Gedanken zum Tag, 27. April - 3. Mai

Wort zum Sonntag, 3. Mai

Wissen Sie ihn noch? Ihren Konfirmationsspruch? Meiner geht so: „Denn wer da bittet, der empfängt, wer da sucht, der findet und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ Er steht bei Matthäus 7, 8. Vor ziemlich genau 40 Jahren, nämlich am 11. Mai, bekam ich ihn in Erlangen in der Thomaskirche zugesprochen. Seitdem begleitet er mich.

Wir haben unsere Konfirmanden und Konfirmandinnen gebeten, sich selbst per Video aufzunehmen und uns ihren Konfirmationsspruch zu sagen. Sie haben ihn sich selbst ausgesucht und hätten ihn heute bei der Konfirmation zugesprochen bekommen.
Eigentlich.
Sehen und hören Sie selbst. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Verena Übler

 


Samstag, 2. Mai

Kennen Sie Kommissar Beck? In der schwedisch-deutschen Krimiserie ermittelt Martin Beck als Leiter der Stockholmer Kriminalpolizei in schwierigen Mordfällen. Mir gefällt besonders eine der Nebenpersonen und zwar der komische Nachbar von Kommissar Beck. Die beiden begegnen sich immer auf ihren nebeneinanderliegenden Balkonen. Der Nachbar möchte gern Freundschaft schließen und bei einem Gläschen Wein über Gott und die Welt philosophieren. Allerdings überrumpelt er den zurückhaltenden Kommissar immer etwas mit seiner unkonventionellen Art.
Einmal geht es um die Frage, ob der Nachbar an Gott glaubt.
Er antwortet: „Sagen wir mal so: Für mich ist Gott ungefähr das, was die Fährschiffe nach Maksund für die Möwen sind.“
„Wie soll ich das verstehen?“
„Man folgt ihnen und hält doch einen gewissen Abstand dabei. So hat man sein ganzes Leben jemanden, der einem die Route vorgibt.“

Ich finde dieses Gottesverständnis gar nicht schlecht. Die Möwen sind mal näher dran, mal weiter weg vom Fährschiff. Wahrscheinlich können sie nicht ganz erfassen, was ein Fährschiff ist, aber sie wissen, dass es ihnen gut tut. Sie bleiben in Kontakt. Das ist der vielleicht wichtigste Punkt für mich an diesem Vergleich: mit Gott in Kontakt bleiben.

Morgen wäre für unsere 12 jungen Konfirmand*innen der große Tag gewesen – ihre Konfirmation. Wir haben sie aus gutem Grund auf nächstes Jahr verschoben.
Ich wünsche mir  für unsere Konfirmand*innen, dass sie mit Gott in Kontakt bleiben. Ich weiß nicht, ob Gott uns so genau wie ein Fährschiff die Route durch’s Leben vorgibt. Wenn man Route aber durch Maßstäbe ersetzt – oder durch den heute oft ungeliebten Begriff „Gebote“ – dann kann man, finde ich, getrost folgen. Unterm Strich geht es dabei doch ganz einfach um die Liebe.

„Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Markus 12, 29-31)

Dass unsere „Konfis“, genau wie wir alle, selbst fliegen und gleichzeitig auf diese Route vertrauen, dafür bete ich.


Verena Übler


Freitag, 1. Mai

Alles neu

„Alles neu macht der Mai“. Diese Redewendung stammt aus einem Lied: „Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei. Lasst das Haus, kommt hinaus! Windet einen Strauß! Rings erglänzet Sonnenschein, duftend prangen Flur und Hain: Vogelsang, Hörnerklang tönt den Wald entlang.“ Nach den Eisheiligen Mitte Mai ist der Winter dann wirklich vorbei. Die Saat kann jetzt sicher wachsen. Die Liedstrophe ist voller Aufbruch, Frühlingslaune und Energie, all dem, wonach ich mich gerade sehne.

Neuanfänge und das Neuwerden sind ein großes Thema in der Bibel. Die Bibel erzählt von Menschen, die aus ihrer Trauer ins Leben gehen. Von Menschen, die nach Schuld Vergebung erfahren. Von Menschen, die aufbrechen. Das Vergangene nehmen sie mit, oft bleiben Narben. Und doch fangen sie neu an. Gott fängt neu mit ihnen an.

 „Siehe, ich mache alles neu“. Dieses große Versprechen für uns Menschen und für die Welt steht im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

In diesen Wochen hoffe ich besonders auf Neuanfänge für diejenigen, die unter dem Virus, und dem, was er mit sich bringt, leiden.

