Gedanken zum Tag, 23. - 29. März

Sonntag, 29. März

​Wort zum Sonntag mit Pfarrer Felix Breitling


Samstag, 28. März

Ich merke, wie wichtig mir in den vergangenen Tagen Gewohnheiten und feste Zeiten geworden sind und wie sie mir helfen, durch diese Zeit zu kommen. Um 9.00 Uhr schließe ich die Kirche auf und zünde eine Kerze an, um 12.00 Uhr läutet die Glocke, um 18.00 Uhr läutet sie nochmal, dann gehe ich wieder in die Kirche und schließe sie zu.
„Gewohnheiten können manchmal Menschen verblöden, aber sie schützen ihn auch. Sie sagen, was kommt und was dran ist“ schreibt der Theologe Fulbert Steffensky. Ich glaube, besonders jetzt können uns Gewohnheiten, feste Zeiten und Rituale schützen. Zur gleichen Zeit aufstehen. Ein paar Minuten bewusste Stille. Jeden Tag das gleiche Lied hören. Ein Gebet. Joggen durch den Park. Die Kaffeepause zur gleichen Zeit. Jeden Tag ein verabredetes Telefonat. Etwas, das leicht umzusetzen ist. Etwas, das mir gut tut. Am Anfang ist es wahrscheinlich nicht einfach, diese Regelmäßigkeit einzuhalten. Wir sollten dann nicht darauf warten, bis wir Lust dazu haben. Denn „man ist sich selber und seinen schwachen Augenblicksinteressen ausgeliefert“ schreibt Steffensky. Aber wenn wir uns an diese festen Zeiten und Rituale gewöhnt haben, dann sind sie wie ein Geländer, das uns Halt gibt.

Felix Breitling


Freitag, 27. März

Fecisti nos ad te
et inquietum est cor nostrum
donec requiescat in te.

Du hast uns auf dich hin geschaffen
und unruhig ist unser Herz
bis dass es Ruhe findet in dir.

(Kirchenvater Augustin)

Ja, unser Herz ist unruhig in diesen Tagen. Den einen fällt die Decke auf den Kopf, sie vermissen den Kontakt zu Freund*innen und Familie, die anderen wissen nicht, wie sie alles unter einen Hut bringen sollen – HomeOffice, Schule, Essen, Kinder-bei-Laune-halten, wieder andere haben Sorge, ob sie bei der Arbeit ausreichend geschützt sind. Dazu die Unsicherheit, ob all die Maßnahmen wirken bzw. wie lange wir wohl in diesem Ausnahmezustand durchhalten müssen.

So können wir nur immer wieder beten:

Ja, Gott, mein Herz ist unruhig.
Zieh mich zu dir. Zieh mich in deine Arme und lass mich Ruhe finden.
Wenigstens einen kleinen Moment lang. Immer wieder mal.
Ich will durchhalten.
Gib mir die Kraft dafür, Gott.
Amen

Verena Übler


Donnerstag, 26. März

„Der ist nicht stark, der in der Not nicht fest ist.“ Sprüche 24, 10

Diesen Vers hatte ich mir als Konfirmationsspruch ausgesucht.

Mein von mir sehr geschätzter Pfarrer Dr. Günter Reim erhob Einspruch. Er fand, das sei kein passender Spruch für mich. Zu düster irgendwie für ein 14jähriges Mädchen.

Per Zufall begegnete ich kurze Zeit später auf dem fränkischen Bauernhof einer Großtante einem anderen Bibelvers. Es war ihr Konfirmationsspruch, der gerahmt im Wohnzimmer an der Wand hing: „Denn wer da bittet, der empfängt, wer da sucht, der findet und wer da anklopft, wem wird aufgetan.“ Matthäus 7, 8

Die Worte sprachen mich an und so wurde dieser Vers mein Konfirmationsspruch. Im Hintergrund begleiten mich seitdem aber weiterhin auch die Worte aus dem Sprüchebuch. Sie passten damals nämlich schon, vieles war in meinem Leben zu der Zeit nicht einfach.

Beide Verse gaben und geben mir Halt.

Bitten, Suchen und Anklopfen bei Gott wird zwar nicht automatisch beantwortet, und schon gar nicht unbedingt so, wie wir es gern hätten. Gott lässt uns damit aber auch nicht gegen die Wand laufen, davon bin ich überzeugt. Es lohnt sich, an Gott dran zu bleiben, auch in Zeiten wie diesen.

„An Gott dran bleiben“ – in dem Film „Sister Act“ wird dazu von dem Chor der Nonnen und unter der Leitung von Whoopi Goldberg das Lied „I will follow him“ gesungen.

