Gedanken zum Tag, 1. - 15. Juli

Mittwoch, 15. Juli

Kirche - ein paar Gedanken

Kirche bedeutet für mich, gemeinsam auf dem Weg zu sein, gemeinsam auf der Suche nach Gott. Diese Suche hat mich gepackt und packt mich immer noch. „Gemeinde als Herberge“ heißt ein Buch, das bei mir im Regal steht. So wünsche ich mir Gemeinde: Als einen Ort auf dem Weg, wo wir Rast machen, anderen begegnen, Leben teilen. Und die Gastgeber sind nicht Pfarrerin oder Pfarrer, Diakoninnen oder Diakone, Einzelne oder Gruppen aus der Gemeinde. Wir sind alle Eingeladene und wir sind willkommen. Das weiterzugeben ist mir wichtig.

Ich mag den Gottesdienst sehr und dennoch gibt es noch ganz viele andere Orte, an denen wir gemeinsam Kirche sind – die Chöre in der Gemeinde, der Seniorenkreis, die Eltern-Kind-Gruppe, das Umweltteam, das Sitzen in der Stille, die Treffen der Jugendlichen und vieles mehr. Oft vergessen wir auch kirchliche Orte wie die Bahnhofsmission, die Stadtakademien, die Diakonie, die Krankenhausseelsorge und andere – so unterschiedlich ist Kirche.

Wichtig ist mir, Kirche mitten in der Welt zu sein. Gott ist Mensch geworden, mitten in dieser Welt. Deswegen ist Kirche für mich keine Sonderwelt und durchaus auch politisch. Mein Glaube und die Welt haben für mich immer etwas miteinander zu tun.

Mir ist wichtig, dass der Glaube nicht innerlich bleibt. Ihr seid das „Salz der Erde und Licht der Welt“ heißt es im Matthäusevangelium und das geschieht oft bei den einfachen Dingen mitten im Alltag.

Kirche erfahre ich auch als Gemeinschaft, in der wir miteinander und voneinander lernen, in der wir Lebenserfahrung miteinander teilen. Kirche ist für mich eine Gemeinschaft, in der sich Generationen begegnen, Menschen aus unterschiedlichen Ländern und ich wünsche mir, dass Alter, Pass, Leistung hier keine Rolle spielen. Denn über allem steht das große Ja Gottes zu uns Menschen. Kirche ist für mich eine Gemeinschaft, in der wir uns stärken und trösten. Immer mehr merke ich, dass ich mir mehr Stille wünsche in der Kirche. Ich merke, wie wichtig mir das Hören ist, auf Gott, aufeinander.

Meine Gedanken beruhen keinesfalls auf Vollständigkeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir zu diesem Thema unsere Gedanken austauschen.

Wir gemeinsam sind Kirche.

Felix Breitling


Dienstag, 14. Juli

Schwerkraft

Heute ein Gedanke zum Tag von der Bahnhofskirche Zürich. Ein Weg-Wort zum Dienstag.

https://www.bahnhofkirche.ch/2020/07/06/schwerkraft/

Carolin Lochner


Montag, 13. Juli

In der Nordkirche gibt es seit zweieinhalb Jahren ein Musikprojekt: Das Monatslied.
(www.monatslied.de) Ich habe für den Start in die Woche das Mutmachlied vom April 2019 ausgesucht: Du glättest die Wogen. Es ist ein Lied inspiriert vom Psalm 23.
Die Hamburger Musikerin Miriam Buthmann hat es getextet und komponiert. Ich habe sie mit ihrer Band beim Kirchentag in Berlin live erlebt und war total begeistert.
 

Du glättest die Wogen 

Monatslied April 2019

Du bist mein Lotse, mein Leuchtturm in der Nacht. Dein Licht weist mir den Weg in schweren Zeiten. Du bist mein Kompass, mein Steuer und Radar.
Du hältst mich sanft auf Kurs, willst mich begleiten. 

