Gedanken zum Tag, 1. - 31. August

Montag, 31. August

Wo ist Gott?

Die Tagslosung für heute lautet:
Erkennet, dass der Herr Gott ist!
Psalm 100, 3

Dazu wurde folgender Lehrtext ausgesucht:
Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.
Apostelgeschichte 17, 27-28

Wo ist Gott? 
Die Apostelgeschichte gibt eine kluge Antwort. Es geht ein bisschen in die Richtung: Wo ist Gott nicht? Hat Gott sich die ganze Mühe mit der Schöpfung gemacht bis hin zur Erschaffung von uns Menschlein, um sich dann fernab auf eine Wolke zurückzuziehen, die Arme zu verschränken und kopfschüttelnd uns bei unserem Treiben zuzuschauen?
Ich glaube nicht. Mir gefällt das Bild vom Leben, Weben und Sein in Gott. Auch wenn Gott im Gebet ein Gegenüber für uns ist, ist er gleichzeitig neben, unter, in und über uns. 
Wir weben den Teppich unseres Lebens mit all den kleinen Lebensfäden und Gott ist in alles hineinverwoben. So ist er in uns und wir in ihm.

Verena Übler


Sonntag, 30. August

Predigt von Pfarrerin Verena Übler siehe Predigten zum Nachhören


Samstag, 29. August

Quelle des Lebens

Zum Abschluss der Themenwoche „Wasser“ gibt es nochmal ein Lied. Im Jahr 2018 lautete die Jahreslosung: 
„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst.“ Offenbarung 21, 6 
Das Lied zur Jahreslosung ist im Evangelischen Jugendwerk Württemberg entstanden. 
Text und Musik sind von Gottfried Heinzmann und Jans-Joachim Eißler.

Ewiger Gott,
danke, dass du mir von der Quelle lebendigen Wassers gibst.
Danke, dass du meinen Durst löschst – einfach so, umsonst.
Danke, dass diese Quelle nie versiegt.
Amen

Verena Übler


Freitag, 28. August

Was das Wasser uns lehrt

„Bei einem Fluss ist das Wasser, das man berührt, das letzte von dem, was vorübergeströmt ist und das erste von dem, was kommt. So ist es auch mit der Gegenwart.“
Leonardo da Vinci wird diese Erkenntnis zugeschrieben. 
Vielleicht ist das der Grund, dass wir uns manchmal so gehetzt fühlen. Die Zeit vergeht, sie eilt davon; was wir gerade noch als Gegenwart erlebt haben, ist im nächsten Moment Vergangenheit. Gleichzeitig strömt die Zukunft auf uns zu, wird zur Gegenwart. Was gerade noch galt, wird schon vom Neuen überholt. Und da soll uns nicht schwindlig werden?
Lassen wir uns nicht hetzen! Halten wir uns an die Worte aus dem Matthäusevangelium:
„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ Matthäus 6, 33-34

Verena Übler


Donnerstag, 27. August

Taufwasser

Eine Taufe ohne Wasser? Undenkbar. Erst wenn das Wasser und die Worte in einer Bewegung zusammenkommen entfaltet sich die Kraft des Rituals, entsteht das Sakrament.
Die Pfarrerin spricht: „Kind, ich taufe dich auf den Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Und schöpft dazu dreimal Wasser über die Stirn des Täuflings. 
Wir glauben: Das Wasser „reinigt“, es macht frei. Die Sünde hat keine Chance mehr. Ein Bund mit Gott entsteht. Es ist ein Liebesbund, der ein Leben lang gilt. Und darüber hinaus.

Bei jeder Taufe wird auch ein Bibelvers als Taufspruch ausgewählt. Sind Sie getauft? Wissen Sie noch Ihren Taufspruch? Wenn nicht, sehen Sie auf Ihrer Taufurkunde nach. Wer weiß, vielleicht schöpfen Sie genau aus diesen Worten neue Kraft.

Verena Übler 


Mittwoch, 26. August

Wir schicken ein Schiff!

