Gedanken zum Tag, 6. - 12. April


Ostersonntag, 12. April

Pfarrerin Verena Übler in der Offenbarungskirche

„Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja.“

Wie viel mehr als sonst brauchen wir den Osterruf in diesem Jahr.
Wie viel mehr als sonst wünschen wir uns, es möge wirklich wahr sein: Christus hat den Tod besiegt. Das Leben geht weiter.

Aufgeklärt und rational denkend wie wir sind, ist das nicht leicht zu glauben. Tot ist tot, das ist nun mal unsere Erfahrung.
Es ist aber nicht nur unsere einzige Erfahrung. Zum Glück.
Zum Glück erleben wir Auferstehung viele Male in unserem Leben.
Zum Beispiel wenn wir nach einem Liebes-Aus irgendwann wieder bereit sind für einen neuen herzallerliebsten Menschen in unserem Leben.
Wenn wir uns nach einer vergeigten Prüfung wieder berappeln, die Ärmel hochkrempeln und das Ganze noch mal versuchen.
Oder wenn nach einem Burnout Leben ganz neu und ganz anders beginnen kann.

Solche Auferstehungen sind möglich, weil Christus den Grund dafür gelegt hat. Seine Auferstehung bedeutet: Vertraut mir! Ihr seid erlöst. Ihr seid frei. Selbst der Tod kann euch nichts anhaben, denn ihr gehört zu mir. Mit meiner Liebe und mit meiner Kraft könnt ihr immer wieder aufstehen.
Die Sorgen, die viele von uns in diesen Tagen haben, lösen sich nicht einfach auf. Wenn wir uns aber zurufen: „Der Herr ist auferstanden!“, dann soll uns das gewiss machen, dass Gott das Leben für uns will.
Und wir zu allem, was wir tun, die nötige Kraft bekommen.

Lesen Sie im Licht einer (Oster-)Kerze folgenden Bibeltext:
Evangelium nach Johannes, Kapitel 20, Verse 11-18


Segen

Segen leuchte uns
wie das Licht am Ostermorgen.
Gottes Friede begleite uns.
Gottes Liebe beflügle uns.
Gottes Freude rühre uns an.
Christus ist auferstanden.
In diesem Glauben segne uns Gott.
Amen


(Hanne Köhler)


Samstag, 11. April

Am 9. April 1945, vor 75 Jahren, wurde Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Aus diesem Anlass besteht der heutige Gedanke zum Tag aus zwei Texten von Dietrich Bonhoeffer:

Der Gott, der uns verlässt

Wir können nicht redlich sein, ohne zu erkennen, dass wir in der Welt leben müssen – „etsi deus non daretur“ („wie wenn es Gott nicht gäbe“). Und eben dies erkennen wir – vor Gott! Gott selbst zwingt uns zu dieser Erkenntnis. So führt uns unser Mündigwerden zu einer wahrhaftigeren Erkenntnis unserer Lage vor Gott. Gott gibt uns zu wissen, dass wir leben müssen als solche, die mit dem Leben ohne Gott fertig werden. Der Gott, der mit uns ist, ist der Gott, der uns verlässt (Mk15,34)!

Der Gott, der uns in der Welt leben lässt ohne die Arbeitshypothese Gott, ist der Gott, vor dem wir dauernd stehen. Vor und mit Gott leben wir ohne Gott. Gott lässt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns.

Aus: Bonhoeffer, Dietrich: Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hg. von Eberhard Bethge, Gütersloh 161997, S. 191 (Brief vom 16.7.1944).

Christen und Heiden

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,
und vergibt ihnen beiden.

Aus: Bonhoeffer, Dietrich: Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hg. von Eberhard Bethge, Gütersloh 161997, S. 188.

Felix Breitling


Karfreitag, 10. April

Karfreitag: Jesus stirbt am Kreuz.
Wenn wir zur Ruhe kommen, wenn wir das Leben wahrnehmen, dann rückt auch die Zerbrechlichkeit unseres Lebens wieder stärker in den Mittelpunkt. Sterben in den fernen Ländern, Menschen in Not, aber auch im nahen Umfeld. Die Coronakrise macht es uns wieder bewusst, Ereignisse die uns unmittelbar betreffen.

Das Kreuz auf unserem Bild ist auf dem Reich des Todes aufgerichtet. Beim sterbenden Jesus stehen Maria und Johannes. Nur Trauer und Liebe sind bei ihnen zu sehen,sonst nichts. Maria hat ein purpurfarbenes Gewand an; ihr Untergewand ist blau. Es deutet auf Wahrheit und Treue hin. Sie zeigt mit ihrer Hand auf Jesus. Sie deutet an: Schaut, er tut das alles für uns. Er ist der Sohn Gottes. Und gleichzeitig ist er ganz Mensch.

Jesus stirbt. Er fühlt sich allein gelassen. Schutzlos seinen Mördern ausgeliefert. Schuldlos wird er getötet. Maria steht bei ihm. Und sie fühlt sich ihm nahe.Sie fühlt das furchtbare Leiden. Und sie drückt aus: Wenn Jesus selbst so furchtbar leidet, dann ist er mir nah, wenn ich leiden muss. Wenn ich Furchtbares erlebe, dann weiß er, wie es den Menschen geht. Es ist so, als stürbe er dort, damit ich nicht allein bin, in den schlimmsten Momenten meines Lebens.

