzungen der UN leidet ca. 10% der Menschheit, also über 800 Millionen Menschen an Unterernährung. Diese Menschen sind zu arm, um sich ausreichend zu ernähren. Dabei gäbe es auf der Erde genügend Nahrungsmittel für alle Menschen, aber sie sind ungleich und ungerecht verteilt.
Es ist zu erwarten, das sich durch den menschengemachten Klimawandel die Armut und der Welthunger noch verschlimmern werden. Denn ausgerechnet die Länder und die Menschen in Afrika und Asien, die durch ihre Lebensweise am wenigsten für den Klimawandel können und die bereits heute zu den ärmsten zählen, werden voraussichtlich am meisten unter den Auswirkungen der Erderwärmung leiden. 
Aber auch bei uns in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, leben Menschen in Armut oder an der Armutsgrenze. Armut bedeutet, sich keine gesunde Ernährung leisten zu können, keinen ausreichenden Wohnraum zu haben, am gesellschaftlichen Leben nicht oder nur sehr begrenzt teilnehmen zu können. Diese armutsbedingten Einschränkungen tragen z.B. dazu bei, dass ärmere Menschen in Deutschland im Durchschnitt einige Jahre früher sterben als reichere - wie eine Studie des Robert-Koch-Instituts nachgewiesen hat.

Was kann ich hier bei uns tun?
Vor allem die Augen aufhalten und erkennen, wo meine Mitmenschen sich in Notlagen befinden. Manchmal hilft es schon, jemand auf Unterstützungsangebote aufmerksam zu machen, die es ja in verschiedenen Formen gibt. Und es hilft, kirchliche und andere Organisationen zu unterstützen, die sich für die Bekämpfung von Hunger und Armut hier und auf der Welt engagieren.

Passend dazu lautet der Monatsspruch für den Oktober: "Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken." (Hebr. 10,24)

Mathias Brandstätter


Samstag, 16. Oktober

„Sie werden lachen: die Bibel.“ – So hat der Schriftsteller Bertolt Brecht geantwortet, als er kurz nach dem sensationellen Erfolg seiner „Dreigroschenoper” gefragt wurde: Welches Buch hat Ihnen in Ihrem Leben den größten Eindruck gemacht? „Sie werden lachen: die Bibel.“
Unsere neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden bekamen am vergangenen Sonntag und bekommen an diesem Sonntag im Einführungsgottesdienst zu Beginn ihrer Konfirmandenzeit jeweils eine Bibel geschenkt. Früher gab es eine Bibel oft als Geschenk zur Konfirmation. Mit Silber- oder Goldschnitt. Schnell wanderte sie ins Regal und eigentlich wollte sie doch gelesen und mit Leben erfüllt werden. Klar, natürlich gibt es Ausnahmen.

Die Bibel ist dazu da, dass wir Erfahrungen mit ihr machen, gleich von Anfang an. Deswegen schenken wir sie als Gemeinde den Konfirmandinnen und Konfirmanden zu Beginn ihrer Konfi-Zeit. Manche Geschichten werden durch Rollenspiele lebendig: "Das hat ja ganz viel mit mir zu tun". Einige Psalmen lassen sich rappen. Es gibt biblische Gestalten, die begleiten mich mein Leben lang. Die Bibel ist ein kultureller Schatz. Wer die Alte Pinakothek besucht und die Geschichten der Bibel kennt, wird deutlich mehr sehen. Und oft reicht es, einfach nur ein paar Zeilen zu lesen, denn oft enthalten sie das ganze Leben. "Ja. Sie werden lachen: Die Bibel.“

Felix Breitling


Freitag, 15. Oktober

Heute kommt der Gedanke zum Tag mal wieder aus Zürich. 
Ein Hoch auf die gelebte Ökumene. Neugierig und angstfrei.

https://www.bahnhofkirche.ch/2021/10/07/viele-koechinnen-und-koeche/

Verena Übler


Donnerstag, 14. Oktober

DeichWatt
Bildrechte: Hildegard Heim

Abends auf dem Deich
nur leises Knistern im Watt
die Stille durchbricht

Hildegard Heim


Mittwoch, 13. Oktober

„Gott spricht: Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, so will ich mich finden lassen.“
Jeremia 29, 13-14

Pablo Picasso über das Suchen und Finden:

Ich suche nicht – ich finde. Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen und das Finden-Wollen von bereits Bekannten. Finden, das ist das völlig Neue.
Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer.
Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die im Ungeborgenen sich geborgen wissen, die in der Ungewissheit geführt werden, die sich vom Ziel ziehen lassen und nicht selbst das Ziel bestimmen.

