Gedanken zum Tag, 16. - 31. Mai

Sonntag, 31. Mai

Predigt siehe "Predigten zum Nachhören"


Samstag, 30. Mai

Wacholder, Brot und ein Krug Wasser

Eine meiner Lieblingsgeschichten der Bibel ist die vom Propheten Elia. Und da besonders die Wüsten-Szene. Elia hat das Kämpfen und Eifern und Ermahnen satt. Und zwar so richtig. Er ist fix und fertig und will am liebsten sterben. Deshalb geht er in die Wüste und legt sich unter einen Wacholderbusch. Mit einem letzten Gebet auf den Lippen schläft er ein.
Mir gefällt, wie menschlich der große Prophet Elia dargestellt wird. Er ist nicht der unantastbare, unfehlbare, heilige große Prophet. Er ist ein Mensch, der schwitzt und flucht ob der ganzen Plackerei, die das Prophetsein mit sich bringt. Er ist erschöpft, er weiß nicht mehr weiter und hat obendrein Angst, Gott zu enttäuschen. Und so ist ihm am Ende alles egal.
Aber es ist nicht das Ende. Er selbst ist Gott nämlich überhaupt nicht egal. Gott lässt ihn nicht sterben. Gott schickt ihm einen Engel, der ihn mit dem Lebensnotwendigen versorgt: Brot und Wasser. Auch das kann ich mir wieder so richtig gut vorstellen. Allein der Geruch von frisch gebackenem (oder getoastetem) Brot weckt doch die Lebensgeister. Elia greift zu. Stärkt und erfrischt sich. Und anscheinend tankt er auch innerlich auf, denn nach zweimaliger Stärkung macht er sich auf den Weg, seinen Auftrag weiter auszuführen.
Solche Szenen, wo jemand quasi eine Auszeit nimmt, gibt es etliche in der Bibel. Jona ist drei Tage im großen Fisch, Maria bleibt mehrere Wochen bei Elisabeth, selbst Jesus verschwindet für einige Zeit in der Wüste.
Und wir? Wir haben bestimmt auch schon die Erfahrung gemacht, dass Auszeiten gut tun und oftmals absolut nötig sind. Gut wäre, sie von vorneherein in unseren Alltag einzubauen und nicht erst in Ausnahmesituationen darauf gestoßen zu werden. Sollte Letzteres aber der Fall sein, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott auch uns einen Engel schickt mit Brot und Wasser im übertragenen Sinn. Gott hat kein Interesse daran, dass wir uns unter den Wacholder legen, um zu sterben. Das hat er an Ostern ein für alle Mal klar gemacht:
„Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ Johannes 14, 19

[Die Elia-Geschichte kann bei 1. Könige 19 nachgelesen werden]

Verena Übler


Freitag, 29. Mai

Atem holen

An unserem Atem merken wir oft, wie es uns geht. Ob der Atem tief durch uns hindurch strömt oder ob wir flach atmen und beinahe atemlos sind. Ob wir atemlos durch den Tag hetzen oder ob wir in unserer Mitte ruhen. Unseren Atem – wie er kommt und geht – können wir ganz bewusst wahrnehmen. Er hält uns am Leben.
Der Rhythmus von Einatmen und Ausatmen bestimmt unser Leben. Atemnot ist bedrohlich und macht Angst.
Atemluft ist unser Lebenselement – ohne sie können wir nicht leben, ohne sie gibt es keine gesprochenen Worte und keinen Gesang. Im Alten Testament gibt es eine Beziehung zwischen „Atem, Geist und Lebenskraft“ und den Worten „Weite und Raum“. Aufatmen können. Mit tiefem Ausatmen löst sich oft auch unsere Anspannung.
Gottes Geist und unser Atem sind in der Bibel aufeinander bezogen. Nach Genesis 2,7 blies Gott dem Menschen „den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen“ übersetzt Luther. Gott hat uns den Atem eingehaucht. Wir sind belebt vom Atem Gottes. „Gott gab uns Atem, damit wir leben“, heißt es in einem Lied.
Eine beeindruckende Szene wird im Johannesevangelium (Joh 20,22) geschildert: Jesus haucht, atmet, bläst seine Jünger an und sagt zu Ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Atmet ihn ein, nehmt ihn in Euch auf. Der Heilige Geist mit seiner Kraft wird spürbar.
Auch bestimmte Gebetsformen sind vom Rhythmus des Atems geprägt: Beim „Jesusgebet“ wird die Aufmerksamkeit beim Einatmen auf „Jesus“, beim Ausatmen auf „Christus“ gerichtet. Beim Einatmen nehme ich Gottes Gegenwart in mir auf, beim Ausatmen lasse ich los, was mich beengt. Das bewusste Ein- und Ausatmen wird zum Gebet.
Der Atem, das Ein- und Ausatmen, ist ein großes Wunder. Das Buch der Psalmen endet mit den Worten: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!“ (Psalm 150, 6).

