Gedanken zum Tag, 17. - 22. März

Sonntag, 22. März

„Lätare“, „Freut euch“ heißt der heutige Sonntag – Freut euch, mitten in der Passionszeit. „Klein Ostern“ wird dieser Sonntag auch genannt. Die Hälfte der Passions- oder der Fastenzeit ist vorbei. Ostern rückt näher. Die liturgische Farbe dieses Sonntags ist eine ganz besondere: Rosa. Eine Mischung aus dem Violett der Passionszeit und dem Weiß der Osterzeit. Ein Sonntag zwischen Passion und Ostern. „Zwischen Kreuz und Auferstehung, zwischen Finsterwelt und Tag, zwischen Angst und heller Freiheit leben wir, leben wir“ heißt die Strophe eines Passionsliedes für Jugendliche. Christinnen und Christen haben beides im Blick. Kreuz und Auferstehung. Nacht und Tag. Unser Glaube gaukelt uns keine heile Welt vor. Wir leben zwischen Kreuz und Auferstehung und sehen die Welt, wie sie ist – und leben dennoch und trotzdem mit Hoffnung.

In einem der Bibeltexte für diesen Sonntag spricht Paulus von Gott als dem „Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können“. Christinnen und Christen sind eine Trostgemeinschaft. Menschen, die den Tatsachen ins Auge sehen und sich dennoch getröstet wissen und versuchen, getrost durchs Leben gehen. Menschen, die Trost empfangen und anderen etwas weitergeben vom Trotzdem der Hoffnung.

Felix Breitling


Samstag, 21. März


„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, sagt Gott in der Schöpfungsgeschichte. Ein Satz, der mir zur Zeit oft durch den Kopf geht. Ich finde es wichtig und konsequent, sich möglichst zu isolieren und auf Abstand zu gehen und merke dabei, wie schwer es mir fällt, mich ungezwungen wie sonst zu bewegen, keine Hand zu geben, Freunde beim Begrüßen nicht zu umarmen. Mir fehlen die vielen öffentlichen Orte und Treffpunkte, die München bietet.

Ich denke an die vielen Menschen, die zur Zeit alleine sind und keinen Besuch empfangen dürfen. An Menschen im Seniorenheim oder im Krankenhaus ohne Besuch von Angehörigen. An die vielen, denen ihre Aktivitäten zusammen mit anderen fehlen; denen wegbricht, was ihnen sonst Halt und Kraft im Alltag gibt.

In vielen Wohnhäusern bringen jetzt jüngere Mitbewohner*innen einen Aushang an und bieten Einkaufsdienste an. Gerade ist es wichtig, dass der Mensch allein ist, aber es ist nicht gut, dass er allein ist. Wenn Sie in der jetzigen Situation einsam sind, wenn Sie Hilfe brauchen oder jemanden kennen, der sich über ein Gespräch am Telefon freut oder ganz praktische Hilfe braucht, dann melden Sie sich bitte bei uns.

Felix Breitling


Freitag, 20. März

Zur Zeit, wenn ich doch mal draußen bin, fallen mir auf jedem Fleckchen Erde die Frühlingsboten auf: Schneeglöckchen, Krokus, Veilchen. Dazu die leuchtend gelben Forsythien, die Haselkätzchen, erste grüne Blätter an Büschen, die ich nicht kenne. Die Vögel zwitschern und Eichhörnchen hüpfen unbekümmert über den Weg.

Erst freue ich mich und dann wundere ich mich. Ein komischer Gedanke schießt mir durch den Kopf: Moment mal, gerade ist doch Pause, gerade ist doch alles auf „Halten“ gedrückt. Wir sind zu Hause, wir warten ab, es geht doch erst später, irgendwann weiter. Wieso blüht hier alles? Kann doch irgendwie nicht sein.

Doch, es kann sein. Die Natur weiß nichts von Corona. Und das ist auch gut so. Nachdem ich mich zu Ende gewundert habe, denke ich an das Lied aus unserem Gesangbuch (Nr. 659):

Das Zeichen

Freunde, dass der Mandelzweig, wieder blüht und treibt,
ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt.

Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht.
Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt,
bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.

Die Melodie stammt von Fritz Baltruweit (1981), den Text hat der Religionsphilosoph und Rabbiner Schalom Ben-Chorin 1942 in einem ganz anderen und viel, viel schwerwiegenderen Kontext geschrieben. Für mich ein Wunder an Glauben, Zuversicht und Hoffnung.
Ich will diesen Hintergrund nicht außer Acht lassen, aber das Lied war für mich selbst in mancher Krise schon ein ganz persönliches Hoffnungslied. Vielleicht auch für Sie?

Hören Sie mal rein: 

Verena Übler


Donnerstag, 19. März


Wir haben heute ein Gefäß mit Sand und Kerzen in die Kirche gestellt und eine Kerze angezündet. Auch, weil gerade etwas die Worte fehlen in dieser Zeit. Vieles würde nach Vertröstung klingen. Nach Aufmuntern und Nichternstnehmen.