Verena Übler


Dienstag, 12. Oktober

Was wollen wir eigentlich?

Auf einer Fachtagung der evangelischen Schüler*innenarbeit wurde diese Frage diskutiert. Was will die evangelische Kirche in der Schule? Klar, es gibt in Bayern konfessionellen Religionsunterricht. Das ist derzeit (noch) gesetzt. Doch wie füllt die evangelische Kirche diesen Auftrag in und an der Gesellschaf t im Religionsunterricht aus? Was ist dabei das klare evangelische Profil, das auch für andere nachvollziehbar ist?

Darüber hinaus engagiert sich die Kirche durch die evangelische Jugendarbeit in der Schule z.B. bei den Tagen der Orientierung, bei Angeboten im Ganztag und in der Schulsozialarbeit. Doch auch hier stellte sich auf der Tagung vor allem den Teamer*innen die Frage: Woran zeigt sich darin das evangelische Profil? Was macht uns anders im Vergleich zu Angeboten der AWO etc.? Eine Frage, die ich gerne übertagen möchte.

Was macht uns Evangelische anders als andere in der Gesellschaft. Ein kleiner Versuch..

  • Demut gegenüber dem Leben
  • ein freundlicher Umgang miteinander
  • ein anderes Vokabular im Gespräch mit anderen
  • ein Wissen um das Aufgehobensein in Gottes Hand
  • ein Leben im Vertrauen auf das Gute im Leben

Sicherlich könnten Sie das noch ergänzen. Doch woran würden andere diesen Unterschied erkennen?

Ich finde das gar nicht so leicht, aber ich denke, es lohnt sich, darüber ins Gespräch zu kommen, sich darüber auszutauschen, Worte dafür zu finden, sprachfähig zu sein. Vielleicht ist das der erste und entscheidende Schritt, der (wieder) gegangen werden muss.

Carolin Lochner


Montag, 11. Oktober

GOTT.VOLL

Vor einigen Tagen habe ich ein besonderes Kartenset geschenkt bekommen.
Es heißt GOTT.VOLL und besteht aus 40 Kärtchen, die dabei helfen sollen, aufmerksam(er) durch den Alltag zu gehen. Auf jeder Karte sind Fragen oder Aufforderungen formuliert, die dazu anregen, die Umgebung und Mitmenschen besser wahrzunehmen.
Als ein Beispiel:
"Suche dir heute einen Ort in Deiner Nachbarschaft und nimm dir 15 Minuten, um dort still zu sein.
Was nimmst du an diesem Ort wahr? Begegnen dir Menschen? Auf welchem Weg sind sie wohl? Begegnet dir Gott? Auf welchem Weg ist er wohl?"


Eine Viertelstunde an einem Ort aufmerksam verbringen - dabei konnte ich wirklich eine ganze Menge beobachten, obwohl ich an diesem Ort zuvor schon unzählige Male vorbei gekommen war. Und es hat mich überrascht, wieviel mehr ich wahrgenommen habe, nur weil ich diesmal ganz bewusst und mit ungeteilter Aufmerksamkeit gesehen und gehört hatte, was um mich herum passierte.
Eigentlich eine ganz leichte Übung, probieren Sie es doch einfach mal selbst aus!

Mehr Informationen über das Kartenset sind im Internet unter http://www.gottvoll.de/ zu finden

Mathias Brandstätter


Samstag, 9. Oktober

Leben! Bis zum Schluss.

