Gedanken zum Tag, 1. - 15. Juni

Montag, 15. Juni

Es gibt in diesen Tagen viel zu hören. Wenn man denn hinhört.

So zwitschern die Vögel von Beginn des Tages an bis zum Sonnenuntergang. Manchmal ist am Abend schon alles still und plötzlich setzt noch einmal eine Unterhaltung an. Am Morgen werde ich manchmal von ihnen geweckt. Es ist, als ob sie allen Guten Morgen wünschen. Ein neuer Tag. Was wird er wohl bringen?

Zu hören sind in diesen Tagen auch die lauten Stimmen. Proteste gegen Rassismus, nicht immer gewaltlos. Proteste gegen Polizeigewalt. Mit viel Zerstörungswut. Proteste gegen Kontaktbeschränkungen. Ein Appell für die Freiheit. Was höre ich, wenn ich von den  Protesten erfahre? Was löst es aus in mir?

Deutlich mehr zu hören sind nun auch wieder die Pläne, die Konsequenzen, die Neuausrichtungen der Menschen um uns herum. Die Nachbarn, die Arbeitskolleg*innen, die Freunde. Die Verkäufer*innen, die Kellner*innen.  Der Stillstand ist vorüber, das Leben nimmt wieder Fahrt auf. Was hören wir? Wie kommen die Menschen zurecht?

In der Stille hören. Was höre ich dann? Worauf höre ich – was ist es, was mich trägt, was mir Hoffnung gibt? Wie verschaffe ich mir Gehör?

Jesus spricht (zu allen): Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat. (Lukas 10,16)

Carolin Lochner


Sonntag, 14. Juni

Predigt siehe "Predigten zum Nachhören"


Samstag, 13. Juni

Musik, die uns begleitet

Musik, die uns begleitet, trägt und noch einmal ganz anders berührt als Worte allein. Johann Sebastian Bach hat die Kirchenmusik geprägt wie kein anderer. Es sind uns vertraute Klänge.

Ich bin heute fündig geworden auf der Website der Erlöserkirche in Bamberg. Etwas zum Lesen, zum Hören, zum Nachspüren: Jesus bleibet meine Freude.

https://www.erloeserkirche-bamberg.de/2020-06-12-jesus-bleibet-meine-freude

Carolin Lochner


Freitag, 12. Juni

Heute grüße ich Sie mit einem japanischen Gedicht, genannt Haiku:

Wie herrlich, herrlich:
Im Düster der Bäume selbst
Die Sonnenstrahlen!

Das Gedicht hat Matsuo Basho geschrieben. Er hat Mitte des 17. Jahrhunderts gelebt und gilt als bedeutender Vertreter dieser Versform. Mich spricht der offene, meist meditative, zuweilen durchaus humorvolle Charakter dieser Gedichtform an. Wenn ich einen Haiku auf mich wirken lasse, entstehen eigene Bilder oder kommen Erinnerungen hoch – bestenfalls solche, die mir guttun.

Haben Sie in der Rogatekirche schon einmal das besondere Schattenspiel an der Wand beobachtet? Wenn die Sonne durch die Oberlichter scheint, entstehen eindrückliche Muster auf den roten Ziegeln. Sie tauchen den Raum in eine ganz besondere Stimmung. Mir wird dann ganz andächtig zumute. Manchmal erlebe ich das auch im Wald. Dann, wenn er etwas lichter ist, vielleicht viele hochgewachsene Stämme hat, wenig Unterholz, dafür viel Moos und Gräser. Wenn dann die Sonne durchkommt, entstehen auch solche Schattenspiele und solche Stimmungen.

In beiden „Räumen“ sind das Momente, in denen ich auftanke. Und zu Hause? Da habe ich immer noch den Haiku.

Verena Übler


Donnerstag, 11. Juni

Mit dem Herzen lernen

Im Religionsunterricht schreibe ich den 23. Psalm an die Tafel. „Müssen wir das alles auswendig lernen?“ fragen mehrere Schüler. „Wie sollen wir das alles in unseren Kopf bekommen?“ Wahrscheinlich sehen sie sich schon mit weichen Knien vor der Klasse stehen und unsicher die Verse „Der Herr ist mein Hirte…“ aufsagen.

Im Englischen gibt es für das Auswendiglernen die Wendung „learning by heart“, etwas mit dem Herzen lernen. Und im Französischen heißt etwas auswendig wissen, „savoir par coeur“, etwas mit dem Herzen wissen. Das kommt auch dem Lernen in der Bibel näher als unser deutsches Wort Auswendiglernen. „Und diese Worte die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen …“ heißt es im Alten Testament über ein Gebet, das jedes jüdische Kind von klein auf auswendig lernt. Sich Worte zu Herzen nehmen, mit dem Herzen lernen und dann mit dem Herzen wissen – unser Auswendiglernen klingt demgegenüber viel kopfbezogener.

