Gedanken zum Tag, 30. März - 5. April

Wort zum Palmsonntag, 5. April

von Pfarrerin Verena Übler in der Rogatekirche


​Samstag, 4. April

Schon als Kind hat mich der Aufbau des Gesangbuchliedes „Befiehl du deine Wege“ (Evangelisches Gesangbuch 361) von Paul Gehardt fasziniert. Sprachspiele sind etwas Feines. Paul Gerhardt nimmt Psalm 37, 5 und macht ein Akrostichon daraus, zu Deutsch ein „Leistengedicht“. Jede Strophe des Liedes beginnt mit einem Wort aus diesem Psalmvers: „Befiehl dem Herren dein‘ Weg und hoff‘ auf ihn, er wird’s wohl machen.“

Da muss man erstmal drauf kommen. Das ist fast ein Geheimcode.

So wie bei dem Fisch, der auf vielen Autos klebt. Ichthys, so heißt Fisch auf Griechisch. Und mit jedem Buchstaben kann man ein Wort beginnen, bis die Aussage entsteht: „Jesus Christus (ist) Gottes Sohn“. Wo auch immer in der Alten Kirche der Fisch z.B. in eine Hauswand geritzt war, wussten die Eingeweihten: Hier sind Christ*innen zu Haus.

Es ist nicht genau bekannt, wann das Lied entstanden ist, auf alle Fälle vor 1653, weil es dann im  Gesangbuch Praxis Pietatis Melica von Johann Crüger veröffentlicht ist.

Vielleicht hat Paul Gerhardt es noch während oder zumindest unter dem Eindruck des 30jährigen Krieges geschrieben.

Mich berühren Text und Melodie. Aus jeder der Strophen spricht Zuversicht. Getrost dürfen wir uns Gottes Händen anvertrauen, auch wenn Gottes Wege oft unerforschlich sind.

Unsere Seele darf unverzagt hoffen, Gott wird uns nicht im Stich lassen. Auch wenn wir uns gerade wie in einer Höhle vorkommen (6. Strophe), wenn uns Sorgen und Kummer im Blick auf die Zukunft plagen, werden wir sie doch wieder erblicken: die Sonn der schönsten Freud.

Das Lied will trösten, Mut machen und Kraft schenken. Und dann, mit Blick auf Palmsonntag: „Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt.“
 

Kommen Sie gut durch den Tag!

Verena Übler

Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen,
es muss erbeten sein.

Dein’ ewge Treu’ und Gnade,
o Vater, weiß und sieht,
was gut sei oder schade
dem sterblichen Geblüt;
und was du dann erlesen,
das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen,
was deinem Rat gefällt.

Weg hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht;
dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.

Und ob gleich alle Teufel
hier wollten widerstehn,
so wird doch ohne Zweifel
Gott nicht zurücke gehn;
was er sich vorgenommen
und was er haben will,
das muss doch endlich kommen
zu seinem Zweck und Ziel.

Hoff, o du arme Seele,
hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken;
erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn der schönsten Freud.

Auf, auf, gib deinem Schmerze
und Sorgen gute Nacht,
lass fahren, was das Herze
betrübt und traurig macht;
bist du doch nicht Regente,
der alles führen soll,
Gott sitzt im Regimente
und führet alles wohl.

Ihn, ihn lass tun und walten,
er ist ein weiser Fürst
und wird sich so verhalten,
dass du dich wundern wirst,
wenn er, wie ihm gebühret,
mit wunderbarem Rat
das Werk hinausgeführet,
das dich bekümmert hat.

Er wird zwar eine Weile
mit seinem Trost verziehn
und tun an seinem Teile,
als hätt in seinem Sinn
er deiner sich begeben,
und sollt’st du für und für
in Angst und Nöten schweben,
als frag er nichts nach dir.

Wird’s aber sich befinden,
dass du ihm treu verbleibst,
so wird er dich entbinden,
da du’s am mindsten glaubst;
er wird dein Herze lösen
von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen
bisher getragen hast.