Heute am 9. Oktober ist Welthospiztag. „Leben! Bis zum Schluss.“ lautet das diesjährige Motto des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands e.V.
Auf der Internetseite des Verbands heißt es zur diesjährigen Kampagne: „Die zentrale Idee ist es, die Menschen, die gut begleitet verstorben sind, selbst zu Wort kommen zu lassen. Unsere Grundaussage „Das Leben kann gut zu Ende gehen, ohne es künstlich zu verlängern oder zu verkürzen, aber gut hospizlich begleitet und palliativ versorgt.“ wird anhand von Zitaten von Menschen illustriert, die von uns begleitet ein gutes Leben bis zum Schluss geführt haben:

„Ich bin tot und hatte bis zuletzt nie das Gefühl, jemandem zur Last zu fallen. Im Hospiz war ich umsorgt und willkommen.“ † Heiner K. 20212

Ich bin tot. Ich hatte Krebs und habe um ein großes Messer gebeten, um Schluss zu machen. Gut, dass ich es nicht getan habe, so konnte ich von meinen Freunden Abschied nehme und eine letzte Runde ausgeben.“ Bruno W. † 2002

Ich bin tot. Am Anfang meiner Krankheit hatte ich Angst, allein sterben zu müssen. Klaus vom Hospizdienst war dann aber bis zuletzt für mich da.“ Erdal Y. † 2021

Ich bin tot. Dank meiner Palliativärztin hatte ich ein friedliches Sterben – ohne dass mein Leben verkürzt wurde.“ Marlis N. † 2017

Ich bin tot. Als es auf das Ende zuging, wollte ich vom Dach springen. Dass ich es nicht getan habe, war richtig, denn vor dem Tod habe ich nach 15 Jahren meine Enkeltochter wiedergefunden.“ Irma L. † 2004

Nähere Informationen zur Arbeit des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands e.V. finden Sie unter:

https://www.dhpv.de/start.html

Felix Breitling


Freitag, 8. Oktober

Licht, Liebe, Leben

Das war das selbstgewählte Lebensmotto von Johann Gottfried Herder (1744 – 1803). 
Auf einer Studienreise in dieser Woche war ich in Weimar in der Stadtkirche St. Peter und Paul an seinem Grab. Auf der Grabplatte ist dieses Motto in einem Medaillon verewigt (siehe Foto). Abgebildet sind ein  Ring, den eine Schlange bildet, die sich in den Schwanz beißt (= Symbol für Ewigkeit), die beiden griechischen Buchstaben A und O (Alpha und Omega = Symbol für Jesus Christus), die drei Begriffe Licht, Liebe, Leben und eine Sonne mit Strahlenkranz (= Licht) um den Kopf der Schlange. 
Herder war so etwas wie ein Universalgelehrter und zählte zu den „großen Vier“ der Weimarer Klassik (Goethe, Schiller, Wieland, Herder). Er war weitgereist, lebte an verschiedenen Orten in Europa bis er sich dann für die letzten 27 Jahre seines Lebens in Weimar niederließ. 
In seinen Veröffentlichungen strebte er nach einer Verbindung von Intellektualität und Religion. Damit legte er gewissermaßen einen Grundstein für die aufgeklärte Kulturphilosophie in Europa.
Sein Motto ist dem Johannesevangelium entnommen. Drei Verse führen die Begriffe „Licht, Liebe, Leben“ genauer aus. Jesus Christus spricht in diesen Versen eindrücklich von sich selbst und wie der Glaube an ihn bzw. die Nachfolge das Leben von uns Menschen reich macht bis in alle Ewigkeit: 

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. [Johannes 8, 12]

Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. [Johannes 15, 12]

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.; und wer da lebt und glaubt an mich, wird nimmermehr sterben. [Johannes 11, 25f.]