„Wir werden die Verse zusammen lernen, aber mehr inwendig als auswendig. Wir werden sie immer mal wieder gemeinsam sprechen, bis ihr sie könnt“, antworte ich den Schülern. „Ihr müsst sie nicht aufsagen. Lernt sie mehr für euch. Diese Worte sind zu wertvoll dafür, sie nur im Kurzzeitgedächtnis abzuspeichern, für eine Note aufzusagen und sie dann wieder zu vergessen.“

Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass ich das immer noch auswendig weiß, was für mich persönlich wichtig und wertvoll geworden ist und was ich verinnerlicht habe. Worte, die Geborgenheit und Vertrauen vermitteln, wie die des 23. Psalms, mein Taufspruch oder Geschichten, können uns zu einem Schatz werden, den wir in uns tragen. Vielleicht haben auch Sie einen solchen Bibel- oder Liedvers, der Ihnen wertvoll geworden ist und Sie seit langem begleitet.

Ich glaube, wir brauchen diesen Vorrat an Hoffnungsbildern in unseren Herzen, Kinder wie Erwachsene. Worte und Bilder, die vom Kopf ins Herz wandern und die uns nähren können. Worte und Bilder, die wir hervorholen können, wenn wir sie brauchen, mitten am Tag, schlaflos in der Nacht, in guten und in schwierigen Zeiten.

Felix Breitling  

 


 

Mittwoch, 10. Juni

„… und alle wurden satt!“

Die Tageslosung für heute lautet:
„Das Mehl im Krug ging nicht aus, und der Ölkrug wurde nicht leer nach dem Wort des Herrn, das dieser durch Elia gesprochen hatte.“ (1. Könige 17, 16)

Zu dieser Losung wurde folgender Lehrtext ausgesucht:

„Jesus nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie sie ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt.“ (Markus 6, 41-42)

Alle wurden satt? Mit zwei Fischen und fünf Broten? Ein Wunder, das bisweilen wirklich geschieht, wie die folgende Geschichte deutlich macht:

Über fünfzig Menschen, Alt und Jung, vom kleinen vierjährigen Jan bis zur siebzigjährigen Großmutter Anna hatten, hatten sich zu einem Familienwochenende auf den Weg gemacht. Sie waren losgezogen, um Gottes Schöpfung zu entdecken.
Die einen zogen zu einem Bauernhof, die anderen waren mit einem Mühlenbäcker verabredet. Dort durften sie ein Stück vom vorbereiteten Teig kneten und ein Brot formen. Das Feuer im Holzofen vor der Backstube war schon angefacht. Der Bäcker wischte das Reisig zur Seite und mit einem großen Schieber schob er die Brote in den Ofen. In der Zwischenzeit zeigte er ihnen die Mühle. Sie schauten zu, wie die Körner vermahlen wurden, um dann mit Wasser, Salz, Hefe und Sauerteig zu Brotteig gemischt zu werden. Aber bald ging es wieder zum Backhaus. Sie konnten es kaum erwarten, endlich zog er die dampfenden, braun gebrannten Brote aus dem Ofen.
Am Abend trafen sich die drei Gruppen auf dem Heimweg. Der Weg war lang, und einige kleine Kinder mussten getragen werden. Die Arbeit hatte sie alle müde, aber auch hungrig gemacht.
Auf einmal hatte die Gruppe, die auf dem Bauernhof war, eine Idee: „Lasst uns eine Pause machen. Hier auf der Lichtung ist genau der richtige Platz für eine Rast.“ Sie schwenkten ihre Becher mit den Butterballen und holten die Milchkanne hervor, die ihnen der Bauer zum Abschied mitgegeben hatte, voller frischer, kühler Milch. Beides stellten sie auf einen großen Baumstumpf. „Ihr habt doch Brot gebacken!“ Erwartungsvoll blickten sie auf die anderen, die bei der Mühlenbäckerei waren.
Doch die Brotbäcker schauten gar nicht fröhlich. „Das Brot ist doch noch viel zu frisch, um es zu essen.“ – „Und außerdem, die paar Brote für so viele Menschen!“
Viele der Großen wollten das Brot mit nach Hause nehmen, um es dort zu zeigen oder es aufzubewahren als Erinnerung. „Ich möchte mein Brot eigentlich nicht anschneiden“, sagte ein Vater, „ihr müsst das verstehen. Es ist das erste Mal, dass ich selber Brot gebacken habe.“ – „Lasst uns doch nachher im Heim essen, da ist doch genug Brot für alle!“ Die Stimmung in der Gruppe war schlecht. Unbemerkt krabbelte da der kleine Jan von der Schulter seines Vaters und begann, in seinem Rucksack zu kramen. Auch er hatte ein Brot gebacken, natürlich mit Hilfe seiner Geschwister, aber es war sein Brot. Er hatte aus dem Teig ein kleines Haus geformt. „Ich gebe mein Brothaus!“ rief er laut und hielt es hoch über seinen Kopf.
Betretenes Schweigen. „Nein, dein Brothaus soll nicht angeschnitten werden.“ Eine Frau machte ihren Rucksack auf. „Ich hole mein, nein, unser Brot! Wartet!“
Und auf einmal öffneten sich die Taschen und in die Gruppe kehrte die Fröhlichkeit dieses schönen Tages zurück. Da zeigte sich, dass viel zu viel Brot da war. Alle sollten essen und probieren. Mit der kühlen Milch und der frischen Butter schmeckte es aber auch zu gut an diesem Abend auf der Waldlichtung. Und alle wurden satt. Die Abenddämmerung zog herauf, aber keiner wollte aufbrechen, diese Gemeinschaft tat so gut. Ein Geschenk Gottes zum Abschluss dieses Tages, so dachten viele von ihnen.