Du glättest die Wogen und alles wird leise.
Du glättest die Wogen auf meiner Reise.
Du nimmst mir die Angst und schenkst mir das Leben, hast alles gegeben, im Großen und ganz. 

Der Sturm wird stärker, die Wellen schlagen schwer. Du trägst mich selbst durch diese rauen Tage.
Du bist der Anker, der mich am Boden hält.
Du schärfst den Blick in aussichtsloser Lage. 

Du glättest die Wogen und alles wird leise.
Du glättest die Wogen auf meiner Reise.
Du nimmst mir die Angst und schenkst mir das Leben, hast alles gegeben, im Großen und ganz. 

Du flickst mein Segel mit Liebe und Geduld. Du tröstest mich und lässt mich sicher schlafen. Und ganz am Ende, wenn jeder Ton verklingt, dann kehre ich zurück in deinen Hafen. 

Du glättest die Wogen und alles wird leise.
Du glättest die Wogen auf meiner Reise.
Du nimmst mir die Angst und schenkst mir das Leben, hast alles gegeben, im Großen und ganz. 

 

Verena Übler


Sonntag, 12. Juli

Predigt siehe "Predigten zum Nachhören"


Samstag, 11. Juli

Zeitreisen

Kloster Plankstetten
Bildrechte: Mathias Brandstätter

Reisen sind in Zeiten der  Corona-Pandemie schwierig bis unmöglich geworden, vor allem wenn es um Reisen in ferne Länder geht. Eine Alternative dazu ist eine andere Art von Reisen, eine Reise zurück in die Vergangenheit,

Ich schreibe diese Zeilen während eines Aufenthalts im Kloster Plankstetten, einer Benediktinerabtei in der Nähe des Altmühltals, die vor fast 900 Jahren gegründet wurde.
Sicher, in dieser langen Zeit hat sich auch hier einiges verändert. Aber das mit einer Mauer umfasste Klosterareal liegt immer noch an der gleichen Stelle. Und wenn man sich dem Ort nähert, dann tauchen irgendwann die beiden Türme der Klosterkirche hinter den Bäumen auf. Da ist der Unterschied gar nicht so groß, ob man nun heute mit dem Auto oder Fahrrad unterwegs ist oder wie früher zu Fuß.

Ich stelle mir vor, wieviele Menschen schon vor mir schon durch die Eingangstür in den Kirchenraum eingetreten sind, was sie wohl erlebt und gefühlt haben, und sie sind mir plötzlich gar nicht mehr so fern. 

Wie oft erscheint uns ein Monat oder ein Jahr schier unendlich lange. Aber wie klein wirkt das alles gegenüber 900 Jahren, in denen das Kloster hier unverändert steht. Und was wird von dem, was uns heute beschäftigt und was wir heute erbauen, wohl noch in 900 Jahren existieren und eine Bedeutung haben?

Ich denke, es tut uns gut, wenn wir uns ab und zu eine kleine Pause vom Alltag des 21. Jahrhunderts gönnen und bei einer Reise in die Vergangenheit auch darüber nachdenken, was in unserem Leben wirklich wichtig ist.

Orte wie dieses Kloster oder Kirchen sind dafür ideale Reiseziele - und vor allem leicht erreichbar.

Mathias Brandstätter


Freitag, 10. Juli

„Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein
Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein
Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden,
nicht eine Ruhe, sondern eine Übung.
Wir sind's noch nicht, wir werden's aber.
Es ist noch nicht getan oder geschehen,
es ist aber im Gang und im Schwang.
Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.
Es glüht und glänzt noch nicht alles,
es reinigt sich aber alles.“

Ich mag diese Worte von Martin Luther. Ich bin nicht fertig. Ich bin im Werden.
Ich bin nicht am Ziel und schon gar nicht am Ende. Ich kann mich verändern und entwickeln – selbst im hohen Alter. Ich bin auf dem Weg. Gemeinsam sind wir auf dem Weg. Aus der Liebe Gottes, hin zur Liebe Gottes.