Verena Übler


Donnerstag, 7. Oktober

Gregorio, mein Mitbewohner aus dem Tessin, konnte genau zwei Gerichte kochen: Spaghetti Carbonara und Risotto. Und beides war sehr gut!
Früher dachte ich bei Risotto immer an eine Art Reispampe, an einen verkochten Batz. Aber seit ich mein erstes Risotto von Gregorio erlebt habe, ist es eines meiner Lieblingsessen.
Ein Risotto braucht Zeit, Liebe und Geduld. Für mich ist die Zubereitung eines Risottos etwas sehr Erholsames.
Als erstes bereite ich eine Brühe vor: Gemüsebrühe, Hühnerbrühe, Fleischbrühe – ist die Brühe selbstgemacht, steigert das natürlich auch die Qualität des Risottos. Instant geht aber auch.
Dann schwitze ich eine ganz fein geschnittene Zwiebel (manche nehmen auch noch fein gehackten Knoblauch dazu) in etwas Butter bei nicht zu hoher Temperatur an.
Dann kommt der Reis dazu - Achtung: Nicht irgendein Reis. Es muss ein stärkehaltiger Reis sein, Arborio, Carnaroli, Vialone Nani. Der Reis wird leicht „angeröstet“ bis er zart glasig ist, damit die Stärke gebunden wird. Jetzt kann man den Reis mit etwas Weißwein ablöschen, aber es geht auch ohne. Ich gieße mittlerweile oft gleich etwas Brühe dazu und verzichte auf den Wein.
Wichtig ist, dass der Reis nicht in Brühe schwimmt. Immer nur so viel (warme!) Brühe dazugießen, wie der Reis aufnehmen kann. Und dann bei mittlerer Hitze immer wieder leicht rühren.
Auf keinen Fall darf man ein Risotto vor sich hin köcheln lassen und währenddessen etwas Anderes tun – das verzeiht einem ein Risotto nicht. Wie gesagt: Zeit, Liebe und Geduld.
Fertig ist das Risotto, wenn der Reis noch einen leichten Biss hat und das ganze schön cremig ist. Profis schwenken den Topf und wenn sich eine Welle bildet, allonda, hat das Risotto die perfekte Konsistenz. Aber Sie werden merken, nach einigen Risotti entwickeln Sie ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt.
Beim klassischen Risotto hebe ich dann noch ein ordentliches Stück Butter und frisch geriebenen Parmesan unter.
Und dann gibt es natürlich noch alle möglichen Kombinationen: Ein Risotto milanese mit Safran, ein Pilzrisotto, toll im Herbst ist auch ein Kürbsirisotto …
Danke Gregorio, dass Du mir die Welt des Risottos eröffnet hast! (Und die der Spaghetti carbonara!)

Felix Breitling


Mittwoch, 6. Oktober

"Sich an den einfachen Dingen des Lebens zu erfreuen, bedeutet, sein Leben zu genießen."

> aus Japan <

Eibsee C. Bästlein
Bildrechte: C. Bästlein

Diesen Wunsch gab mir eine Kollegin vor zwei Jahren mit auf den Weg ins neue Lebensjahr.
Ich konnte gute Wünsche gut gebrauchen, denn ich hatte kurz zuvor einen geliebten Menschen verloren und stellte vieles in Frage, wusste, dass da eine Lücke bleibt, die sich nie ganz schließen würde.
Aber: wir haben es selbst in der Hand, denn unser Blickwinkel auf die Dinge ist entscheidend, schon morgens, wie der Tag wird und sich entwickelt. Coaches sagen gerne: ist das Glas halbvoll, bist du ein Optimist, ist es dagegen halbleer, bist du ein eher pessimistischer Zeitgenosse. Keiner von uns ist wohl eines in „Reinform“.
Seit es den „Gedanken zum Tag“ gibt, habe ich mir angewöhnt, ihn in meinen Tagesbeginn zu integrieren, gleich nach oder sogar vor dem Lesen der Tageslosung, die ja auch auf unserer Internetseite zu finden ist (Herrnhuter Brüdergemeine).  
Die Anregungen lassen mich immer wieder erahnen: ich muss gar nicht für alles selbst verantwortlich sein, denn da ist einer, der immer für mich da ist und der auch Zweifel zulässt. 
So kann ich mich an „Kleinigkeiten“ erfreuen: ob es ein Marienkäfer ist, der sich im Spätsommer auf meinen Arm verirrt hat, das Morgen- oder Abendrot oder die Wolkengebilde in einem zartrosa Farbton, die mich an das Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle in Rom erinnern. Ich habe Grund, dankbar zu sein. Was ist Ihr „Hoffnungsanker“? 