Wasser ist Leben  -  so habe ich den gestrigen Gedanken zum Tag beendet. Die Urgewalt Wasser kann aber auch lebensgefährlich sein. Seit Jahren riskieren Menschen aus Verzweiflung und Hoffnung ihr Leben bei der Flucht über das Mittelmeer. 
Auf dem Kirchentag 2019 wurde die Idee, ein eigenes Schiff zur Seenotrettung zu entsenden, erstmals diskutiert und eine Resolution an die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) gerichtet.
Auf der Tagung der EKD-Synode im November letzten Jahres in Dresden haben wir (ich gehöre diesem Gremium an) dann lange das Für und Wider eines zivilen Rettungsschiffes diskutiert. Kann man Kirchensteuermittel dafür hernehmen, wenn viele Kirchenmitglieder gegen so ein Projekt sind? Unterstützt man nicht auf diese Weise lediglich das System von Schlepperbanden? Darf und soll sich die Kirche überhaupt so politisch betätigen? 
Die Mehrheit sagte ja! Man kann Menschen nicht im Mittelmeer ertrinken lassen. Unser Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der ja auch im Augenblick der Vorsitzende des Rates der EKD ist, betont immer wieder, dass die die Beteiligung an der Seenotrettung „nichts anderes als Teil eines breiten kirchlichen diakonischen Handelns sei, das den Menschen zeigt, dass wir nicht nur von der Liebe Christi reden, sondern auch nach ihr handeln“.
Zur Finanzierung wurde ein Spendenprojekt gestartet und das Bündnis „United4Rescue“ gegründet. Über 500 Partner*innen gehören diesem Bündnis an. Mit den Spendengeldern konnte das Schiff „Sea-Watch 4“ ersteigert werden. 
Inzwischen gab es schon drei Rettungsaktionen vor der libyschen Küste, bei denen 200 Menschen gerettet werden konnten. 
Anfang der Woche kamen aber auch mindestens 45 Menschen um, eben weil die Fluchtversuche in den unsicheren Booten lebensbedrohlich sind. 
Manche Kritiker*innen sagen, es sei wichtiger, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Das ist in der Tat eine Aufgabe, der die Staatengemeinschaft sich unbedingt stellen muss. Unsere diakonischen und ökumenischen Einrichtungen arbeiten auch an diesem Punkt unermüdlich. Aber kann es hier wirklich ein entweder-oder geben? Ich meine, nein. 
Man darf Menschen nicht ertrinken lassen.

Verena Übler


Dienstag, 25. August

Der römische Brunnen (7. Version, 1882)
von Conrad Ferdinand Meyer

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt 
Er voll der Marmorschale Rund, 
Die, sich verschleiernd, überfließt 
In einer zweiten Schale Grund; 
Die zweite gibt, sie wird zu reich, 
Der dritten wallend ihre Flut, 
Und jede nimmt und gibt zugleich 
Und strömt und ruht.

Ich finde immer wieder erstaunlich an welche Details aus meiner Schullaufbahn ich mich erinnere. Dieses Gedicht hat sich mir tief eingeprägt. Mein Deutschlehrer in der Mittelstufe hat versucht, es uns nahe zu bringen. Dicht vor der ersten Bankreihe stehend deklamierte er es dramatisch gestikulierend und mit recht feuchter Aussprache. Das alles zusammen hat bei den Schüler*innen in der ersten Reihe für Entsetzen, beim Rest von uns für große Erheiterung gesorgt. 
Ist es mir nur deshalb in Erinnerung geblieben? Ich glaube nicht. Conrad Ferdinand Meyer ist es gelungen die Schönheit, ja quasi das Wesen dieses römischen Brunnens (Fontana dei Cavalli Marini in der Villa Borghese) in immer verdichteterer und dadurch treffenderer Sprache zum Ausdruck zu bringen. Wunderschön, wie ich finde. 
Mein Lieblingsbrunnen in Rom ist allerdings der Schildkrötenbrunnen (Fontana delle Tartarughe) an der Piazza Mattei. Vier Jünglinge helfen vier kleinen Schildkröten über den Rand in die Schale, damit sie trinken können. Niedlich!
An heißen römischen Sommertagen ist ein Brunnen mit immer frischem Wasser aus den Albaner Bergen eine solche Wohltat – eine Oase inmitten der lauten, quirligen Stadt. 

Wasser ist Leben. Es ist ein Menschenrecht und wir tun gut daran es zu schützen.