Wir telefonieren gerade mit vielen Menschen aus der Gemeinde und aus dem Stadtteil. Weil es gerade auch erstmal ums Zuhören geht. Die Krise betrifft jede und jeden persönlich und anders. In der Sorge um die Gesundheit, in der Sorge um die wirtschaftliche Existenz, in einer tiefen Verunsicherung. Richtige und passende Antworten hat momentan noch keiner.

Als ich später wieder in der Kirche war, brannten zwei weitere Kerzen. In einer Zeit, in der wir uns wenig begegnen, war das für mich ein Zeichen von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Ein einfaches und ein wichtiges Zeichen.

Solche Zeichen sind wichtig, in einer Zeit, in der Worte schwer zu finden sind. In Italien singen Menschen auf den Balkonen, in Köln klatschen Menschen aus den Fenstern, auf einem Kirchturm in Bayreuth spielt ein Posaunenchor jeden Sonntag einen Choral. Möglichkeiten, Zusammenhalt zu zeigen und Zeichen zu setzen, wenn Begegnung kaum möglich ist.

Ich hoffe, dass wir gemeinsam kreativ werden und bleiben, wenn es darum geht, uns gegenseitig zu unterstützen und solidarisch zu sein.

Felix Breitling


Mittwoch, 18. März


Die Tageslosung für Mittwoch, 18. März 2020, lautet:

Es wartet alles auf dich, unser Gott, dass du ihnen Speise gibst zu deiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
Psalm 104, 27-28

 Ihr habt schon geschmeckt, dass Christus, der Herr freundlich ist.
1. Petrus 2, 3

Darauf kommt es jetzt an: dass wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, wie wir in der Vergangenheit schon „Gott geschmeckt“ haben,
Vielleicht, dass wir durch ein Gebet ruhiger wurden, als wir Angst hatten. Vielleicht, dass wir ein Anliegen Gott in die Hand gegeben haben und tatsächlich Gutes daraus wurde. Vielleicht, dass sich genau im richtigen Augenblick die Freundin gemeldet hat, gerade als wir sie dringend brauchten. Solche Erinnerungen sind wichtig. Sie machen Mut und stärken unser Vertrauen, dass wir gut durch diese Krise kommen.
Also: erinnern wir uns!

Verena Übler


Dienstag, 17. März

Wer singt, kann keine Angst haben. Beides gleichzeitig geht nicht, das ist erwiesen.

Liebe Gemeinde, zwar können wir gerade nicht gemeinsam im Gottesdienst singen, aber für uns daheim schon.
Hier ist ein Mutmachlied für Sie. Singen Sie mit!

Verena Übler

 

"Whenever God Shines His Light On Me" / Van Morrison

Whenever God shines his light on me
Opens up my eyes so I can see
When I look up in the darkest night
I know everything's going to be alright
In deep confusion, in great despair
When I reach out for him he is there
When I am lonely as I can be
I know that God shines his light on me

Reach out for him, he'll be there
With him your troubles you can share
If you live the life you love
You get the blessing from above
He heals the sick and heals the lame
Says you can do it too in Jesus name

He'll lift you up and turn you around
And put your feet back on higher ground

Reach out for him, he'll be there
With him your troubles you can share
You can use his higher power
In every day and any hour
He heals the sick and heals the lame
Says you can do it too in Jesus name

He'll lift you up and turn you around
And put your feet back on higher ground.

 

Deutsche Übersetzung

Immer wenn Gottes Licht auf mich scheint,
werden meine Augen geöffnet und ich kann sehen.
Wenn ich in der dunkelsten Nacht nach oben schaue,
weiß ich, alles wird gut.
In tiefer Verwirrung, in großer Verzweiflung –
Wenn ich nach ihm greife, ist er da.
Wenn ich so richtig einsam bin,
weiß ich, Gottes Licht scheint auf mich.

Greif nach ihm, er wird da sein.
Du kannst deine Sorgen mit ihm teilen.
Wenn du das Leben lebst, das du liebst,
wirst du den Segen von oben bekommen.
Er heilt die Kranken, er heilt die Gelähmten,
er sagt, du kannst das auch, im Namen von Jesus.
Er hebt dich auf, er dreht dich um,
er stellt deine Füße zurück auf erhöhten Boden.

Greif nach ihm, er wird da sein.
Du kannst deine Sorgen mit ihm teilen.
Du kannst seine Macht nutzen
an jedem Tag und zu jeder Stunde.
Er heilt die Kranken, er heilt die Gelähmten,
er sagt, du kannst das auch, im Namen von Jesus.

Er hebt dich auf, er dreht dich um,
er stellt deine Füße zurück auf erhöhten Boden.