Cornelia Bästlein


Dienstag, 5. Oktober

Meine Kirche...

bietet viel Platz und Raum

  • für mich
  • für Menschen in Not und Traurigkeit
  • für Menschen, die nach Gott fragen und suchen
  • für Kreativität, Neugier, Mut und Freiräume
  • für Freude, Freundschaft und Humor
  • für Feiern zu verschiedenen Anlässen
  • für das Leben in seiner Fülle
  • für Engagement und Organisationstalent
  • für Gott. Vor allem für ihn.

Wie sieht es mit Ihrer Kirche aus? Wofür bietet sie Platz?

Carolin Lochner


Montag, 4. Oktober

Auf der Internetseite der Bahnhofkirche Zürich gibt es täglich einen Impuls, ein kurzes Weg-Wort (https://www.bahnhofkirche.ch/weg-wort/).
Vor ein paar Tagen stand darin eine Geschichte, in der ein Mann am Strand einen Jungen beobachtete, der Seesterne, die vom Meer auf den trockenen Sand gespült wurden, wieder ins Wasser zurück warf. Der Mann machte den Jungen darauf aufmerksam, dass es bei der Vielzahl der Seesterne doch keinen Unterschied mache, wenn ein paar wenige gerrettet würden. Der Junge meinte darauf, dass er sicher nicht alle retten könne, aber für den einen, den er gerade zurück ins Wasser warf, für den würde es einen Unterschied machen.
Dazu fällt mir der Spruch ein: "Wer ein Tier rettet, der verändert nicht die Welt. Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier."
Gerade heute passt das sehr gut, denn es ist der Welttierschutztag, der seit 90 Jahren immer am 4. Oktober begangen wird.

Nicht nur an diesem einen Tag sollten wir uns Gedanken darüber machen, wie wir mit unseren Mitgeschöpfen, den Tieren umgehen, vor allem mit den sogenannten Nutztieren.
Unser Ernährungsverhalten und der Druck auf die Bauern, Fleisch zu möglichst niedrigen Preisen zu produzieren: das alles führt dazu, das die Nutztiere nur ein Kostenfaktor sind. Massentierhaltung und Tiertransporte durch halb Europa, um die Kosten zu senken, das ist nur ein Teil der Folgen.
Sicher, wir als Einzelne können nicht gleich die Welt verändern, wenn wir unseren Fleischkonsum verringern. Aber es ist ein erster kleiner Schritt auf dem Weg zu einer besseren und nachhaltigeren Welt.

Mathias Brandstätter


Samstag, 2. Oktober

Ein Wunder dieser Busch vor unserer Tür.

Duftend.

Voll von Bienen.

Schmetterlinge, von denen ich dachte, es gibt sie nicht mehr.

Schnecken, die sich in ihm niederlassen.

Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich,

der HERR freue sich seiner Werke.

Felix Breitling


Freitag, 1. Oktober

Mit Herz und Vernunft

Als sich der Prophet ankündigte kamen viele Menschen in die Wüste, um ihn zu hören. Ein Mann war unter ihnen, der besonders aufmerksam lauschte. Er betete voll Inbrunst und gab sich im Glauben vollkommen hin. Am Abend verließ er den Propheten. Es dauerte aber nicht lang, da kam er wieder zurück, vollkommen aufgeregt und außer sich: „Großer Prophet, heute morgen kam ich auf meinem Kamel hierher, um dich, den Mann Gottes zu hören. Jetzt ist mein Kamel weg. Ich war dir so gehorsam, habe jedes Wort deiner Belehrung aufgenommen und ganz auf Gottes Allmacht vertraut. Nun ist mein Kamel weg. Ist das die Gerechtigkeit Gottes? Ist das die Belohnung für meinen Glauben? Ist das der Dank für meine innigen Gebete?“
Der Prophet blieb ganz ruhig, hörte dem aufgeregten Mann zu und antwortete gütig lächelnd: „Binde dich im Glauben fest an Gott, aber binde auch mit Vernunft dein Kamel an einen Pflock!“

(Arabische Legende)

Verena Übler