P.S. Leider gab es kein frei verfügbares Bild zum Römischen Brunnen, daher hier nur ein Verweis: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_römische_Brunnen

Verena Übler


Montag, 24. August

Haben Sie schon mal vom „Haderwasser“ gehört?
Damals als Mose, Aaron und Miriam das Volk Israel nach der Befreiung aus Ägypten durch die Wüste führten, gab es immer wieder schwierige Situationen. Der Weg war ja wirklich nicht einfach. Es gab viele Gefahren und Unwägbarkeiten. Und der Weg nahm kein Ende. Die Hoffnung auf das gelobte Land aufrecht zu halten, war eine große Herausforderung.
Einmal kam es, dass sie in der Wüste feststeckten und kein Wasser mehr hatten. Die Nerven lagen blank. Das Volk begann zu murren. Im Bibeltext heißt es: „Das Volk haderte mit Mose.“ 
Und steigerte sich so hinein, dass sie nicht aufhörten zu jammern, „ach wären wir doch in Ägypten geblieben…“.
Also gingen Mose und Aaron ein wenig von den Leuten weg und beteten zu Gott. Und Gott gab Mose folgende Anweisung: „Nimm den Stab und versammle die Gemeinde. Du und Aaron, dein Bruder, redet zu dem Felsen vor ihren Augen. Der Felsen wird Wasser geben.“
(4. Mose 20, 8)
Alles klar. Gesagt getan. Aber Mose und Aaron führten die Anweisung nicht ganz genau aus. Statt zum Felsen redeten sie zum Volk. Und damit nicht genug, Mose schlug mit dem Stab auch noch zweimal gegen den Felsen. Gott interpretierte das so, dass die beiden nicht wirklich an ihn und seine Worte geglaubt hatten. Zur Strafe kündigte er ihnen an, dass sie die Gemeinde nicht bis ins gelobte Land bringen würden (also vorher sterben würden). 
Wasser ließ er dennoch aus dem Felsen sprudeln. Doch weil die Israeliten da mit Gott haderten (sie glaubten ja in dem Moment nicht mehr an die Verheißung, ins gelobte Land zu kommen), wurde dieses Wasser „Haderwasser“ genannt.

Es ist nicht leicht in schwierigen Momenten daran zu glauben, dass alles (wieder) gut wird. Wer hadert da nicht manchmal mit dem Schicksal, mit anderen Menschen, mit Gott?
Aber Gott bleibt treu. Gott will, dass wir leben. Vielleicht trägt die Geschichte dazu bei, dass wir uns in solchen Momenten nicht völlig dem Hader hingeben und den Kopf über Wasser behalten. 

Verena Übler


Sonntag, 23. August

Predigt von Pfarrerin Verena Übler siehe Predigten zum Nachhören


Samstag 22. August

Die letzte Themenwoche im August steht unter der Überschrift „Wasser“. 
Wahrscheinlich haben mich die heißen Tage der letzten Wochen dazu inspiriert. Denn was gibt es Schöneres, als sich innerlich und äußerlich mit köstlich-kühlem Wasser zu erfrischen?
Es wird aber in den Gedanken zum Tag nicht nur um’s Erfrischen gehen. Lassen Sie sich überraschen.

Tag am Meer

Denken Sie bei „Urlaub“ sofort ans Meer? An Strandspaziergänge, Wellen, Wind und Sonne? In diesem Sommer war für viele von uns der Urlaub nicht mit Reisen ans Meer verbunden. Gedankenreisen sind aber überall möglich. Auch am Balkon, auf einer Bank im Park oder an der Isar. Schließen Sie die Augen und entführen Sie sich für ein Lied lang mit der Band „Die Fantastischen Vier“ ans Meer:
 

 


Woche vom 15. - 21. August

Was trägt mich?
Eine Woche lang geht es rund um das Thema „Sommer“.
Klicken Sie dazu unten auf den jeweiligen Tag.

Carolin Lochner


Woche vom 8. - 14. August

Was trägt mich?
Eine Woche lang wollen wir uns mit verschiedenen Bildern, Gebeten und Texten der Frage „Was trägt mich?“ widmen.
Klicken Sie dazu unten auf den jeweiligen Tag.

Carolin Lochner


Freitag, 7. August

„Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben“ spricht Jesus im Johannesevangelium. „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,5). Bei meinem Nachdenken über die Ich-Bin-Worte in dieser Woche habe ich gemerkt, dass diese Worte zum längeren Nachdenken einladen, zum Meditieren und dass sie auch in ihrem biblischen Zusammenhang gesehen werden müssen – das geht über den Rahmen des Gedankens zum Tag leider hinaus.