Eine Psalmpoesie schlägt die Brücke zu unserem Leben: Mein Gott, wie oft verliere ich mich in meinem Leben. Unendlich weit bin ich weg von dem, was mein Herz lebendig macht. Wie oft fürchte ich, alles ist sinnlos, weil der Tod das Ende ist. Unendlich leer scheint diese Welt. Gott, wo ist deine Liebe, die mich tröstet und mich rettet?

In diese Situation deutet die Kreuzesszene mit Maria und Johannes: Jesus ist ganz Mensch und kennt das Leiden. Er ist Gottes Sohn und liebt den Menschen. Er ist das Zeugnis von Gottes großer Liebe zu uns und unserer Welt. Und wir können nur bescheiden sagen und bitten: Lass uns im Herzen erkennen, was Du für uns getan hast, und sei Du uns nahe.
Noch ein Blick auf unser Bild: Sie haben es schon gesehen, der Himmel hinter dem Kreuz leuchtet hell.

Gebet
Gott, Du bist uns so fern und in Jesus doch ganz nah,
im Leiden triffst Du uns in unserem Leben.
Du zeigst uns Deine Liebe
und gibst uns Hoffnung auf beständiges Leben.
Schenke uns Deine Kraft, damit wir zu Hoffnungsträgern
mitten im Dunkel der Welt werden. Amen

(Bildnachweis und Textpassagen aus: Arbeitshilfe zum Ök. Jugendkreuzweg 2020, Verlag Haus Altenberg)


Ansprache von Diakon Werner-Malte Hahn:

 


Gründonnerstag, 9. April

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Jesus nahm das jüdische Passahfest zum Anlass, mit seinen Jüngern ein üppiges Mahl zu feiern. Er wollte sie alle zusammen wissen. Doch nicht genug: Es sollte Bestand haben über die Geschehnisse der nächsten Tage hinaus. Solches tut zu meinem Gedächtnis. Bis heute teilen Christ*innen Brot und Wein.

Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt
.

Ein Gespräch via Skype
Luisa: Oma, ist Gott jetzt ganz alleine in der Kirche?
Oma lacht: Nein, Gott wohnt doch nicht nur in der Kirche.
Luisa: Wo wohnt er dann?
Oma: Luisa, weißt du, für mich wohnt Gott in den Menschen. Wenn meine Nachbarin mir die Einkäufe vor die Türe stellt. Und die Apothekerin mir noch die Tabletten am Abend vorbeibringt. Oder heute hab ich eine Postkarte bekommen. Da erlebe ich Gott. Auch dann, wenn ich für meine Freundin am Telefon da sein kann.
Luisa: Hmh, da hat Gott ja ganz schön viel zu tun.

Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt,
und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.

Brot und Wein als Zeichen für den Bund zwischen Gott und Mensch und den Menschen untereinander. Zeichen der Gemeinschaft, der Solidarität bewegen, tragen und trösten uns in diesen Tagen: singende und musizierende Menschen auf Balkonen, das Glockenläuten um 12 und um 18 Uhr. Diese Kar- und Ostertage werden anders sein. Ohne vor Ort gemeinsam gefeiertes Abendmahl. Doch Ostern findet statt. In unseren Herzen, in den Bräuchen, in der Liebe, in der Verbundenheit mit allen Christ*innen dieser Welt.

Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt,
und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe, die alles umfängt,
in der Liebe, die alles umfängt.

(Die Liedverse sind aus "Kommt, atmet auf. Liederheft für die Gemeinde" Nr. 091: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht, Text: Claus-Peter März, Melodie: Kurt Grahl)


Worte zum Gründonnerstag von Carolin Lochner und Daniela Gassen:


Mittwoch, 8. April

Die Herrnhuter Losung für heute lautet:
„Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“ (Psalm 51,14)

Einen willigen Geist, ja den brauchen wir gerade alle. Und so willig ist der ja nicht immer.
Als Kind, so mit 11, 12 Jahren, war mir öfter mal langweilig. Das Gespräch mit meiner Mutter verlief dann so:

Ich: „Mir ist langweilig. Was soll ich denn bloß machen?“

Mutti: „Spiel doch bisschen Blockflöte! Ich hör dich gern spielen.“

Ich: „Och, nee, keine Lust.“

Mutti: „Dann schreib der Oma einen Brief.“

Ich: „Hm, nee, jetzt nicht, später.“

Mutti: „Das Wetter ist super. Fahr halt mal mit dem Rad um den Block.“

Ich (nachäffend): „Fahr doch mal mit dem Rad um den Block. – Wie langweilig!“

Mutti (schon etwas ungeduldiger): „Dann les halt was.“

Ich: „Hab nix mehr. Der Bücherbus kommt erst morgen.“

---

Ich: „Ist mir langweilig.“

Mutti: „Du kannst mir helfen und etwas Staub wischen.“

Ich: „…“

Mutti (freudig): „Oder noch besser, Du könntest Deine Vokabeln wiederholen. Später frag ich dich ab.“

Ich: „Echt???? Neeeee. (seufz)“

Und so konnte das noch eine Weile weitergehen. Manchmal will der Geist einfach nicht. Er ist bockig. Alles doof.
Leichter ist es, wenn tatsächlich von irgendwoher eine Hilfe kommt. Der Anruf meiner Freundin, ob wir uns treffen wollen. Das ist wie eine Lebenselixier-Spritze.
Schon ist die Laune besser, die Langeweile wie weggeblasen, der Geist willig.