Es soll Sie gut durch den Tag bringen – und durch diese Zeit.

Verena Übler


Mittwoch, 25. März

Gestern rief der UN-Generalsekretär António Guterres zu einem sofortigen Globalen Waffenstillstand auf:
„Unsere Welt steht vor einem gemeinsamen Feind: COVID-19. Das Virus macht keinen Unterschied zwischen Nationalität oder ethnischer Zugehörigkeit, Gruppierung oder Glauben. Es greift alle an, unerbittlich. Währenddessen wüten bewaffnete Konflikte auf der ganzen Welt. Die Schwächsten – Frauen und Kinder, Menschen mit Behinderungen, Marginalisierte und Vertriebene – zahlen den höchsten Preis. (…) Es ist an der Zeit, bewaffnete Konflikte zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf unseres Lebens zu konzentrieren. (…) Es beginnt damit, dass wir die Kämpfe überall stoppen. Und zwar sofort. Das ist es, was unsere Menschheitsfamilie braucht, jetzt mehr denn je“ schreibt Guterres.

Ich hoffe, dass alle Kriegsparteien auf der Erde diesem Aufruf nachkommen und dass die uralte Menschheitshoffnung des Propheten Jesaja ein für alle Mal wahr wird: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Jes 2)

Felix Breitling


Dienstag, 24. März


Ich habe mich auf die Suche gemacht nach Dingen, die mir Mut machen, mir Trost schenken, mir Freude bereiten. Heute hier und jetzt. In all der Begrenztheit, die ich erlebe.

Ich bin fündig geworden in meinem Homeoffice-Zimmer in meiner Wohnung.

Mein Kalender mit Bildern vom Kleinen Maulwurf. Kennen Sie den Kleinen Maulwurf? Mutig, mit Herz und pfiffigen Ideen erlebt er seine Abenteuer und meistert größere und kleinere Probleme. Was ihm wohl zu unserer Situation heute einfallen würde? Jedenfalls hätte er eine kreative Idee. Wem ein Regenschirm als Boot dient, dem fällt auch jetzt etwas ein, da bin ich mir sicher.

Welch eine Freude!

Noch mit einem Schmunzeln fällt mein Blick auf meine Fotoalben, Notiz- und Tagebücher. Ich blättere darin. Schöne, tiefe Erinnerungen mit lieben Menschen. Bei manchem Bild bleibe ich hängen. Wie es der Person auf dem Bild wohl gerade geht? Ich beschließe, bei ein paar Menschen nachzufragen, per Whatsapp, Mail, Telefon und Karte. Es gibt heute ja Gott sei Dank viele Möglichkeiten. Wie gut das doch ist. Wir sind nicht allein, auch ohne persönlichen Kontakt.

Das macht mir Mut.

Und dann mein Blick auf meine verschiedenen Ausgaben der Bibel. Vielleicht haben Sie auch eine im Regal - von der Konfirmation oder der Trauung. Aber sie steht da. Ich empfinde das als tröstlich. Die Bibel verbindet mich mit vielen anderen Gläubigen und vor allem auch mit den Figuren in der Bibel. Ich schaue mir die Texte für diese Woche an. Ein Text sticht mir ins Auge ( 2. Kor 1, 3+4) „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“

Wie tröstlich – für mich, für Sie und für alle, die wir trösten.

Carolin Lochner


Montag, 23. März


Es war einmal ein Schmetterling,
der liebte einen Baum.
Und wenn er abends schlafen ging,
umschwirrt‘ er ihn im Traum.

Ich weiß nicht, von wem dieses Gedicht ist. Ich kenne es schon seit meiner Schulzeit. Einmal habe ich das kleine Bild dazu gemalt. Gedichte gehören für mich zu dem Schatz an Worten, die Halt geben können in besonderen Zeiten.

Hier meine Inspiration: Wie wäre es? Einmal am Tag für fünf Minuten die Augen schließen und sich in Gedanken an den Lieblingsort beamen. Wie sieht es dort aus? Gibt es Wasser? Bäume? Felsen? Scheint die Sonne oder ist es stürmisch? Oder ist gar Winter und der Schnee funkelt?

Gehen Sie spazieren an ihrem Lieblingsort. Lassen Sie sich auf der Bank mit dem tollen Panoramablick nieder. Oder strecken Sie sich auf Ihrem Strandlaken aus und lauschen Sie den Wellen. Atmen Sie ruhig ein und aus. Entspannen Sie in diesem Augenblick.

Kommen Sie gut durch den Tag und bleiben Sie behütet.

Verena Übler


Zu den Texten vom 17. - 22. März