Felix Breitling


Donnerstag, 28. Mai

Einfach verschwunden oder ein Versprechen

Eine Woche ist es her, dass er verschwunden ist. Einfach gen Himmel aufgefahren. Nicht mehr zu greifen, nicht mehr zu berühren. Leere bleibt zurück, die erst wieder gefüllt werden muss. Vieles geht nicht mehr und doch ist vieles möglich. Zum Beispiel von ihm zu erzählen, gemeinsam an ihn denken. Doch Zweifel kommen auf: Gibt es diese Gemeinschaft überhaupt ohne ihn? Wie können wir sie aufrechterhalten? Wie können wir sie beleben?

Ich kann mir vorstellen, dass die Jünger damals so oder so ähnlich gedacht haben. Ein Tröster war ihnen versprochen worden. Doch wer oder was sollte sie trösten?

Und die Jünger sind nicht schlecht überrascht, was dann kommt an Pfingsten. Das haben sie sich nicht träumen lassen. So hatten sie das nicht erwartet.

Wie stellen wir uns heute christliche Gemeinschaft vor? Wie kann sie gestärkt werden? Welche Rolle trauen wir Gott dabei zu? Und wovon lassen wir uns überraschen, welchen Tröster Er uns schickt?

Carolin Lochner


Mittwoch, 27. Mai

Humor

Humor ist das Salz der Erde. Und wer gut durchsalzen ist, bleibt lange frisch.
- Karel Capek -

Zwei Rentner sitzen im Park auf der Bank. Sagt der eine zum anderen: „Du, ich habe jetzt ein neues Hörgerät, das ist so toll, ich kann jetzt wieder alles hören!“
„Ja?“, fragt der andere, „was hat es denn gekostet?“ – „Halb vier!“

Bettgehzeit. Schon zum fünften Mal schickt die Mutter Fritzchen zurück ins Bett. Die Mama wird streng: „Du, liebes Kind, höre ich jetzt noch einmal das Wort ‚Mami‘, gibt es Ärger!“ Eine Weile ist es still, dann klingt es vorsichtig aus dem Kinderzimmer: „Frau Müller, ich hab so Durst… Kann ich bitte etwas zu trinken haben?“

Der Vater liest am Bett Märchen vor, damit der Sohn einschläft. Eine halbe Stunde später öffnet die Mutter leise die Tür und fragt: „Ist er endlich eingeschlafen?“ Antwortet der Sohn: „Ja, endlich…“

[Der Witz zum Sonntag aus: Sonntagsblatt, Evangelische Wochenzeitung für Bayern, 15.3.2020]

Verena Übler


Dienstag, 26. Mai

Schweigen 

Heute ein Text aus Taizé:

„Nicht nur still werden und den Lärm abschalten, der mich umgibt.
Nicht nur entspannen und die Nerven ruhig werden lassen.
Das ist nur Ruhe. Schweigen ist mehr.
Schweigen heißt: mich loslassen – nur einen winzigen Augenblick –
verzichten auf mich selbst, auf meine Wünsche, auf meine Pläne,
auf meine Sympathien und Abneigungen, auf meine Schmerzen und meine Freuden
– auf alles, was ich von mir denke und was ich von anderen halte, auf alle Verdienste, auf alle Taten.
Verzichten auch auf das, was ich nicht getan habe:
auf meine Schuld und auf alle Schuld der anderen an mir,
auf alles, was in mir unheil ist.
Verzichten auf mich selbst.
Nur einen Augenblick DU sagen und GOTT da sein lassen. (…)
Dann ist im Schweigen
Stille und Reden und Handeln und Hoffen und Lieben zugleich.
Dann ist Schweigen: Empfangen.“

Felix Breitling


​Montag, 25. Mai

FRIEDEN

Frieden – im Großen und im Kleinen.

Wichtig für die Welt, aber mindestens ebenso wichtig für dich und mich. Frieden auf engem Raum, Frieden in all unserer wiedergewonnenen Freiheit.

An dem Gebet von Franz von Assissi mag ich besonders den Begriff des Werkzeugs. Ich allein kann keinen Frieden machen, aber ich kann dazu beitragen, dass Frieden entsteht.

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass du mich trachten:
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer da hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.

(Franz von Assisi)

Carolin Lochner


Sonntag, 24. Mai

Predigt siehe "Predigten zum Nachhören"


Samstag, 23. Mai

Fundstücke

Schon lange nicht mehr daran gedacht und plötzlich fällt es einem in die Hände. Ach, hier ist es gewesen. Oder: Daran habe ich schon lange nicht mehr gedacht. Einen Moment verharren. Erinnerungen werden wach.

Oder eine Blume am Wegesrand, die sich erst jetzt um diese Jahreszeit zeigt. Ich habe sie gefunden. Nicht gesucht, aber gefunden. Es ist in dem Moment, als ob man der einzige Mensch auf dieser Welt ist, der diese schöne Blume findet, ansieht und sich daran freut.

Jedes Jahr ist es im Tierpark Hellabrunn eine Meldung wert: Das Murmeltier ist wieder erwacht. Es wurde zum ersten Mal gesichtet. Viele Besucher*innen – derzeit streng abgezählt -, machen sich auf die Suche, um es auf seinem Gelände zu finden.

Ruhe finden. In der offenen Kirche. Bei einem Spaziergang die Gelegenheit nutzen, mal schnell in die Offenbarungskirche zu schauen. Für einen Moment Ruhe finden, Gedanken sammeln, eine Kerze anzünden. Mich von Gott finden lassen. Selbst Fundstück sein.

Fundstücke. Sie erzählen Geschichten, stecken voller Leben, sind mehr als nur das Ding allein. Ob es zum Fundstück wird, hängt davon ab, was wir damit machen.

Was sind Ihre Fundstücke?

Carolin Lochner


Freitag, 22. Mai

„Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut das Samen bringe und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. […] Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.“ 1. Mose 1, 11-12.20-21

Heute ist der „Internationale Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt“. München hat dazu eine reich bebilderte Broschüre herausgegeben und dazu einen Flyer mit Tipps, wie wir alle zur Erhaltung der Artenvielfalt beitragen können. https://ru.muenchen.de/2020/95/Tag-der-Artenvielfalt-Biologische-Vielfalt-in-Muenchen-sichern-91207

Zwergdeckelschnecke

Wussten Sie, dass es in München mind. 9000 verschiedene Arten gibt? Für eine Großstadt ist das ganz schön viel. Noch nie gehört habe ich zum Beispiel von der Bayerischen Zwergdeckelschnecke. Sie kommt weltweit nur in Münchener Quellen vor! Klar, dass ihr Lebensraum besonders geschützt werden muss. Aber nicht nur ihrer, denn die Schöpfung ist uns ja als Ganze anvertraut, dass wir sie „bebauen und bewahren“. Wir haben also eine Aufgabe und eine Verantwortung. Da wir Menschen Teil der Artenvielfalt sind, tun wir gut daran, nicht an dem Ast zu sägen, auf dem wir sitzen.