In diesen Tagen geht es natürlich um mehr, als um Langeweile. Manche haben ganz konkret Angst um ihre Gesundheit, weil sie zur Risikogruppe gehören. Andere bangen um ihre Existenz, weil sie womöglich ihr Geschäft oder ihre Arbeit verlieren.

Auch in diesen Situationen ist es wichtig, mit einem willigen Geist von Tag zu Tag zu gehen. Schritt für Schritt. Lösungsmöglichkeiten anzudenken. Handlungsschritte möglichst nüchtern in den Blick zu nehmen. Positiv zu denken.
Und die Hilfen, die es ganz bestimmt gibt, nicht zu übersehen.

Gott,
ich mache mir Sorgen. Wie wird alles werden?
Zeig mir, dass du da bist. Gib mir einen willigen Geist.
Und erfreue mich mit deiner Hilfe.
Ich brauche dich.
Amen

 

Verena Übler


Dienstag, 7. April

Kaffeeplausch

Ein frische duftende Tasse Kaffee am Morgen. Ich liebe diesen Geruch am Morgen in der Wohnung. Ein Genuss. Außerdem schenkt sie mir Zeit, die Tasse Kaffee. Zeit zum Innehalten, Zeit für einen Moment Ruhe. Zeit, einfach mal nur da zu sein, hinauszuschauen in die Welt. Mit der Tasse in der Hand. Da bin ich. Einfach nur ich.

Und manchmal beginne ich ein Gespräch. Ich erzähle, wie es mir gerade geht, wie ich mich heute Morgen fühle, was alles zu tun ist am heutigen Tag. Was ich mir vornehme, welche Sorgen mich begleiten. Und dann erzähle ich auch von Menschen, die mir wichtig sind. Was sie wohl machen, wie es ihnen geht. Wie sie mit ihrem Schicksal zurechtkommen. Und ab und an kommen auch Erinnerungen hoch. Ich spüre, wie sie mich berühren und bewegen. Worte brauche ich dafür nicht.

Und dann bin ich manchmal auch einfach still und lausche – mit meiner Tasse Kaffee in der Hand.

Die Tasse Kaffee am Morgen tut mir gut. Es tut mir gut, gehört zu werden. Und auch zu hören. Ich habe die Gewissheit: Ich trinke meinen Kaffee nicht allein. Es ist für mich ein Kaffeeplausch mit Gott.

Weitergedacht: Ein paar Anregungen rund ums Thema Gebet finden Sie auf bayern-evangelisch:  https://gebet.bayern-evangelisch.de/beten-als-lebenshaltung.php

Carolin Lochner


Montag, 6. April

„Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr“ (EG 382) heißt eines meiner liebsten Lieder im Gesangbuch. Geschrieben hat den Text der niederländische Theologe und Dichter Huub Oosterhuis, ins Deutsche übertragen hat ihn der Theologe und Dichter Lothar Zenetti. Ich zögere oft, dieses Lied für den Gottesdienst auszusuchen. Es hat eine gewisse Schwere und geht nicht gerade leicht über die Lippen. Aber gerade das mag ich an diesem Lied. Es ist ein Lied von Glaube und Zweifel, vom Menschen und seiner Suche nach Gott. Ich werde immer etwas misstrauisch, wenn Menschen von Gott so sprechen, als ob sie ihn besser kennen als er sich selbst. Das Lied schlägt da einen anderen Ton an:

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott. der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

Ja, wir Menschen stehen mit leeren Händen vor Gott. Alles andere, glaube ich, ist eine Illusion. Dieses Lied nimmt meine Zweifel und Fragen auf. Es hat nicht gleich für alles eine Antwort. Es geht darum, diese Fragen auszuhalten. Und wenn wir ehrlich sind, dann geht es darum, diese Fragen miteinander auszuhalten und nicht gleich zu reden. Ja, Gott, ich möchte glauben, komm mir doch ein Stück entgegen.

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

Wir haben oft von Gottes Verheißungen gehört. Werden sie auch wahr, in meinem Leben? Wie viele Lieder ist auch dieses Lied ein gesungenes Gebet. Ja, Gott ich stehe vor dir mit leeren Händen und ich kann mich nicht selbst erlösen. Doch „sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden“. Sei Du mir Nahrung, jeden Tag. In allem Suchen, Fragen und Zweifeln ist Gott da: „Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.“

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und laß mich unter deinen Kindern leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

 

Hier können Sie das Lied auch anhören:
http://huuboosterhuis.de/ich-steh-vor-dir.463.html

Felix Breitling