Felix Breitling


Donnerstag, 9. Juli

Text

Ich kommuniziere gerne schriftlich. Für mich gibt es dabei viele Vorteile: Ich kann es noch einmal nachlesen. Ich speichere in meinem Gehirn das Schriftbild. Manchmal mache ich auch erst beim zweiten oder dritten Lesen noch ganz andere Entdeckungen als beim ersten Lesen. Und auch das Schreiben fällt mir leichter als das mündliche Formulieren. Ich bin fokussierter und springe nicht von Gedanke zu Gedanke. Es ist überlegter. Auch ist es viel einfacher, mehreren Menschen ein und dieselbe Nachricht zu senden. Gedanken und Gespräche werden zusammengefasst.

Möglicherweise als Grundlage für ein weiteres Gespräch oder eine weitere Diskussion, für Gremienarbeit. Eine Notwendigkeit für gemeinsame Arbeit. Derjenige,  welcher für das Schaffen der gemeinsamen Grundlage zuständig ist, trägt eine große Verantwortung. Nur wenn alle über das Gleiche reden,  ist eine konstruktive Weiterentwicklung möglich.

So verstehe ich auch Bibelgespräche, mündlich oder gerne auch schriftlich. Assoziationen zum Bibeltext, Fragen dazu, ein Schreibgespräch. In den Dialog kommen über die oder sogar mit den Geschichten, Liedern, Bildern und Texten der Bibel. Meine allererste Bibel war mit der Zeit ganz bunt. Jetzt liegt gerne ein Blatt nebenan. Die Gute Nachricht mit dem heutigen Leben anreichern, kritische Fragen aus der Welt und für die Welt. Den Text zum Anlass nehmen, über Gott, über mich und andere und über unsere Gemeinde nachzudenken.

Vielleicht mit der heutigen Losung?

Der Herr ist deine Zuversicht. Psalm 91,9

Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voller Freimut. 2. Kor. 3,12

Carolin Lochner


Mittwoch, 8. Juli

Heimat.

„…Ich denke ja nicht, dass Heimat ein physischer Ort ist, in den man einfach zurückfahren kann. Die Vorstellung von einer Heimat hat mehr mit einer Sehnsucht zu tun, nach etwas, das es nicht mehr gibt. Vielleicht sogar mit etwas, das es nie gegeben hat. Das Land mit Heimat zu verwechseln, ist ja eine Illusion der Städter: Zu denken, dass dort, wo man selbst lebt, alles weitergeht, aber irgendwo auf der Welt ist ein Ort, der immer derselbe bleibt.“ 
So überlegt Arnold Stadler in einem Interview mit Heike Faller in DIE ZEIT aus dem Jahr 2000. 
Es passt gut zu einem Gespräch, das ich mit meiner Schwester hatte, die seit über 30 Jahren in Rom verheiratet ist. Sie meinte, wer einmal für immer weggegangen ist, kann nicht wieder zurückkehren. Für ihn oder sie ist die Heimat nämlich so geblieben, wie sie war, als man weggegangen ist. In Wirklichkeit hat sie sich aber natürlich verändert und ist nicht mehr so wie damals. Die Heimat, die man kennt und die man zurückkehren wollte, gibt es also nur in der Erinnerung. Und in die kann man nicht zurückkehren, jedenfalls nicht physisch.
Auch in der Bibel hat Heimat viel mit Sehnsucht zu tun. Sehnsucht nach dem Land, in dem Milch und Honig fließen, beispielsweise. Oder Sehnsucht nach der Rückkehr ins Paradies.
Diese Sehnsucht bringt der Evangelist Johannes so auf den Punkt: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.“ lässt er Jesus sagen (Johannes 14, 2). 
Es ist ein Haus, das hier und jetzt mitten unter uns ist und das bis zur Schöpfung einer neuen Welt reicht, die wir nur erahnen können.