Haben Sie Lust aktiv zu werden in Sachen Umweltschutz? Bei unserem ‚Umwelt-Team‘ sind Sie herzlich willkommen. Wenden Sie sich einfach per Mail an Mathias Brandstätter (mathias.brandstaetter@elkb.de).

Verena Übler


Himmelfahrt, 21. Mai

„Was es ist: Christus gen Himmel gefahren und sitzend zur Rechten Gottes, wissen wir nicht. Es gehet nicht also zu, wie du aufsteigst auf einer Leiter im Haus. Sondern das ist`s, dass er über allen Kreaturen und in allen Kreaturen ist.“ Martin Luther ist hier ziemlich zurückhaltend, wenn es um die bildliche Vorstellung von Christi Himmelfahrt ging.

Ein Antwerpener Maler aus dem 16. Jahrhundert, der die Himmelfahrt Christi malte, geht in seiner Darstellung der Himmelfahrt deutlich weiter. Unten stehen Maria und die Jünger und sehen auf den in den Himmel schwebenden Christus. Wie auf den meisten Himmelfahrtsgemälden des Mittelalters und Spätmittelalters werden hier nur der wallende Gewandsaum und seine Füße gezeigt. Unter seinen Füßen zeigen zwei Engel ein Spruchband, auf dem in Latein geschrieben steht: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Seit dem 14. Jahrhundert kam dann noch ein interessantes Detail dazu: Auf dem Felsen unter dem in den emporschwebenden Christus tauchen nun seine Fußspuren auf.

Wenn ich an die Frage „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ denke und dann auf die Fußspuren sehe, dann wollte der Maler vielleicht mitteilen:
Jesus Christus ist nun der Herr der Welt über allen Kreaturen.
Aber vergesst nicht: Sucht seine Spuren hier auf der Erde - in allen Kreaturen.
„Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“
Schaut nicht hinauf, sucht seine Spuren hier mitten in der Welt, in euren Begegnungen, in eurem Alltag.
Und, der Gedanke liegt nahe: Tretet als seine Zeuginnen und Zeugen in seine Fußstapfen und gebt seine Botschaft weiter

(In Anlehnung an den Text „Anstößige“ Himmelfahrtsbilder von Wolfgang Raible)

Das Gemälde ist zu sehen unter:
https://museenkoeln.de/portal/bild-der-woche.aspx?bdw=2013_18

Felix Breitling


Mittwoch, 20. Mai

Zeit zum Gebet – Begegnung im Zwischenraum

Wie wohltuend ist es doch, wenn sich Zwischenräume auftun, ein Lichtblick das Dunkel erhellt, etwas durchscheint. Das Himmlische im Alltäglichen.

Ich möchte heute den Gedanken zum Tag aus Bamberg vom Montag weitergeben. Sie können ihn anhören oder lesen.

https://www.erloeserkirche-bamberg.de/2020-05-18-zeit-zum-gebet

Carolin Lochner


Dienstag, 19. Mai

Gott zieht

„Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte!“
Jeremia 31, 3

Ein Kind lässt am Strand bei herrlichem Wind einen Drachen steigen. Als die Schnur völlig abgerollt ist, sieht man den Drachen gar nicht mehr, so hoch ist er in die Wolken hinein geschwebt. Ein älterer Herr tritt zu dem Kind und fragt, was es da mache.
„Ich lasse meinen wunderschönen Drachen steigen!“ sagt das Kind stolz.
„Aber ich sehe gar keinen Drachen“, sagt der Mann. „Ich sehe ihn auch nicht“, antwortete das Kind, „und doch ist er da, ich fühle, wie er zieht.“

Gott,
so oft fragen wir Menschen uns, wo du bist.
Wir können dich nicht sehen. Darum bitten wir dich: Komm uns nah, lass uns spüren, wie du uns ziehst mit deiner Liebe und Treue, deiner Barmherzigkeit und Wahrheit.
Zieh kräftig! Zieh unser Leben in deine Nähe bis ans Ziel.
Amen.