[aus: Ulrich Walter, Gottes Spuren suchen, Gütersloh 2002]

Verena Übler


Dienstag, 9. Juni

Baustelle

Es wird viel gebaut in München. Kräne, Bagger, Gerüste, gesperrte Gehwege gehören in diesen Jahren zum Stadtbild. Mein Wohnblock wird gerade um ein ganzes Stockwerk erweitert und auch der Garten im Innenhof wird neu gestaltet. Jeden Tag ist etwas Neues zu entdecken. Hügel werden aufgeschüttet, Steine positioniert. Sogar ein Baum wurde umgesetzt. Viel zentraler hat er nun seinen Platz inmitten der Landschaft und nicht mehr am Wegesrand. Neue Wege entstehen.

Was können wir entdecken, wenn wir unsere eigene innere Landschaft betrachten? Wo gibt es nahezu unerklimmliche Berge und Hügel? Wo finden sich die Bäume, die mir Halt und Schatten geben? Wo ist der Ort, an dem ich mich einfach wohlfühle? Was würde ich vielleicht gerne verändern? Welchen Baum würde ich gerne versetzen?

Ich stelle mir es schön vor, eine Landschaft zu entwerfen, neu zu gestalten. Ggf. auch eine Korrektur vorzunehmen und darauf aufzupassen. Haben die Elemente, die ich hervorheben will, die gut sichtbar sein sollen, genügend Raum zum Atmen und zum Entwickeln ihrer Kraft? Wo finden die Elemente einen guten Platz, welche ich lieber verdecken möchte oder die ganz besonderen Schutz brauchen?  So viel auch konstruiert, gebaut und entworfen wird, manches kann  nicht beeinflusst werden. Wird der neue Baum anwachsen? Regnet es genug? Welche Tiere werden die Landschaft beleben oder auch zerstören?

Es braucht Vertrauen. In jedes Element. Und in das Ganze. Auch in meine innere Landschaft. Bei jedem Schritt der Baustelle.

Carolin Lochner


Montag, 8. Juni

Glauben weitergeben

So wie eine Kerze an der Flamme einer anderen angezündet wird, so entfacht sich Glaube an Glauben. Gewiss ist Gott es, der ihn wirkt, aber er wirkt ihn im Menschenwesen. Und so ist der Mensch dem Menschen Weg zu Gott.
(Romano Guardini)

Wer waren und wer sind die Menschen auf meinem Glaubensweg?
Was ist mir auf meinem Glaubensweg besonders wichtig geworden?
Wie gebe ich Glauben weiter?

Felix Breitling


Sonntag, 7. Juni

Predigt siehe "Predigten zum Nachhören"


Samstag, 6. Juni

Trinitatis – Gott in Beziehung

Wenn ich darüber nachdenke, was mein Leben reich macht, dann sind es Begegnungen und die Beziehungen zu anderen Menschen. Auch wenn Beziehungen nicht immer einfach sind.