Es werden immer wieder andere Worte und Gedanken der „Ich-bin-Worte“ Jesu sein, die mich zum Nachdenken anregen. Heute sind es für mich die Worte „Wer in mir bleibt und ich in ihm“. An zwei Texte musste ich beim Lesen denken:

Paulus schreibt im Römerbrief, mit der Taufe leben wir „in Christus“, aufs Engste mit ihm verbunden. So wie eine Rebe am Weinstock, wie ein Glied an seinem Leib.

Und Gerhard Tersteegen findet in seinem Lied „Gott ist gegenwärtig“ (EG 165) ganz ähnliche Worte: „Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehen und finden.“

Eine andere Möglichkeit, diesen Worten und dieser Verbindung zwischen Christus und uns nachzusinnen, ist ein kurzes Gebet, verbunden mit unserem Atem. Mit dem Einatmen spreche ich innerlich die Worte „du in mir“, mit dem Ausatmen die Worte „ich in dir“.

Felix Breitling


Donnerstag, 6. August

„Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?“ spricht der Jünger Thomas zu Jesus, als dieser von seinem Abschied redet.

Jesus antwortet ihm darauf: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6)

Mir sind diejenigen suspekt, die meinen, die Wahrheit zu haben, die meinen, alles erklären zu können, selbstsicher und überzeugt. Und ich werde immer misstrauisch, wenn Menschen von Gott so sprechen, als ob sie ihn besser kennen als er sich selbst. Der Jünger Thomas mit seinen Zweifeln ist mir da lieber.

Die Wahrheit für mein Leben ist keine Theorie und es sind keine Glaubenssätze. Ich sehe sie für mich in Jesus Christus. Der, in dem Gott als verletzlicher Mensch auf die Welt gekommen ist. Diese Wahrheit habe ich nicht, ich habe sie noch längst nicht verstanden und werde sie hier auf Erden nicht verstehen. Sie ist ein Weg und kein Begriff. Vielleicht ist diese Lebens-Wahrheit auch gar nicht mit dem Verstand zu fassen. Eher im Gebet, im Schweigen, mit dem Herzen. Ich weiß es nicht. 

Felix Breitling  


Mittwoch, 5. August

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ (Joh 11,25) sagt Jesus zu Marta, der Schwester des toten Lazarus. Diese Worte spreche ich oft am Grab. Und besonders hier spüre ich die Widersprüchlichkeit dieser Worte. Ich sehe auf den Sarg und spreche vom Leben trotz Tod.

„Wir verstehen diese Sprache nicht, aber wir sprechen sie, aus Trotz und aus Liebe zu unseren Toten. Und es schert mich nicht, dass man uns Ungereimtheiten nachsagen kann. Dass die Toten leben werden, ist das Unmöglichste, was man sagen kann. Es ist die größte Ungereimtheit, die man sich denken kann. Aber man denkt sie sich ja auch nicht, man glaubt und betet sie.“ schreibt der Theologe Fulbert Steffensky.   

Wenn ich dort stehe und diese Worte spreche, dann stehe ich für eine Hoffnung ein, die über mein menschliches Verstehen weit hinausgeht. „Wir wissen nicht genau, was wir mit dieser trotzigen Hoffnung sagen“ schreibt Steffensky weiter. „Gott weiß es, das genügt.“

An einem Satz bin ich immer hängen geblieben: „Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ Und was ist mit den Menschen, die nicht glauben?

Fulbert Steffensky ging es scheinbar auch so. Aber er hat meiner Meinung nach eine gute Antwort gefunden: „Wir wollen dem Jesus aus der Lazarusgeschichte zu einer kleinen Horizonterweiterung verhelfen: Auch wer nicht das Glück hatte, an ihn zu glauben, ,wird leben, auch wenn er stirbt‘. Wir wollen den Trost für alle Toten. Weniger als alles wollen wir nicht.“

(Zitate aus: Fulbert Steffensky: Der Schatz im Acker. Gespräche mit der Bibel, Stuttgart 2011, S. 73f.)