Verena Übler

[in Anlehnung an Axel Kühner, Hoffen wir das Beste]


Montag, 18. Mai

Jeder Quilt ein Einzelstück

Die Museen öffnen wieder. Im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg eröffnet morgen die Ausstellung „Amish Quilts meet Modern Art“. Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Frauen der Glaubensgemeinschaft der Amish People, gemeinsam in Patchworktechnik Quilts herzustellen. In Augsburg werden nun historische Amish Quilts und zeitgenössische Kunst zusammen gezeigt. „Im spannenden Wechselspiel suchen die Objekte aus den unterschiedlichen Epochen nach tragfähigen Antworten auf grundlegende Fragen unserer menschlichen Existenz“, so kündigt das Museum die Ausstellung an.
https://www.timbayern.de/ausstellung/sonderausstellung-amish-quilts-meet-modern-art/

Für einen Quilt werden viele bunte Stoffteile – oft auch Reste aus alten Decken oder Kleidungsstücken – zu einer großen Decke zusammengenäht. Die vielen einzelnen Teile ergeben zusammen ein ganz neues Muster oder Bild.

Ein „Quilt“ ist ein schönes Bild für unsere Glaubensgeschichte: Viele einzelne Teile kommen da zusammen: Die Taufe, Geschichten aus dem Kindergottesdienst, die Konfirmation und Jugendfreizeiten, viele Gespräche und Begegnungen. So wie die alten Stoffteile in einem Quilt zu einem neuen Bild zusammenkommen, ergeben auch die biblischen Geschichten, Gebete und alten Kirchenlieder, wenn sie mit unserer persönlichen Lebensgeschichte verwoben und vernäht werden, immer wieder neue Glaubensgeschichten.

Alle unsere Glaubens- und Lebenserfahrungen ergeben ein individuelles Muster, einen, unverwechselbaren „Quilt“ – jede Glaubensgeschichte und Gottes Geschichte mit uns ist ein „Einzelstück“.

Noch etwas: Bei den Amish people gibt es die Tradition, dass jeder Quilt einen kleinen Fehler enthält, um zu zeigen: Nur Gott ist perfekt!

Felix Breitling


Sonntag, 17. Mai

Ansprache siehe "Predigten zum Nachhören"


Samstag, 16. Mai

Die drei Siebe

„Ach hätte ich doch meinen Mund gehalten.“ Schnell ist etwas gesagt, was man eigentlich gar nicht sagen wollte. Worte, die gesagt wurden, sind in der Welt. Letztlich immer, aber ganz besonders in Situationen, in denen wir überfordert sind, die Nerven blank liegen oder wir leicht reizbar sind, ist es sinnvoll, nochmal kurz innezuhalten, bevor wir etwas sagen. Mir fällt dazu die folgende Geschichte ein:

Sokrates, der griechische Philosoph, bekommt Besuch von einem Bekannten.
„Hör mal, Sokrates, weißt du eigentlich, dass dein Freund …“
„Warte!“, unterbricht Sokrates seinen Gast. „Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“
Der Bekannte ist verwundert. „Drei Siebe?“
„Ja“, antwortet Sokrates. „Das erste ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir sagen willst, auf seine Wahrheit überprüft?“
„Na ja, ich habe es nur gehört“, räumt der Bekannte ein. „Aber …“
„Das zweite Sieb ist das Sieb der Güte und des Guten. Ist das, was du mir sagen willst, denn gut, wenn es schon nicht wahr ist?“
Der Bekannte zögert. „Nein, eher im Gegenteil.“
Sokrates fährt fort. „Wenn es nicht wahr und nicht gut ist, ist es dann unbedingt notwendig, dass du es mir erzählst? Das dritte Sieb ist das Sieb der Notwendigkeit.“
Nun ist der Bekannte bedrückt. „Notwendig ist es nicht unbedingt.“
„Also, mein Freund, wenn das, was du mir sagen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, dann begrabe es bitte und belaste weder dich noch mich damit.“

(Quelle unbekannt).

Felix Breitling