Du Gott des Anfangs,
du bist es, der Neues schafft.
Was hinter uns liegt – es bleibt.
Jeder Gedanke. Jedes Wort. Jede Tat.
Wir bitten Dich: Hilf uns immer wieder, neu anzufangen.
Gib, dass uns Vergangenes nicht zur Last wird,
und uns die Erinnerung nicht den Blick für die Gegenwart verstellt.
Leite unsere Schritte in die Zeit, die vor uns liegt,
durch deinen guten Geist,
den Geist der Hoffnung und des Vertrauens,
den Geist des Friedens und der Liebe.
Amen.
 

Felix Breitling


Donnerstag, 30. April

Endlich Regen

Die Wiese hinter unserem Haus sah inzwischen schon fast so aus, wie ich es sonst nur aus dem Süden kenne: vertrocknet braun. Jetzt hat es endlich geregnet. Mich fasziniert, wie schnell etwas Totgeglaubtes nach Wasserzufuhr wieder wächst.

Ein chinesisches Sprichwort geht so:

Willst du eine Stunde lang glücklich sein,
dann betrinke dich.

Willst du drei Tage lang glücklich sein,
dann heirate.

Willst du eine Woche glücklich sein,
dann schlachte ein Schwein.

Willst du ein Leben lang glücklich sein,
dann werde ein Gärtner.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich viele bei der letzten These nicken. Mit bloßen Händen in Erde zu wühlen, zu säen und pflanzen, zu hegen und pflegen macht viele Menschen glücklich.

Auch Stadtmenschen. Anfang dieser Woche habe ich gesehen, dass die Krautäcker an der St. Michael-Straße doch noch zum Beackern vorbereitet wurden. Ich dachte schon, da wird nichts mehr draus in diesem Jahr.

Lässt sich die Aussage „Willst du ein Leben lang glücklich sein, dann werde ein Gärtner“ vielleicht auch übertragen verstehen? Ich denke schon. Wenn wir uns gegenseitig hegen und pflegen, uns um einander kümmern, füreinander da sind, dann tut uns das gut. Wenn wir uns mit liebevollen Worten begießen, werden wir uns innerlich aufrichten. Wenn wir uns mit gutem Rat düngen und mit konstruktiver Kritik bejäten, werden wir wachsen und reifen. Seien wir einander gute Gärtnerinnen und Gärtner. Auf dass wir ein Leben lang glücklich sind.


Verena Übler


Mittwoch, 29. April

29. April vor 75 Jahren: Befreiung von Dachau

"Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“ Das sind Worte von Max Mannheimer (1920-2016), die er an viele Jugendliche richtete. Er und sein Bruder Edgar überlebten die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau, Warschau und Dachau. Seine Eltern, Geschwister und seine Ehefrau wurden in den Lagern ermordet. Seit den 1980er Jahren besuchte er als Zeitzeuge zahlreiche Schulen und führte durch die KZ-Gedenkstätte in Dachau. Unermüdlich machte er den Schülerinnen und Schülern deutlich, wie wichtig es ist, für die Demokratie einzustehen.

Am 23. April 1945 befreiten US-Truppen das Konzentrationslager Flossenbürg in der Oberpfalz und am 29. April 1945, heute vor 75 Jahren, das Konzentrationslager Dachau.

Zwischen all den Meldungen zum Coronavirus und zur Krise darf das Gedenken in diesen Tagen nicht untergehen. 2000 Teilnehmende, unter ihnen 90 Überlebende des Konzentrationslagers, wären zu den Gedenkveranstaltungen nach Dachau gekommen, die nun wegen der Corona-Krise ausfallen müssen.

Ich sehe es als unsere Aufgabe, dass wir als Christinnen und Christen die Erinnerung wachhalten und widersprechen, wenn es heißt, man solle doch unter das Geschehene einen Schlussstrich ziehen oder das Gedenken müsse ein Ende haben.

Der Schriftsteller Elie Wiesel, der das Vernichtungslager Auschwitz überlebt hat, schrieb, das Gegenteil von Erinnern sei nicht das Vergessen, sondern die Gleichgültigkeit. Daher sei „die wichtigste und dringlichste Antwort auf die Katastrophe, der Gleichgültigkeit entgegen zu wirken“.