Verena Übler


Dienstag, 7. Juli

Langsam

„Wenn es schnell gehen soll, mach langsam!" Diesen paradoxen Satz habe ich einmal im Gespräch von einem Feuerwehrmann gehört.

Gerade in stressigen Zeiten und Situationen rufe ich mir diesen Satz ins Gedächtnis. Ich setze mich erstmal hin, sortiere meine Gedanken, gehe vielleicht kurz spazieren, sammle Kraft und fange dann an. Das bringt dann viel mehr, als überstürzt anzufangen, eher kopflos als konzentriert, dann passiert noch ein blöder Fehler und was schnell gehen sollte, braucht letzten Endes viel mehr Zeit.
Wenn Menschen viel zu tun haben, wenn es schnell gehen muss, neigen sie oft zu Aktionismus und überfordern sich selbst und andere. Zufrieden ist dann am Schluss meistens keiner. Also: Stopp. Innehalten …

Mir fällt da noch ein Ausspruch Martin Luthers ein: „Heute habe ich viel zu tun, deswegen muss ich viel beten.“ Zeit zum Beten, gerade, wenn ich viel zu tun habe?

Ja, gerade dann. Es hängt nicht alles von uns ab.

…. Und dann: Anfangen.

Felix Breitling


Montag, 6. Juli

Sommer draußen

Nach den Regentagen in der vergangenen Woche verspricht die neue Woche zumindest zur Mitte hin schönes Wetter.

Die Lust auf den Biergarten wächst. Mit Abstand und Maske auf dem Weg, versteht sich. Wenn ich mich so umsehe, dann stelle ich fest: Der Abstand tut mir gut. Es ist luftiger, am Tisch ungestörter. Pflanzen kommen mehr zur Geltung. Hier kann ich zur Ruhe kommen und das Essen und das Trinken genießen. Mir kommt der Gedanke: Schön, wenn es immer so wäre…

Den Nachbarn begegnen im Hof. In den letzten Monaten eine Häufigkeit. Man plaudert. Es wird vertrauter. Auch mal von Balkon zu Balkon. Die Stadt verliert im eigenen Viertel an Anonymität, die gleichen Menschen treffen sich immer wieder. Man begegnet sich mit Respekt und Interesse.  Die Möglichkeiten in der großen Stadt sind begrenzter, im Viertel erweitern sie sich.

Draußen sein ist gut. Ein Picknick im Park, im Tierpark unterwegs, auf dem Spielplatz, Beachtennis. Mit Freunden auf dem Balkon, der Terrasse, es fühlt sich gut an. Es gibt viel Neues zu probieren, Gewohntes über Bord zu werfen, ohne es gleich immer so machen zu müssen. Ich fühle mich gut dabei. Und wenn ein paar Regentropfen kommen, was soll´s?

Sommer draußen -  ein Geschenk für uns.

Carolin Lochner


Sonntag, 5. Juli

Predigt siehe "Predigten zum Nachhören"


Samstag, 4. Juli

Tragfähig

Ein Weg-Wort zum Samstag aus der Bahnhofskirche in Zürich:

https://www.bahnhofkirche.ch/2020/06/23/tragfaehig/

Carolin Lochner


Freitag, 3. Juli

Carpe diem

Halt! Nicht gleich weiterklicken. Ja, der Spruch ist vielleicht etwas überstrapaziert. Ich habe eine Art Übersetzung entdeckt, die mir seinen Sinn noch einmal mit einem anderen Dreh nahe gebracht hat. Und zwar mit einem Gedicht von Joachim Ringelnatz:

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil’s wohltut, weil’s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiß nicht. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen, als einen Grashüpferhupf.

Carpe diem – durchschnaufen und nicht weiter denken als einen Grashüpferhupf. 
Gerade, wenn wir so wenig wissen, so wenig planen können, so wenig fest steht, ist das vielleicht die richtige Strategie. Üben wir uns im Grashüpferhupfen!