Der Schweizer Theologe und Dichter Kurt Marti hat vom „geselligen Gott“ gesprochen. Von Gott, der in Beziehung geht, der sich in den Rhythmus des Lebens hineinbegibt – als Vater, in Jesus Christus und im Heiligen Geist. Und von Gott, der in sich selbst Beziehung ist. Für manch einen vielleicht etwas provokativ hat Marti Gott als eine „Beziehungskommune“ bezeichnet. In einem seiner Gedichte schreibt er:
„Weder Berührungsängste. Noch hierarchische Attitüden.
Eine Gottheit, die vibriert vor Lust, vor Leben.
Die überspringen will auf alles,
auf alle.“

Marti nähert sich so dem Geheimnis des dreieinen Gottes an. Gott ist kein Gott, der fernab von den Menschen über allem thront. Er hat keine Berührungsängste. Gott fängt mit den Menschen eine Geschichte an, kommt ihnen nahe und wendet sich ihnen vielfältig zu. Er hat Lust auf Beziehung.

Morgen, am Sonntag Trinitatis, feiern evangelische wie katholische Christen das Fest der Heiligen Dreieinigkeit. So populär wie die anderen christlichen Feste wurde Trinitatis nie, wahrscheinlich weil der Gedanke der Dreieinigkeit für viele reichlich abstrakt ist.

Eigentlich schade, denn dieser Sonntag ist eine Möglichkeit zu feiern, wie vielfältig Gott mit uns Menschen in Beziehung tritt und in unser Leben kommt.

Als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Als Gott, der über uns ist, der neben uns und mit uns ist und als Gott, der in uns ist. Der morgige Sonntag könnte auch ein Tag sein, an dem wir uns bewusst werden, dass wir Menschen als Ebenbild Gottes Beziehungswesen sind. An dem wir danken für schöne Beziehungen und ihm die schwierigen und schmerzhaften Beziehungen in unserem Leben anvertrauen. 

Felix Breitling


Freitag, 5. Juni

Göttliche Erkenntnis oder Erkenntnis über Gott

Ich teile heute einen Gedanken zum Tag aus der Bahnhofkirche Zürich in der Schweiz mit Ihnen.

Die Bahnhofkirche im Hauptbahnhof Zürich ist ein ökumenisches Angebot der katholischen und der reformierten Kirche von Stadt und Kanton Zürich und offen für alle Menschen, gleich welcher Religion oder Konfession. Sie ist eine Kirche am Weg, eine Werktagskirche. Herausgesucht habe ich das sogenannte Weg-Wort mit dem Titel: Lob des Nichtwissens

https://www.bahnhofkirche.ch/2020/05/28/lob-des-nichtwissens/

Carolin Lochner


Donnerstag, 4. Juni

Nahleben-Erfahrung

Wenn ich selbst im Gottesdienst sitze und eine Predigt höre, dann bleibe ich oftmals an einer ungewöhnlichen Formulierung hängen. Ein Wort, das ein „Ach“ oder ein „Aha“ in mir auslöst. Der Titel dieses Beitrags aus der Bahnhofskirche Zürich ist so ein Wort: Nahleben-Erfahrung. Gibt es dieses Wort überhaupt? Was ist damit gemeint? Nahtod-Erfahrung kennt man ja, aber ‚Nahleben‘?

Sind Sie neugierig geworden?

Hier ist der Text:
https://www.bahnhofkirche.ch/2020/05/06/nahleben-erfahrung/

Verena Übler


Mittwoch, 3. Juni

Deutliche Worte

Da die St. John`s Kirche in Washington vom Weißen Haus aus durch den Lafayette Park gut zu erreichen ist, nutzten sie viele Präsidenten der USA, um dort zu beten und innezuhalten.

Donald Trump nutzte die Kulisse der Kirche nun für einen Auftritt vor Fotografen, bei dem er eine Bibel in der Hand hielt. Menschen, die vor dem Weißen Haus nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd durch mehrere Polizisten friedlich demonstrierten, wurden davor von der Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen gewaltsam vertrieben, um für Trump den Weg zur Kirche zu bahnen.

Die Bischöfin der Diözese Washington, zu der die St. John`s Kirche gehört, Mariann Edgar Budde, hat daraufhin in einem Interview der CNN deutliche Worte gefunden: „Der Präsident benutzte gerade eine Bibel, den heiligsten Text der jüdisch-christlichen Tradition, und eine der Kirchen meiner Diözese ohne Erlaubnis als Hintergrund für eine Botschaft, die im Widerspruch zu den Lehren Jesu und allem steht, wofür unsere Kirchen stehen“. In einer Rede hatte Trump mit dem Einsatz des Militärs gegen Demonstrantinnen und Demonstranten gedroht.