Ich, der mehr als dreißig Jahre nach Kriegsende geboren ist, und diejenigen, die nach mir geboren sind, sind nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber wir und die nachfolgenden Generationen tragen Verantwortung dafür, dass das Gedenken nicht verstummt, und dass nicht wieder geschieht, was geschehen ist. Wir alle tragen Verantwortung dafür, der Gleichgültigkeit entgegen zu wirken.

Die Gedenkveranstaltungen zur Befreiung des Konzentrationslagers Dachau werden nun digital stattfinden und übertragen. Sie finden sie unter den folgenden Internet-Adressen:
www.kz-gedenkstaette-dachau.de/aktuelles/liberation
www.sonntagsblatt.de
www.dachau.de
www.muenchner-kammerspiele.de

Felix Breitling


Dienstag, 28. April

Am Sonntag erreichte mich über meinen Whatsapp-Chorverteiler eine private Aufnahme aus dem Pfarrgarten der Auferstehungskirche. Eingeschlossen von den hohen Mauern der Kirche und der Gemeindegebäude stimmten einige Bläser*innen ein Lied an. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand. Das Lied war wohl weit über den Pfarrgarten hinaus zu hören. Ein Zuruf. Eine Vergewisserung: Wir sehen uns wieder. Und bis dahin halte Gott dich fest in seiner Hand.

Mauern überwinden mit Musik, mit Kreativität. Öffentlich musizieren, was sonst in den vier Wänden stattgefunden hätte. Manch ein Gottesdienst findet im Freien statt und die Gottesdienstbesucher*innen sind innen an ihren Fenstern dabei. Die Klinikclowns kommen auch jetzt zu den Kindern und schenken einen Moment Hoffnung am Fenster. Der Wunsch und die Vergewisserung wollen hinaus in die Welt und hinein in die Wohnungen – vielerorts via Skype und Co oder per Zuruf von Balkon zu Balkon. Kontakt halten, auch wenn das Sehen aus der Nähe, die Berührung noch fehlt.

Möge die Straße uns zusammenführen. Damit beginnt das Lied. Davon gehen wir aus.
Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein.
Sanft falle Regen auf deine Felder und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Oder in dieser meiner heutigen Version:
Möge die Straße uns zusammenführen und Geduld in deinem Gepäck sein.
Gut halte durch in deiner Wohnung und vertrau, Gott lässt dich nicht allein.

Stimmen Sie doch ein in das Lied, mit ihrem Text, in ihrer Version. Vielleicht auch mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht, wenn sie der Karaokeversion folgen:
 

Carolin Lochner

 

 


Montag, 27. April

Lachen steckt an

Bei Wikipedia heißt es, dass Lachen „eines der wichtigsten angeborenen emotionalen Ausdrucksverhalten des Menschen“ ist. Wir lachen, wenn uns etwas erheitert und festigen mit Lachen unsere sozialen Beziehungen.

Außerdem kann es „eine Entlastungsreaktion nach überwundenen Gefahren sein oder ein Abwehrmechanismus gegen spontane Angstzustände“.

Es steckt ganz schön viel Kraft drin, im Lachen. Ich finde besonders schön, dass Lachen ansteckend ist. Das Lied „Herzklopfen“ von Spider Murphy Gang bringt mich auch heute noch zum Lachen, obwohl ich es ungezählte Male schon gehört habe. Es ist eigentlich eine missglückte Studioaufnahme, wurde aber trotzdem mit auf die Platte genommen. Zum Glück! Der Lachanfall, der über die Band kommt, ist so lustig und ansteckend – ich bin überzeugt, da kann niemand ernst bleiben.

In der Bibel gibt es bei den Seligpreisungen im Lukasevangelium einen Vers, der lautet:

„Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.“ Lukas 6, 21

Auch wenn wir nicht immer etwas zu Lachen haben, dürfen wir darauf vertrauen, dass es nicht so bleiben wird. Nach der Zeit des Weinens kommt auch wieder eine Zeit der Freude und des Lachens. Beides hat seine Zeit. Und deshalb wird auch beides in einem Satz ausgedrückt: wer jetzt weint, wird auch einmal wieder lachen. Menschen, die das verinnerlichen und darauf vertrauen, dürfen sich „selig“ nennen.

Ich wünsche allen, denen gerade nicht zum Lachen zumute ist, dass sie die Kraft zum Durchhalten bekommen, und dass sie sich hin und wieder anstecken lassen vom freundlichen, aufmunternden Lachen lieber Menschen um sie herum.

Verena Übler