Verena Übler


Donnerstag, 2. Juli

Der jüdische Philosoph Martin Buber hat eine Geschichte überliefert, die mir wichtig geworden ist: Rabbi Bunam sagte zu seinen Schülern: Jeder Mensch soll in seiner Jacke zwei Taschen haben und abwechselnd je nach Bedarf in die eine Tasche oder in die andere greifen. In der einen liegt ein Zettel mit den Worten „Das Universum ist um deinetwillen geschaffen worden“, in der anderen ein Zettel mit den Worten „Du bist Staub und Asche“.

Mir scheint, Rabbi Bunam hat die Menschen gut gekannt. Er hat gewusst, dass wir Menschen gefährdet sind, in maßloser Selbstüberschätzung die Bodenhaftung zu verlieren. Gefährdet, selbstverliebt, um uns selbst zu kreisen. Dass wir Menschen dazu neigen, uns über andere zu überheben und auf andere herabzuschauen. Dann ist der Zettel „Du bist Staub und Asche“ heilsam, um uns wieder auf die Erde zurückzuholen.

Er wusste aber auch um die andere Seite: Dass wir Menschen dazu neigen, uns klein zu machen, uns nichts zuzutrauen, unser Licht unter den Scheffel zu stellen oder in tiefe Niedergeschlagenheit zu geraten. Dann ist es an der Zeit, den Zettel aus der anderen Tasche zu nehmen: „Das Universum ist um deinetwillen geschaffen worden“.

Schon die Bibel zeigt uns diese Spannung, in der wir leben: Gott spricht zu Adam: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden“. Das hebräische Wort „Adam“ bedeutet übersetzt Mensch und Erde heißt im Hebräischen „adamah“. Adam, aus Erde geformt, erinnert uns an unsere Erdung, und daran, wohin wir letztlich zurückkehren.

Auf der anderen Seite wird in Psalm 8 über den Menschen gesagt: „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.“ Dem Menschen wird höchste Würde zugesprochen, er hat die Möglichkeit zu gestalten und die Erde zu verwalten. Dazwischen müssen wir uns verorten.

Die Frage, wo wir stehen und wer wir sind auf der Welt, in unseren Beziehungen zu anderen und in der Beziehung zu uns selbst, beschäftigt uns ein Leben lang. Ich glaube, eine Antwort auf diese Frage finden wir nur in der Begegnung mit anderen. Wenn andere uns wirklich begegnen, ist das nicht unbedingt angenehm, weil wir hinterfragt werden und auch Kritik aushalten müssen. Manchmal brauchen wir jemanden, der uns eine neue Sichtweise eröffnet, um wieder klarer zu sehen. Oder jemanden, der uns korrigiert, wenn wir einen falschen Kurs eingeschlagen haben. In der Begegnung mit anderen können wir lernen, wann es an der Zeit ist, einen der beiden Zettel in den Taschen zu lesen. Dann ist es gut, jemanden zu haben, der uns auf den Boden zurückbringt und erdet oder aufbaut und Mut macht.

Felix Breitling


Mittwoch, 1. Juli

(Un-)Gewissheiten

Normalbetrieb ab Herbst –
eine große Hoffnung, aber auch ein erstrebenswertes Ziel?

Maskentragen in der Ubahn –
Eine Einschränkung der Freiheit, aber auch ein Akt der Rücksicht?

Arbeiten wie vor Corona –
ein Gefühl von Sicherheit, aber auch ein Rückschritt?

Schneller, besser, weiter –
Hauptsache vorwärts, aber auch eine Beschränkung meiner Freiheit?

Schnelles (Wieder)Hochfahren des Lebens –
mutig Investieren in Neues, aber auch ein Verdrängen?

Glaube –
Raum für Gotteserkenntnis, aber auch für Zweifel?

Abstand –
Ein Freiraum für mich, aber auch ein Ausgegrenztsein?

Ungewissheiten –
Raum für Hoffnung, aber auch eine Last?

Carolin Lochner