„I`m outraged – ich bin empört. Der Präsident hat nicht gebetet, als er nach St. John`s kam“ sagte die Bischöfin im Interview. Der Spiegel zitiert sie mit den Worten: „Trump erkenne nach dem Tod von George Floyd die Qualen der People of Color in den USA nicht an. Ihre Diözese folge Jesus und dem ‚Weg der Liebe‘“.(1)

Gut, dass sie als Vertreterin der Kirche so klare und deutliche Worte gefunden und sie ausgesprochen hat.

Felix Breitling
 

  1. https://www.spiegel.de/politik/ausland/minneapolis-der-fall-george-floyd-die-aktuellen-entwicklungen-in-den-usa-und-international-a-a1f91aa0-6a2c-43b9-9002-b463cb45acc2 [abgerufen am 02.06.2020, 8.57 Uhr]

Das Interview der CNN: https://www.youtube.com/watch?v=UloYEnF0ixk


Dienstag, 2. Juni

Fokussierung

Der Geburtstag ist vorüber. Die Feier war berauschend. Die Sonne hat ihren Teil dazu beigetragen, dass es gelungen war, das Fest. Doch was kommt nun? Erinnerungen sind zwar schön. Aber das Leben muss ja auch gelebt werden. Wie wirkt der Geist weiter? In unserem Leben und im Leben der Kirche? Wie können wir uns auch im Alltag darauf rückbesinnen und den Geist wirken lassen?

Vielleicht können wir in dieser kurzen Woche uns etwas vornehmen. Nur etwas Kleines.

Vielleicht ein Lächeln am Morgen nach dem Aufstehen – symbolisiert mit einem Smiley am Spiegel als Gedächtnisstütze. Oder vielleicht auch ein Wort, ein Satz, der uns daran erinnert, dass Gott uns schon einmal so reich beschenkt hat.

Vielleicht kann ich mir auch vornehmen, dass ich mit offenen Augen interessiert unterwegs bin in meinem Viertel, in der Arbeit. Wovon kann ich mich überraschen lassen in diesen vier Tagen?

Vielleicht möchte ich mir auch vornehmen, an jedem Abend dies Gebet zu sprechen und gespannt zu sein, was es in mir bewirkt.

Herr, der Tag war voller Arbeit.
Dafür sein, dagegen halten, laute Worte,
und dann doch Einvernehmen.
Hattest du deine Hand im Spiel?
Ich danke dir, Herr, für diesen Tag,
an dem du uns Brücken gebaut hast. Amen.

(Quelle: VELKD, Abendgebet 22.05.2020)

Was auch immer es ist: Vier Tage Zeit im Arbeitsalltag, uns von der Kraft des Heiligen Geistes überraschen zu lassen.

Carolin Lochner


Montag, 1. Juni

„Rausgehen ist wie Fenster aufmachen - nur krasser!“

An Pfingsten feiern wir, dass die Jünger*innen es gewagt haben. Sie sind raus aus ihren Häusern, in die sie sich verkrochen hatten. Und in der Tat ist es dann so richtig krass geworden. Aufruhr, Tumult und Ekstase. Der Heilige Geist in Feuerzungen hat sie ergriffen. Die Anspannung ist abgefallen, Fröhlichkeit und Lachen haben sich ausgebreitet. Alle haben sich verstanden, waren ein Herz und eine Seele, egal woher sie kamen.
Petrus ist zu Höchstform aufgelaufen und hat die Predigt seines Lebens gehalten. Die blieb nicht ohne Wirkung. Seine Worte waren so überzeugend, dass sich an diesen Tagen – so heißt es – etwa 3000 Menschen taufen ließen. Krass.
Und dann ging es weiter. Es heißt, dass sie „beständig in der Lehre der Apostel*innen blieben und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“
Seit 2000 Jahren haben sich die Christ*innen an diese Grundpfeiler gehalten: Lehre, Gemeinschaft, Brotbrechen, Gebet. Einmütig ist es nicht geblieben. Auf den Grundpfeilern wurden viele verschiedene Häuser gebaut. Es gab auch Zerwürfnisse. Wir tun gut daran, in den ökumenischen Bemühungen nicht locker zu lassen. Wenn wir uns immer wieder an die Grundpfeiler erinnern, stellen wir fest, dass uns viel mehr verbindet, als uns trennt.
„Jesus Christus ist der Herr!“ unterm Strich ist es das, was Petrus in seiner Predigt sagen wollte. Unter diesem Bekenntnis sind im Ökumenischen Weltkirchenrat 350 Kirchen vereint, zu denen mehr als eine halbe Milliarde Mitglieder zählen. Krass.

Verena Übler

Zum Weiterlesen: www.oikoumene.org