Wohl dir, du Kind der Treue,
du hast und trägst davon
mit Ruhm und Dankgeschreie
den Sieg und Ehrenkron;
Gott gibt dir selbst die Palmen
in deine rechte Hand,
und du singst Freudenpsalmen
dem, der dein Leid gewandt.

Mach End, o Herr, mach Ende
mit aller unsrer Not;
stärk unsre Füß und Hände
und lass bis in den Tod
uns allzeit deiner Pflege
und Treu empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiss zum Himmel ein.

 


Freitag, 3. April

„Ich freue mich, dass Sie anrufen“ habe ich in letzter Zeit oft am Telefon gehört. „Ich freue mich auch über die Offene Kirche und den Gedanken zum Tag – aber das ersetzt halt leider doch einfach nicht die persönliche Begegnung.“ Ja, das stimmt. Das alles ersetzt nicht die persönliche Begegnung. Im Gottesdienst sitzen wir sonst nebeneinander, feiern zusammen Abendmahl und reichen uns danach die Hand, an der Kirchentür verabschieden wir uns mit Händedruck, treffen uns zum Kirchenkaffee, sitzen uns beim Seniorenkreis gegenüber. Im Chor stehen wir nebeneinander, singen und hören unsere Stimmen. Die Mitglieder unseres Besuchsdienstkreises machen Geburtstagsbesuche.

Viele, die im Home-Office arbeiten, sagen auch, dass ihnen diese persönlichen Begegnungen fehlen, am Kaffeeautomaten, in der Kantine oder beim Gespräch auf dem Flur. Das alles können technisch noch so gute Videokonferenzen nicht ersetzen. Das Zwischenmenschliche bleibt dabei oft auf der Strecke.

Und besonders denke ich an die Menschen, die gerade isoliert in Seniorenwohnheimen oder Krankenhäusern sind.

Gott ist Mensch geworden und leibhaftig in die Welt gekommen. Als Mensch mit allen Sinnen. „Und das Wort ward Fleisch“, heißt es im Johannesevangelium. Jesus setzt sich mit Menschen an einen Tisch, heilt und weckt Tote auf, indem er sie berührt und er lässt sich selbst berühren.

Wir Menschen sind soziale Wesen und wir brauchen beides, Nähe und Distanz im Gleichgewicht. Ja, ein Anruf ersetzt nicht die persönliche Begegnung. Trotzdem tut es gut, jemanden anzurufen, miteinander zu reden und sich auszutauschen. Auch wir freuen uns über Ihren Anruf.

Felix Breitling


Donnerstag, 2. April

Die Drogeriemarktkette Rossmann hat in den vergangenen Wochen Rekordumsätze gemacht. Zunächst mit Klopapier und Seife, dann „mit allem“, so der Chef. Mit allem außer Kosmetik. Denn: „Wenn man eh nur daheim ist, braucht man keine Kosmetik.“

Ganz falsch. Ich widerspreche ausdrücklich. Und erinnere mich an die letzte Phase meines Studiums, als ich mich auf das Examen vorbereitet habe. Damals wohnte ich in einem Wohnheim (nicht nur) für Theologiestudierende, dem Adolf-Clarenbach-Haus in Bonn. Mein Zimmer war ganz oben im dritten Stock. Unten im Erdgeschoss gab es eine kleine Bibliothek. Dort, an einem Schreibtisch am Fenster war über Monate mein „Arbeitsplatz“. Der Weg dorthin betrug drei Stockwerke, ich musste nicht vor die Tür. Theoretisch hätte ich mich im Schlafanzug und mit Schlappen dorthin begeben können. Die Einsamkeit des Lesens, Kartei-Karten-Schreibens, Wiederholens und Einprägens der Lernstoffe hat jedoch folgendes bewirkt: Am Morgen habe ich mir die Haare schön gemacht, die Augen geschminkt und sogar Lippenstift aufgelegt. Ich habe mich ordentlich angezogen – gut, auf schicke Schuhe habe ich verzichtet – und so gestylt bin ich die Treppen hinuntergeschritten, als würde ich zu einer Verabredung gehen. In der Ausnahmesituation der Prüfungsvorbereitung hat mir das so gut getan und ein Gefühl von Normalität gegeben.