Felix Breitling


Dienstag, 4. August

„Ich bin die Tür“ sagt Jesus im Johannesevangelium. Der 2016 verstorbene Pfarrer Jörg Zink erzählt dazu die folgende Geschichte: „Als ich ein junger Vikar war, sprach einmal ein alter Lehrer mit mir über eine schwierige Schulklasse. Er sagte: Wenn du dich vor einer Schulkasse fürchtest, dann bleibe einen Augenblick stehen, ehe du eintrittst. Nimm den Türgriff in die Hand und sage: Christus ist die Tür. Dann geh hinein. Du wirst eine andere Stunde erleben. Der Rat lässt sich übertragen.“

Ich merke, dass ich in meinem Alltag oft unachtsam durch Türen gehe. Ich schließe schnell auf, gehe in den Raum, gehe wieder heraus. Mit jeder Tür gehe ich in eine andere Situation. Oft weiß ich nicht, was in dem Raum, den ich betrete, auf mich zukommt.

Als Übung nehme ich mir für diese Woche vor, kurz innezuhalten, bevor ich die Türe vor mir öffne und dann über die Türschwelle gehe. „Ich bin die Tür“ sagt Jesus.

Felix Breitling

 


Montag, 3. August

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12). Mein Konfirmationsspruch. Ich weiß nicht, mit welcher Motivation ich ihn mir damals ausgesucht habe. Jetzt spreche ich diese Worte oft, wenn ich bei einer Taufe die Taufkerze an der Osterkerze anzünde: „Diese Kerze ist das Zeichen dafür, dass Jesus Christus das Licht in Deinem Leben ist.“

„Ich bin das Licht der Welt“ sagt Jesus von sich. Wenn ich über diese Worte nachdenke, wird mir klarer: Ich glaube nicht an eine Theorie, an Glaubenssätze, an Dogmen. Ich glaube an den menschgewordenen Sohn Jesus Christus, der in die Dunkelheit hineingeboren wurde, der auf dieser Erde gelebt hat bis zum Tod am Kreuz, der von sich sagt „Ich bin das Licht der Welt“. Dieses Licht ist da. Es wird nicht ausgehen.

Geht mit mir, an allen Tagen, auch wenn es schwer ist und dunkel. Es wird nicht finster sein.

Felix Breitling


Sonntag, 2. August

Predigt von Pfarrer Felix Breitling s. Predigten zum Nachhören


Samstag, 1. August

Die Menschen ziehen Jesus hinterher. Sie wollen ihn hören, wollen geheilt werden, und sie haben Hunger, den Jesus wahrnimmt. Sie brauchen etwas zu Essen in ihrem Alltag, sie haben Hunger nach Leben. Es fehlte Nahrung und Jesus hat ermöglicht, dass Tausende satt wurden, Brot und Fisch genug für alle.

„Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll“ sagen sie, nachdem sie das erlebt hatten. Sie lassen nicht von ihm ab und suchen ihn. Als sie ihn gefunden haben, entwickelt sich ein Gespräch: „Ihr sucht mich, weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. Aber kümmert euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die bleibt zum ewigen Leben. Das wird euch der Menschensohn geben“ sagt Jesus zu ihnen und schließlich spricht er: „Ich bin das Brot des Lebens“.

Brot, das ist das Lebensnotwendige. Brot gegen den Hunger. Notwendig zum Überleben.

„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern.“

Brot ist Nahrung für den Alltag. Jesus begegnet Menschen in ihrem Alltag. Hier spricht er sie an, heilt sie, gibt ihrem Leben eine neue Wendung. Die Begegnungen, in denen das Leben von Menschen eine Wandlung erfährt, geschehen nicht an religiös herausragenden Orten. Jesus zieht mit seinen Jüngern durch die Dörfer, in denen die Menschen leben. Hier befreit er sie von den Zwängen ihres Lebens, spricht ihnen zu, dass sie Gottes geliebte Kinder sind. Sie wachsen über sich hinaus, erleben das Leben als Fülle und erfüllt.

„Ich bin das Brot des Lebens“, sagt Jesus. Ich will Dich nähren in deinem Alltag, in deinen Herausforderungen, für das, was Dich Kraft kostet. Hier bin ich da und stärke Dich.

Gott, der in Jesus Mensch geworden ist, ist da im Alltag – „Brot des Lebens“, ganz einfach da. Und ich bin der Überzeugung, dass wir dafür nicht besonders religiös sein oder werden müssen. Ich glaube eher ganz einfach aufmerksam für den Gott, der Mensch geworden ist, da wo ich gerade bin. Im Alltag. „Ich bin das Brot des Lebens“ spricht Jesus.

Felix Breitling