In Gesprächen mit Senior*innen erfahre ich Ähnliches. Manche leben schon lange allein, weil sie früh verwitwet sind. Streng halten sie sich an ihre Tagesroutine, auch was das Hübschmachen betrifft. Es gibt ihnen Stabilität und Sicherheit.

Von beidem können wir gerade viel brauchen.

Also, probieren Sie es aus: machen Sie sich schön! 

Verena Übler


P.S. Und ergänzend hier noch ein Lied für den Tag: „I Say A Little Prayer“  von Dionne Warwick (1967). Ein Liebeslied zwar, aber mich begeistert die Kombination von Schönmachen und beten. Und beten können wir ja für alle unsere Liebsten.

„The moment I wake up
Before I put on my makeup
I say a little prayer for you
While combing my hair now,
And wondering what dress to wear now,
I say a little prayer for you.”

„Gleich, wenn ich aufwache,
ehe ich mein Makeup auftrage,
spreche ich ein kleines Gebet für dich.
Während ich meine Haare kämme
und überlege, welches Kleid ich anziehen soll,
spreche ich ein kleines Gebet für dich.“


​Mittwoch, 1. April

„Nada te turbe, nada te espante; quien a Dios tiene nada le falta. Nada te turbe, nada te espante: Solo Dios, basta.“ Seit ich 1992 zum ersten Mal bei einem der Jugendtreffen in Taizé war, begleitet mich dieses Lied. Es wurde für die gemeinsamen Gebete der Brüder und aller, die dort eine Woche lang zu Gast sind, komponiert. Die Worte stammen von der Mystikerin und Theologin Teresa von Avila, die im 16. Jahrhundert in Spanien wirkte. Mit den Worten „Nichts soll dich ängsten, nichts soll dich quälen, wer sich an Gott hält, dem wird nichts fehlen. Gott allein genügt“ kann dieses Lied auch auf Deutsch gesungen werden.

Es hat eine beruhigende Melodie. Ich singe es oder summe es vor mich her, wenn es mir nicht gut geht, oder wenn ich gestresst bin. Wenn ich es singe, kehrt eine innere Ruhe in mir ein. Dieses Lied ist ein einfaches Gebet, das ich schätze und liebgewonnen habe. Über das Beten hat Teresa von Avila geschrieben: „Es ist nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein.“ 

Felix Breitling


Dienstag, 31. März

Lachen ist gesund.

Die tatsächliche Wirkung von Lachen ist noch nicht erforscht, aber festzuhalten ist: Lachen tut gut, lindert Stress und lässt uns zumindest für kurze Zeit Sorgen vergessen. Und am besten ist es wohl, über sich selbst lachen zu können. Lachen tut gut und verändert die Sicht.

So lädt die Clownin und Theologin Gisela Matthiae in Ihrem Buch Wo der Glaube ist, da ist auch Lachen ein (S. 115): „Tanzen Sie gerne? Versuchen Sie es mal in Ihren eigenen vier Wänden und ohne Publikum. […] Es muss nicht schön und richtig im Takt sein! Tanzen Sie einfach wie eine Clownin oder ein Clown, die wissen auch nicht, wie es geht.“

Vielleicht hat allein die Vorstellung bei Ihnen schon zum Lachen geführt?

Sammeln Sie doch einen Tag lang komische Momente in Ihrem derzeitigen Alltag oder auch – wenn Sie mögen – in der Bibel. Ein Lesetipp: Die 4 Kapitel des Jonabuches.

Carolin Lochner

Quelle: Gisela Matthiae: Wo der Glaube ist, da ist auch Lachen. Clownerie für Leib und Seele. Herder Verlag, Freiburg 2019
Bild: www. pixabay.com


Montag, 30. März

Spirale
Bildrechte: Matthew T Rader / unsplash.com

Morgengebet

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
leg ich meinen Tag in deine Hand.
Sei mein Heute,
sei mein gläubig Morgen,
sei mein Gestern, das ich überwand.
Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen,
bin aus deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen,
deinen Händen bette ich mich ein.

>Edith Stein zugeschrieben.<

 

Verena Übler